Weihnachten im Weißen Haus Die große Christmas-Show

Ein paar Traditionen halten sich im Weißen Haus hartnäckig: alle Jahre wieder zu viel Weihnachtsdeko. Die US-Präsidenten posieren vor überladenen Bäumen - und die First Ladys lächeln gequält dazu. Ein Streifzug durch die Jahrzehnte.

REUTERS

Die Anweisung war eindeutig. "Kein Weihnachtsbaum im Weißen Haus" - zu viele Bäume würden für die Feiertage abgeholzt, der Präsident fürchtete den Kahlschlag der USA. Das war zu Beginn des 20. Jahrhunderts, im Weißen Haus residierte Theodore Roosevelt, der sich dem Schutz der Wälder verpflichtet fühlte. So berichtet es das "Wall Street Journal".

Dass Roosevelts Kinder dennoch einen Baum ins Weiße Haus schmuggelten - geschenkt. Es ist bemerkenswert, dass ein Präsident überhaupt auf die Idee kam, sich dem Wahnsinn zu Weihnachten zu widersetzen. Dass ein Präsident heute Weihnachtsbäume schmäht, ist unvorstellbar. Die gesamte Familie Obama trat Anfang Dezember an, um die Beleuchtung des "Nationalen Weihnachtsbaums" im President's Park unweit des Weißen Hauses einzuschalten. Der Präsident umarmte den Weihnachtsmann und sang "Jingle Bells".

Wer das peinlich findet, hat noch nicht gesehen, was in der Vergangenheit während der Weihnachtstage im Weißen Haus getan und dekoriert wurde. Da ist das Ehepaar Obama, das 2009 vor dem Weihnachtsbaum mit Oprah Winfrey posierte. Falls irgendetwas an diesem Bild nicht durchgeplant gewesen sein sollte, ist es dem Fotografen perfekt gelungen, dies nicht offenkundig werden zu lassen.

Da sind John und Jackie Kennedy, die 1962 vor dem Weihnachtsbaum im Weißen Haus so wirkten, als wären sie lieber ganz woanders. Bill Clinton, der Kindern eine Weihnachtsgeschichte vorlas, während Gattin Hillary danebensaß. Ihr Gesichtsausdruck ist ein Beleg dafür, welch hohen Preis Angehörige von Spitzenpolitikern manchmal zahlen müssen.

Die Obamas sind Weihnachten gar nicht da

Ähnlich verhielt es sich mit Barbara Bush, die 1992 neben einem Weihnachtsbaum stehend die Hände nach oben hielt, so, als ob sie sagen wollte: Ich habe mit der ganzen Sache nichts zu tun. Fast schon cool war dagegen Nancy Reagan, die 1983 Schauspieler Mister T. als Weihnachtsmann ins Weiße Haus eingeladen hatte. Andererseits posierten die Reagans nur ein Jahr später mit Hund Lucky unter dem Weihnachtsbaum. Ein weniger gekünsteltes Bild ist schwer vorstellbar.

Apropos gekünstelt: Die Deko-Orgie 2015 ist bereits abgeschlossen. Der Zeitschrift "Parade" ist unter anderem zu entnehmen, dass der "China Room" von Designerin Carolina Herrara hergerichtet wurde. Wobei man sich von einer Designerin vielleicht etwas mehr Innovation als opulente Tannengirlanden und überbordend geschmückte Bäume erwartet hätte.

In der Bibliothek stehen so viele Bäume, dass man durchaus von einem Weihnachtswäldchen sprechen könnte. Der Baum im "Blauen Zimmer" ist - Überraschung! - mit blauen Kugeln geschmückt. Und mit weißen. Und mit roten. Womit Weihnachten und Patriotismus gleichermaßen Genüge getan wäre. Im State Dining Room steht das Lebkuchenhaus, dieses Jahr etwa 500 Pfund schwer - ein 300-Pfund-Exemplar wie im vergangenen Jahr hätte einfach nicht gereicht. Erstmals, so ist zu erfahren, hat das Haus einen Ost- und Westflügel.

Man fragt sich, ob all das wirklich nötig ist - zumal die Familie Obama Weihnachten gar nicht in Washington sein wird. Die First Family verbringt die Feiertage auf Hawaii. Das hat Tradition, seit 2008 sind die Obamas Weihnachten immer auf der Insel gewesen. Und ebenso große Tradition hat das Gemecker darüber, was die Reisen den Steuerzahler kosten. Der konservative Watchdog Judicial Watch geht davon aus, dass allein die Fliegerei zu den Weihnachtsferien 2014 fast acht Millionen Dollar teuer war. In diesem Sinne: Merry Christmas!

ulz

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