Weiberfastnacht Kölner Polizei nimmt mehr als 200 Anzeigen auf

In der ersten Karnevalsnacht gab es Schlägereien, Diebstähle und allein in Köln 22 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe. Für ganz NRW zieht die Polizei dennoch eine überwiegend positive Bilanz.

Karneval in Köln: Polizisten und Jecken
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Karneval in Köln: Polizisten und Jecken


Die erste Karnevalsnacht in Nordrhein-Westfalen ist aus Sicht der Einsatzkräfte trotz des üblichen Chaos vergleichsweise ruhig verlaufen. Vor allem in der Karnevalshochburg Köln musste die Polizei in den Abendstunden aber immer wieder eingreifen, teilte eine Sprecherin mit.

Dort wurden insgesamt 224 Anzeigen wegen Körperverletzungen, Sachbeschädigungen aber auch sexueller Übergriffe aufgenommen. Elf Polizisten wurden bei Auseinandersetzungen leicht verletzt. Mit dem erhöhten Alkoholkonsum sei in den Abendstunden auch das Aggressionspotenzial gestiegen. Rund 180 Menschen landeten in Polizeigewahrsam.

Die Kölner Polizei registrierte 23 Taschendiebstähle, 143 Körperverletzungen und sechs Raubstraftaten. Darüber hinaus wurden laut Kölns Leitendem Polizeidirektor Michael Temme 22 Sexualdelikte angezeigt. Das sind 13 mehr als im Vorjahr. Temme führte diesen Anstieg unter anderem auf die zunehmende Bereitschaft von Opfern zurück, Strafanzeige zu erstatten; die Polizei begrüße diese gestiegene Anzeigebereitschaft.

Die Delikte reichen laut Polizei von sexueller Beleidigung bis hin zu Vergewaltigung. Laut Temme waren zwei Delikte schwerwiegend. Im ersten Fall war das Opfer eine belgische Fernsehreporterin. "Diese Journalistin ist unter den Augen der laufenden Kamera begrapscht und sexuell belästigt worden", sagte Temme.

Der zweite Fall betrifft eine Frau, die am frühen Freitagmorgen auf dem Heimweg niedergeschlagen und "offenbar auch vergewaltigt wurde", wie Temme sagte. Im diesem Fall ist laut Polizei ein 17-jähriger Tatverdächtiger festgenommen worden. Der Jugendliche habe Asylstatus, sagte eine Polizeisprecherin. Er und die Frau werden vernommen.

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Weiberfastnacht: Köln, wie es singt und wacht
In den vergangenen Jahren waren nach Polizeiangaben in Köln im Durchschnitt insgesamt rund 50 Sexualdelikte an den Karnevalstagen von Weiberfastnacht bis Fastnachtsdienstag angezeigt worden. Temme zeigte sich überzeugt, dass auch in diesem Jahr mit einer vergleichbar hohen Gesamtzahl von Anzeigen wegen Sexualdelikten zu rechnen sein dürfte.

Nach den Übergriffen in der Silvesternacht waren die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt deutlich verschärft worden. Die Polizei war an Weiberfastnacht mit 2500 Beamten in den Straßen präsent, deutlich mehr als üblich. Die Stadt setzt zudem mehr als 300 zusätzliche Ordnungskräfte ein. Am Dom wurde ein "Security Point" für Frauen eingerichtet. In der Silvesternacht hatten dort in der Nähe große Gruppen von vorwiegend nordafrikanischen Männern Frauen umzingelt, bestohlen und sexuell bedrängt.

Kinderkarneval in Herne nach Drohbrief abgesagt

Die Düsseldorfer Polizei machte am Morgen keine Angaben zu ihrer Einsatzbilanz. In Bonn und Duisburg blieb es nach Polizeiangaben überwiegend friedlich. "Außer ein paar Auseinandersetzungen und Ruhestörungen gab es bei uns nichts Gravierendes", sagte ein Duisburger Polizeisprecher. Ähnlich äußerte sich die Polizei in Mönchengladbach.

In der Gemeinde Stukenbrock im Kreis Gütersloh wurde eine 24-jährige Frau nach ersten Erkenntnissen während des Straßenkarnevals vergewaltigt. Sie hatte sich am Donnerstagabend bei der Polizei gemeldet. Wenig später nahmen die Beamten einen 29-jährigen Verdächtigen fest.

In Herne wurde aus Angst vor einem möglichen Anschlag der Kinderkarneval abgesagt. Es sei ein Zeitungsartikel mit verdächtigen Kritzeleien im Briefkasten entdeckt worden, sagte Rüdiger Pfeifer vom Veranstalter Volkshaus Röhlinghausen. "Wir haben zwar keine Angst vor einem Terroranschlag, aber wir haben die Verantwortung und keine komplette Sicherheit".

Nach Angaben eines Bochumer Polizeisprechers hatte der Veranstalter die Entscheidung nach einem Gespräch mit dem Staatsschutz getroffen. Auf den Zeitungsausschnitten auf Deutsch und Arabisch Worte wie "Ungläubige" und "Deutschland tötet alle Moslems" auf dem Papier. Die traditionelle Kinderkarnevalsparty war für Sonntag geplant.

Ein 46-Jähriger aus Herne hat laut Polizei zugegeben, für das Schreiben verantwortlich zu sein. Möglicherweise leidet der Mann unter psychischen Störungen.

wit/dpa



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