Jugendliche Trump-Fans in Washington Schüler in der Kritik für Verhalten gegenüber Ureinwohner

In den USA sind katholische Schüler für ihr Verhalten gegenüber einem Ureinwohner scharf kritisiert worden. Die Kirche gibt sich zerknirscht, die Politik gibt der Trump-Regierung Mitschuld am Zerfall der guten Sitten.

REUTERS

Im US-Bundesstaat Kentucky sorgt ein Video für Empörung: Darauf ist zu sehen, wie ein Heranwachsender mit rotem "Make America Great Again"-Cap vor einem amerikanischen Ureinwohner steht. Der Teenager lächelt und starrt den älteren Mann an. Der hält seinem Blick stand und schlägt weiter seine Trommel, während er dazu singt.

Um den Schüler herum stehen johlend überwiegend weiße Teenager, viele ebenfalls mit Caps, auf denen Donald Trumps Wahlkampfslogan steht. Die Situation scheint feindselig und droht offenbar zu eskalieren.

Wie US-Medien berichten, ereignete sich der Vorfall am vergangenen Freitag auf den Stufen zum Lincoln-Denkmal am Rande des "Indigenous Peoples March" in der US-Hauptstadt Washington. Bei den jungen Leuten soll es sich um Schüler einer katholischen Einrichtung handeln. Berichten zufolge hatten sie in Washington am sogenannten "Marsch für das Leben" von Abtreibungsgegnern teilgenommen.

Die Herkunft der Jugendlichen im Video war schnell gefunden: Auf einigen Kapuzenpullovern der jungen Provokateure war das Logo der Covington Catholic High School aus Park Hills in Kentucky abgebildet.

"In dem Fall wird ermittelt"

Unter anderem Kaya Taitano, eine 26-jährige Studentin, hatte das Geschehen im Video festgehalten und auf Instagram veröffentlicht. Die Empörung war gewaltig. Die zuständige Diözese Covington und auch die Schule beeilten sich, das Vorgehen der Teenager zu verurteilen. Die Diözese entschuldigte sich und erklärte laut "Cincinnati Enquirer": "In dem Fall wird ermittelt und wir werden angemessene Maßnahmen ergreifen, bis hin zum Schulverweis." Die Kirche bedauerte zudem, dass die Pro-Life-Bewegung der Abtreibungsgegner unter dem Verhalten der Jugendlichen zu leiden habe.

Bei dem Ureinwohner handelt es sich um Nathan Philipps, einen 64 Jahre altes Mitglied des Omaha-Stamms. Er sagte der "Washington Post" am Samstag, er habe angesichts der drohenden Eskalation zunächst den Rückzug antreten wollen. Dann aber sei der Junge mit dem Trump-Cap vor ihm aufgetaucht und er habe beschlossen, weiter zu singen. "Ich fühlte, dass der Geist durch mich sprach", sagte Phillips.

Die Schüler hätten "Baut die Mauer, baut die Mauer" gerufen - offenbar in Anlehnung an Trumps Forderung nach dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Dabei befände man sich doch auf dem Land der Ureinwohner, sagte Phillips. "Hier sollte es keine Mauern geben, die gab es jahrtausendelang nicht."

Alison Grimes, demokratische Innenministerin im Bundesstaat Kentucky, rügte die Schüler in einem Tweet. Die Schulverwaltung und alle Lehrkräfte seien aufgerufen, ein solches Verhalten zu verurteilen. "Das ist nicht das Kentucky, das wir kennen und lieben", schrieb sie.

Auch von kirchlicher Seite gab es Kritik. Der Jesuitenpriester James J. Martin erklärte, diese Form der Respektlosigkeit sei "nicht katholisch, nicht christlich und nicht akzeptabel".

Die Kongressabgeordnete Deb Haaland - die erste Ureinwohnerin in diesem Amt - zeigte sich empört über das Video: Er sei bereit gewesen, sein Leben für die Vereinigten Staaten zu lassen. "Die Zurschaustellung des blanken Hasses, die Respektlosigkeit und Intoleranz der Schüler sind ein Zeichen dafür, wie sehr der allgemeine Anstand unter der derzeitigen Regierung gelitten hat."

Schon bevor Philipps den Schülern entgegentrat, war die Stimmung vor dem Lincoln-Memorial extrem aufgeladen: Videoaufnahmen zeigen, wie sich die Jugendlichen und eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten gegenüberstehen. Um wen genau es sich bei den Gegendemonstranten handelt, ist unklar: Auf den Aufnahmen sind mehrere erwachsene Männer zu sehen, die mehrfach Beleidigungen in Richtung der Schüler rufen.

Nach mehr als einer Stunde läuft dann Philipps zwischen beiden Gruppen entlang und auf die Schüler zu - dann kommt es zu der Szene, die nun so vielfach kritisiert wird.

Gegenüber der "Washington Post" sagte Philipps, er habe gemerkt, wie die Stimmung zwischen den beiden Gruppen zu eskalieren drohte. Er habe weiter getrommelt und gebetet, dass die Demonstration friedlich beendet werden könne, sagte Philipps im Interview mit MSNBC.

Er sei zwischen die Gruppen gelaufen, in der Hoffnung, die Lage zu entspannen. "Seht euch mein Amerika an. Seht euch meine weißen und schwarzen Brüder hier an. Sie zerren aneinander. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem man nicht mehr daneben stehen und zuschauen kann."


Anmerkung der Redaktion: Wir haben inzwischen mehr Hintergründe zu dem Vorfall ergänzt, darunter auch die Tatsache, dass es bereits vor Philipps Aufeinandertreffen mit dem Schüler zu verbalen Auseinandersetzungen vor dem Lincoln-Memorial gekommen war. Wir haben den Text angepasst. Eine Meldung mit weiteren Stellungnahmen der Beteiligten lesen Sie hier. Einige Tage nach dem Vorfall stellte Philipps laut "Washington Post" und "New York Times" zudem klar, dass er zwar im US-Militär gewesen sei, nicht jedoch im Vietnamkrieg. Wir haben auch das korrigiert.

ala/aar



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