Geschenkgutscheine: Hauptsache was Persönliches

Von Peter Petschek

Die Einladung zu einer Party führt vornehmlich bei Frauen zu Kopfzerbrechen: Was soll man bloß der Gastgeberin schenken? Einrichtungs- und Buchläden werden durchstöbert - erfolglos. Die Suche nach etwas wahrlich Originellem mündet schließlich in einen Gutschein - und viel Unzufriedenheit. Warum nur?

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Corbis

Geschenkgutschein: Geht immer, macht aber nicht glücklich

Ich liebe es, mit meiner Freundin shoppen zu gehen. Zwar besuchen wir auf unseren Touren selten dieselben Geschäfte, aber danach ist Rebecca meistens für eine längere Phase glücklich, gerade wenn ich geduldig vor ihrem Lieblingsladen warte oder ihre gerade erworbene Jeans lobe ("Macht eine gute Figur!"). Mittlerweile reicht auch oft schon ein zustimmendes Zwinkern oder ein kurzes Nicken, und ihre gute Laune hält für die nächsten beiden Tage an.

Schwieriger wird es allerdings, wenn es um Geschenke geht. Sie hat viele gute Bekannte und wird deshalb auch oft auf Geburtstagspartys eingeladen. Obwohl ich meistens zu den stilleren Gästen gehöre und auch sonst wenig Aufsehen errege, werde ich mittlerweile immer mit eingeladen. Das bedeutet, dass ich auch in den Geschenkfindungsprozess einbezogen bin.

Das Dumme an vielen guten Bekannten ist, dass man selten genug über sie weiß, um direkt eine passende Idee für ein Geschenk zu haben. Ein Gutschein ist immer mein erster Gedanke, weil ich die Leute noch viel weniger kenne als meine Freundin. "Viel zu unpersönlich!", winkt Rebecca dann ab. Lieber ein Buch! Humor, Kochen oder doch ein Thriller? Wenn Sie das Geburtstagskind doch nur besser kennen würde! Bei Frauen lohnt vielleicht noch ein Blick in einen Einrichtungsladen, haben die nicht einen Wintergarten, in dem sich diese Vase gut machen würde?

Zwei Nachmittage Erfolglos-Shopping sind schon vergangen, bis ihre Einsicht kommt: Doch ein Gutschein! Wir schenken mit drei anderen zusammen. Das verteilt die Verantwortung, falls das Geschenk doch nicht so gut ankommt, denkt Rebecca. Aber welcher Gutschein? Amazon? Macht ja jeder. Zudem könnte es sein, dass die Beschenkte lieber den Buchladen um die Ecke unterstützt als dieses Riesenunternehmen. Der hat natürlich schon zu, und online kann man in diesem Fall auch nichts mehr ausrichten. Einrichtungsgutschein ist vielleicht doch nicht das Richtige, also doch einer für neue Klamotten. Rebecca atmet einmal tief durch, presst die Lippen zusammen und sieht gar nicht zufrieden aus.

Denn der Betrag muss noch geklärt werden. Fünf Leute mal 20 Euro, macht eine schöne runde Summe.

"Aber du hast doch gar nicht so viel mit ihr zu tun wie wir anderen, du brauchst nicht so viel zu zahlen", sagt Rebecca.

"Doch, will ich aber, ich geh doch auf dieselbe Party, außerdem ist das ein runder Geburtstag, da kommt diese runde Summe auf dem Gutschein ganz gut", sage ich.

"Nee, so viel können wir für den Gutschein nicht ausgeben, wir müssen noch eine Karte holen und Schokolade!"

"Ein Euro für 'ne Karte und noch mal einer für die Schokolade, das geht schon."

"Nee, das muss schon was Vernünftiges sein!"

"Das ist so unpersönlich"

Rebecca holt also eine Karte und eine Packung Pralinen, die zusammen fast so viel kosten wie der Gutschein. Meine skeptischen Blicke werden ignoriert. Die Karte spielt beim Aufklappen "Verdamp lang her". So etwas kann wahrscheinlich nur ein Mensch mit viel Humor und ohne BAP-Phobie den Schenkenden nicht übelnehmen.

Und tatsächlich: Kein böser Blick bei der Übergabe, viel herzliches Lachen, was allerdings auch daran liegt, dass das Geburtstagskind bei der lauten Tanzmusik drum herum gar nicht mitkriegt, dass die Karte außer ein paar Unterschriften noch viel mehr zu bieten hat und umständlich darauf hingewiesen werden muss.

Ich schmunzle, ist ja alles gutgegangen. Denke ich aber nur, denn Rebecca verzieht schon wieder ihre Schnute.

"Meinst du, dass sie sich darüber gefreut hat?"

"Ja klar, das hat man doch gesehen!"

"Ich weiß nicht. Sie hat so viele andere, tollere Geschenke bekommen. Ich glaube, wir hätten doch lieber was anderes als einen Gutschein holen sollen. Das ist so unpersönlich."

Das ist das Dumme, dachte ich bei mir, selbst auf noch so kleinen Feiern gibt es immer Geschenke, von den man denkt, sie seien toller, persönlicher, origineller, teurer als das eigene. Wer sich davon nicht freimacht, kann vor jeder Geburtstagsparty wieder von neuem mit der Diskussion anfangen.

Vor ein paar Wochen war ich mit einem Kumpel unterwegs, der kurz zuvor Geburtstag hatte. Er hatte von einem Bekannten eine Grill-Fibel bekommen, er fand das Geschenk super und sehr persönlich. Nun hatte eben dieser Bekannte Geburtstag, und mein Kumpel war gerade auf dem Weg, um das Geschenk zu besorgen: Es wurde dieselbe Grill-Fibel. Das war sein voller Ernst, es wehte nicht ein Hauch von Ironie über diesem Geschenk.

Das Geburtstagskind hat sich aus vollem Herzen darüber gefreut. Und fand es sicherlich sehr persönlich.

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1. obergeile Idee
old_spice 08.10.2012
Zitat von sysopCorbisDie Einladung zu einer Party führt vornehmlich bei Frauen zu Kopfzerbrechen: Was soll man bloß der Gastgeberin schenken? Einrichtungs- und Buchläden werden durchstöbert - erfolglos. Die Suche nach etwas wahrlich Originellem mündet schließlich in einen Gutschein - und viel Unzufriedenheit. Warum nur? http://www.spiegel.de/panorama/warum-frauen-sich-immer-gutscheine-schenken-a-859669.html
Geschenkgutscheine vorsichtig öffnen, dann kann man diese bei Gelegenheit weiterverschenken. Zumal diese inzwischen unbegrenzt haltbar sein sollen. Aber Achtung: wenn es z.B. die Buchhandlung seit 2 Jahren nicht mehr gibt, ist der Gutschein fast wertlos. Man kann diesen dann nur noch an weniger gute Freunde weiterverschenken.
2. Ohrfeigengarantie
widower+2 08.10.2012
Hätte ich bei meinen gesamten Verflossenen gehabt, hätte ich wie der Autor nach dem Kauf einer Jeans gesagt: "Macht eine gute Figur." Man beachte das Wörtchen "macht."
3. Dann doch lieber Bargeld...
t.holzbein 08.10.2012
... das ist sozusagen ein Universalgutschein, einlösbar in jedem beliebigen Laden. Kann auch schön verpackt werden, zwingt den Beschenkten aber nicht in einen bestimmten Laden.
4. ...
deus-Lo-vult 08.10.2012
Zitat von t.holzbein... das ist sozusagen ein Universalgutschein, einlösbar in jedem beliebigen Laden. Kann auch schön verpackt werden, zwingt den Beschenkten aber nicht in einen bestimmten Laden.
Aus Bargeld lassen sich absolut kreative Dinge basteln wie z. B. ein Bargeldbaum! Bargeld wirkt zwar immer irgendwie Ideenlos, ist aber immer noch besser als etwas falsches. Mir persönlich ist z.B. Bargeld oder ein Gutschein lieber als etwas, was ich nicht gebrauchen kann.
5. Stimmt
Andreas Rolfes 08.10.2012
Zitat von deus-Lo-vultAus Bargeld lassen sich absolut kreative Dinge basteln wie z. B. ein Bargeldbaum! Bargeld wirkt zwar immer irgendwie Ideenlos, ist aber immer noch besser als etwas falsches. Mir persönlich ist z.B. Bargeld oder ein Gutschein lieber als etwas, was ich nicht gebrauchen kann.
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    Unser Kolumnist Peter Petschek lebt mit seiner Freundin in einer kleinen Wohnung tief im Osten Hamburgs. Er wundert sich ständig über das, was Frauen tun, lassen, sagen, essen, fühlen, denken und schreibt deshalb darüber. Sein Motto: Ein Klischee ist nur der Durchschnitt einer Summe aller Erfahrungen.