Weiberfastnacht Karneval beginnt - Tausende Polizisten im Einsatz

Mit Weiberfastnacht startet die heiße Phase des Straßenkarnevals - in diesem Jahr mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Die Konzepte in Köln und Mainz unterscheiden sich.

Jecken in Köln (Archiv): Die heiße Phase des Straßenkarnevals
DPA

Jecken in Köln (Archiv): Die heiße Phase des Straßenkarnevals


Jetzt geht's los: Mit Weiberfastnacht beginnt der närrische Ausnahmezustand in den Karnevalshochburgen - und mit ihm die Bewährungsprobe für Polizei und Ordnungskräfte. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht haben sich die Verantwortlichen in vielen Städten Gedanken über neue Sicherheitskonzepte gemacht, vor allem in Köln.

Dort will die Polizei an diesem Donnerstag mit 2500 Beamten in den Straßen präsent sein, deutlich mehr als üblich. Die Stadt setzt zudem mehr als 300 zusätzliche Ordnungskräfte ein. Am Dom wurde ein "Security Point" für Frauen eingerichtet, die im närrischen Gedränge belästigt oder bedroht werden könnten. In der Silvesternacht hatten dort in der Nähe große Gruppen von vorwiegend nordafrikanischen Männern Frauen umzingelt, bestohlen und sexuell bedrängt.

Rheinaufwärts in Mainz verrät die Polizei nicht, wie viele Beamte an Weiberfastnacht im Einsatz sind. An Sicherheitskonzepten wurde aber auch hier gefeilt. "Wir wissen, es sind mehr als im letzten Jahr", sagte der Organisationsleiter des Mainzer Carneval Vereins (MCV), Kay-Uwe Schreiber. "Man kann mit Sicherheit sagen, dass wir angespannter sind." Noch nie seien so viele Gespräche mit Ordnungsamt und Polizei geführt worden. Aber: "Wie Köln aufrüstet, da werden wir nicht hinkommen, da wollen wir auch nicht hinkommen."

Die Mainzer Polizei setzt neben Bodycams auf mobile Einsatzgruppen und herkömmliche Videoüberwachung an Brennpunkten. "Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit, aber wir können Gewalt minimieren", sagte ein Polizeisprecher. An den Hauptbahnhöfen in Köln und Düsseldorf will die Bundespolizei mit Bodycams auf Streife gehen.

Startschuss um 11.11 Uhr

Am bekannten Ablauf des Straßenkarnevals dürfte sich jedoch kaum etwas ändern. Pünktlich um 11.11 Uhr fällt der Startschuss. Vielerorts wird Jagd auf männliche Schlipsträger gemacht. In Düsseldorf stürmen die Möhnen das Rathaus, in Köln wird das Dreigestirn erwartet.

Eine Besonderheit in der Domstadt ist in diesem Jahr der Aufmarsch der "Roten Funken" vor dem Dom. Grund ist allerdings eine unschöne Seite des Festes, das nicht selten in einem Saufgelage endet: das Wildpinkeln. Mit einer "Funkenkette" will der Karnevalsverein den Dom symbolisch vor dem ätzenden Urin schützen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), die in dem Verein aktiv ist, hat angekündigt, dafür ebenfalls ihre Funkenuniform überstreifen zu wollen.

Auch im närrischen Rheinland-Pfalz stürmen Anhänger der Fastnacht Rathäuser, etwa in Trier und Worms. In Mainz versammeln sich um 11.11 Uhr Jecken rund um den Fastnachtsbrunnen in der Innenstadt.

Im Südwesten beginnt die heiße Phase der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Der "Schmotzige Dunschtig" - der in manchen Regionen auch "Gumpiger" genannt wird - beginnt in vielen Hochburgen schon in aller Frühe. Bereits im Morgengrauen ziehen Narren mit Musikkapellen und Fanfarenzügen durch die Orte, um die Bewohner zu wecken. Später werden Schulen, Kindergärten und Firmen "befreit", in vielen Rathäusern müssen die Bürgermeister zudem ihren Schlüssel herausrücken.

wit/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.