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Elterncouch

Elterncouch Kinderarbeit

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Vito

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Kinder sind manchmal wahnsinnig süß - und manchmal machen sie uns wahnsinnig. Für SPIEGEL ONLINE legen sich eine Mutter und zwei Väter regelmäßig auf die Elterncouch.

Juno Vai schreibt auf der Elterncouch im Wechsel mit Theodor Ziemßen und Jonas Ratz.
Keine Lust zu arbeiten? Dann lassen Sie doch Ihre Kinder machen. Ich habe kurzfristig meinem Sohn den Job überlassen. Sein Thema: Was Eltern in der Erziehung falsch machen.

Neulich saß ich auf meinem Sofa und dachte über ein Thema für diesen Blog nach. Alle Ideen auf meinem Zettel fand ich ein wenig dümmlich und fad. "Du musst effizient sein", mahnte ich mich selbst. "Denk wie ein Unternehmer." Und dann tat ich genau das und kam auf - Kinderarbeit!

"Viiitooo!", brüllte ich. "Muuuhuttti!", schallte es merkwürdig lieblich zurück.

Mein Sohn ist ein seltsames Kind. Seit er einen Comic über einen DDR-Jungen namens "Mürgo" gelesen hat, nennt er mich nicht mehr Mama, sondern Mutti. Weil das so herrlich ostig klingt, sagt er, aber auch, weil er denkt, damit mehr bei mir erreichen zu können.

Offenbar führte Vito etwas im Schilde. Mutti aber auch. Ich setzte mein freundlichstes Lächeln auf und fragte: "Hättest du nicht Lust, mal wieder zu malen? Du könntest mir bei meinem Job helfen und einen Comic zeichnen."

Von wegen Effizienzmaximierung

"Oh ja!", rief er unerwartet schnell begeistert. Dann warf Vito seine Grübchen an und machte Bling-Bling mit den Äuglein. "Muhutti", fragte er verschwörerisch, "wenn ich für dich arbeite, krieg ich dann auch was dafür?"
"Touché", dachte ich. Von wegen Effizienzmaximierung durch Kinderarbeit.
"Klar", sagte ich. "Was soll's denn sein?"
"Ein Gutschein für mein 'Dragon City'-Spiel, vielleicht?"

"Dragon City" ist eines dieser Umsonst-Handy-Spiele, die sich schnell als nicht ganz so umsonst herausstellen. Ich habe es in einem Moment der Verzweiflung auf mein Telefon geladen, um den Sohn bespaßen zu können. Ein Universum aus bunten, drallen, fauchenden Ungeheuern, die man ausbrüten, füttern und dann aufeinander hetzen muss, um Punkte zu sammeln. Perfide Spielstrategen haben dafür gesorgt, dass das Kind sehr schnell nach sehr viel mehr Drachen verlangt, mehr Inseln, mehr Paralleluniversen. Und die kann man eben auch kaufen.

"Hm, na gut, vielleicht ein Zwei-Euro-Gutschein?", schlug ich vor. Vito war begeistert - und fing sofort an zu malen.

Das Thema? Wie man Kinder gut erzieht, natürlich. Und hiermit übergebe ich an meinen Sohn, der hier unter seinem Künstlernamen Toxikdog arbeitet:

Fotostrecke

5  Bilder
Comic: Wie man Kinder gut erzieht

Zur Autorin
  • Michael Meißner
    Juno Vai,
    Mutter von Vic (12) und Vito (9)

    Liebstes Kinderbuch: der Pinguin-Comic von meinem Sohn

    Nervigstes Kinderspielzeug: alles mit komplizierten Anleitungen

    Erziehungsstil: Liebe, Verlässlichkeit, Respekt

10 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
culinarius 28.01.2016
conniekrug 28.01.2016
wauz 28.01.2016
isa75 28.01.2016
Dec 28.01.2016
managerbraut 28.01.2016
Senf-Dazugeberin 28.01.2016
Andreas1979 28.01.2016
FairPlay 28.01.2016
KurtT. 28.01.2016

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