Schwierige Geschenkesuche: Lass dich überraschen!

Von Peter Petschek

Das richtige Geschenk für den Partner oder die Partnerin finden? Eine gewaltige Aufgabe. Viele Paare verzichten zu Weihnachten völlig auf Präsente - auch aus Angst vor bösen Überraschungen. Doch gerade solche Patzer können Jahre später wertvoll werden.

Vorfreude beim Auspacken des Geschenks: Gute oder schlechte Überraschung? Zur Großansicht
Corbis

Vorfreude beim Auspacken des Geschenks: Gute oder schlechte Überraschung?

Rebecca und ich feiern jetzt schon unser drittes gemeinsames Weihnachten. Eigentlich sollten wir uns gut genug kennen, um bei der Geschenkauswahl den Geschmack des anderen zu treffen. Leider wissen wir alle, dass diese Logik überhaupt nicht zutrifft. Was sonst sagen uns die verzweifelten Gesichter offenbar lang verheirateter Herren, die dieser Tage ratlos in den Damenbekleidungsabteilungen diverser Kaufhäuser umherirren? Um am 27. Dezember wieder dort aufzutauchen: Umtausch, bei der Größe um zwei Nummern verschätzt. Selbstverständlich nach unten, Wunschvorstellung schlägt Realität.

Vielleicht war es diese Vorstellung, vielleicht aber auch nur meine Erschöpfung (erst im November hatte Rebecca Geburtstag), die mich veranlasste, ihr vorzuschlagen, an diesem Weihnachten auf Geschenke zu verzichten. "Wir haben doch schon alles!" Doch keine Chance, Rebecca besteht aufs Schenken. Laut einer Umfrage schenkt sich jedes vierte Paar, das in einer längeren Beziehung lebt, zu Weihnachten nichts. Was sind die Gründe?

Religion vielleicht, Weihnachten wird nicht überall gefeiert. Konsumkritik, klar. Meistens aber dürfte der Verzicht damit zusammenhängen, dass in den Jahren zuvor nicht immer alles so lief, wie beide sich das vorgestellt hatten. Wieso sollte man sonst freiwillig auf eine Sache verzichten, die Freude macht?

Wunschlisten sind für Kinder

Wahrscheinlich liegt es an den Wünschen. Laut dieser Umfrage lassen sich die meisten Leute von den Geschenken ihres Partners überraschen. Wunschlisten sind offenbar nur etwas für Kinder. Frauen sind geradezu allergisch dagegen, einen Wunsch zu äußern. Überraschungen sind für sie etwas tief Romantisches, das die Beziehung stärkt. Es sind aber wohl nicht immer die tollsten Überraschungen, die unter dem Weihnachtsbaum liegen, das zeigen die Details der Umfrage. Je länger die Paare zusammen sind, desto seltener wollen sie sich überraschen lassen.

Es läuft also ungefähr so in einer Beziehung: Ich lass mich überraschen -> böse Überraschung -> zaghafter Wunsch -> böse Überraschung -> Verzicht aufs Schenken.

Aber auch mit einem Wunschzettel kann der Schuss nach hinten losgehen. Bei unserem ersten gemeinsamen Weihnachten wies ich Rebecca auf diverse Bücher hin. Zack, sie lagen unterm Baum. Rebecca strahlte, ich auch. Aber nur so lange, bis ich jeweils ein paar Seiten der Werke las. Nein, die waren doch nichts, stellte ich fest, verkaufte sie heimlich bei Ebay, aber wer kann sowas schon auf Dauer vor seiner Freundin geheim halten? Da half es auch nichts, dass ich ihr versicherte, das Geld sofort in ein neues Buch investiert zu haben.

Seitdem heißt es wieder wie damals bei Rudi Carrell: Lass dich überraschen! Denn eines habe ich in den vielen Jahren gelernt: Die schlimmsten Geschenke sind irgendwann die schönsten! Ein gewisser Abstand macht aus jeder bösen Überraschung den lustigen Höhepunkt eines Weißt-du-noch-Gesprächs. Jedes Jahr kann sich meine Mutter vor Lachen kaum halten, wenn sie wieder von dem Nachthemd in der Dimension eines Zwei-Mann-Zelts oder dem Großsortiment 4711 Kölnisch Wasser erzählt, mit denen mein Vater sie mal beglückte.

Ganz so weit werde ich bei Rebecca diesmal noch nicht gehen.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Vorschlag
raulkatos 22.12.2012
Sich etwas gemeinsam schenken. Also etwas, das beide nutzen können oder das man gemeinsam erleben kann, auf das man sich vorher geeinigt hat.
2.
BjoernKluge 22.12.2012
Ich finde es immer besser, wenn ein Geschenk einen größeren ideellen als materiellen Nutzen hat. Ein Handy ist rein materiell meiner Meinung nach, aber wie steht es mit einem musikalischen Ereignis, das man vlt ein Leben lang nicht vergisst, oder Fotodrucke großer Meister...etc etc etc
3. Geschenke sind wichtig
alwimawi 22.12.2012
wir beschenken uns auch noch nach elf Jahren und es ist immer wieder schön! Fehlgriffe nehmen wir dabei in kauf.
4. Versteh ich gar nicht..
solitube 22.12.2012
Manchmal hab ich den Eindruck, vor allem Männer haben einfach wenig Lust und Geduld sich genug Gedanken zu machen, aber persönlich kann ich mich da eigentlich nicht beschweren. Hab von meinen Freunden und auch männlichen Familienmitgliedern immer schöne Geschenke bekommen und ich glaube umgekehrt auch. :) wie dem auch sei, Frohe Weihachten!
5. Geschenke sind toll
albert schulz 22.12.2012
Wahre Zuneigung hat mein Vater stets bewiesen. Er schenkte meiner Mutter gar zu gern Dinge, auf die sie ihr Leben lang gewartet hatte: eine wissenschaftliche Kulturgeschichte in zig Bänden etwa oder eine kritische Gesamtausgabe von Goethe oder dutzende von einzigartigen Platten klassischer Musik. Sie hat keine allzu große Begeisterung geheuchelt, ist aber im Laufe der Jahre dazu übergegangen, ihrem Gatten Bügeleisen und Staubsauger feinster Qualität zu schenken. Die Schenkerei unter Erwachsenen ist schlicht albern. Ich bedrohe Menschen seit Jahren mit sofortigem Beziehungsabbruch, wenn man das geschenkte Zeug nicht essen oder trinken kann. Bei Büchern werde ich wahnsinnig, so gern ich lese. Wenn man sie auch noch vom Autor persönlich bekommt, wird es ungemein schwierig, Knigge und persönliche Animositäten erträglich übereinanderzubringen. Und dummerweise spricht mein Gesicht schon lange vor meinem Tobsuchtsausbruch. Das hat immerhin den Vorteil, daß der Schenker sich darauf einstellen oder die Flucht ergreifen kann. Und dann darf ich mir das ganze Jahr anhören, ich hätte keine Empathie oder wie das heißt.
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  • A. Lampe
    Unser Kolumnist Peter Petschek lebt mit seiner Freundin in einer kleinen Wohnung tief im Osten Hamburgs. Er wundert sich ständig über das, was Frauen tun, lassen, sagen, essen, fühlen, denken und schreibt deshalb darüber. Sein Motto: Ein Klischee ist nur der Durchschnitt einer Summe aller Erfahrungen.