Gesägt, getan

Gesägt, getan Weihnachtsmann, Mannomann

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Wenn gleich bei mehreren Weihnachtsmännern der Arm ab ist, ist der Heimwerker arm dran: Zwangsweise wird er zum Deko-Chirurgen. Und greift in seiner Not zum Schweißgerät des kleinen Mannes.

Alle Jahre wieder hole ich zwei Umzugskisten voller Weihnachtskrempel vom Dachboden, um sie einige Wochen später wieder dorthin zu schleppen. Mit meiner Meinung zum Dekorieren bin ich zu Hause in der Minderheit.

Deswegen beschränke ich mich darauf, die schlimmsten Exzesse zu verhindern. Das ist beim Aufstellen schon nervig genug. Aber kein Vergleich zum Reparieren, wie ich feststellen musste, nachdem ich mich nicht weniger als drei defekten Weihnachtsmännern gegenüber sah:

  • Einem etwa 60 Zentimeter großen Aufsteller-Weihnachtsmann mit abgefallenen Armen
  • Einem kugelschreibergroßen Wackel-Weihnachtsmann aus Metall mit einem abgefallenen Arm
  • Einem Räuchermännchen-Weihnachtsmann, dessen Beine sich von der Standplatte gelöst hatten

Es war ein trauriger Anblick. Liebend gerne hätte ich die Designer gefragt: Was soll der Mist?

Warum waren beim großen Aufsteller die Arme mit Drahtstückchen so labberig angebracht, dass sie quasi perfekte Hebel waren, um diese Verbindung zu sprengen? Warum war der Arm des Wackel-Weihnachtsmannes aus Metall nur an zwei Punkten mit dem Oberkörper verbunden? Und warum wählte man für den Räuchermann offenbar Leim, der den Belastungen nicht gewachsen war?

Die Antworten weiß ganz allein die Weihnachtsdeko-Industrie.

Der Heimwerker als Deko-Chirurg

Obwohl Dekorieren wie erwähnt nicht zu meinen Kernkompetenzen im Haus gehört, wurde ich dazu verpflichtet, das Sammelsurium wieder in Schuss zu bringen. Der Heimwerker als Deko-Chirurg. Theoretisch hätte ich Nein sagen können. Aber praktisch will ich auch meinen vorweihnachtlichen Frieden im Haus haben.

Den großen Aufsteller-Weihnachtsmann nahm ich mir zuerst vor. Oberstes Ziel: Die Arme sollten hinterher unbeweglich sein. Das Durchbohren und Festnageln der Arme ging überraschend gut, kein Splittern, keine Chance mehr, dass irgendein rostiger Draht durch Rütteln an der Weihnachtsmann-Hand weggehebelt wird. Nur die Bohrlöcher, durch die einst der Draht verlief, zeugen noch von einem völlig bescheuerten Design.

Dann der Räuchermann, ein kleines Déjà-vu: Das Problem mit aufgelösten Klebeverbindungen bei dem Kerl kannte ich schon. Vor ein paar Jahren hatte ich die Platte für den Räucherkegel von oben mit den Beinen verschraubt, weil sie sich gelöst hatte. Nun musste es eben auch noch von unten für die Grundplatte sein.

Sagen wir so: Es gibt erquicklichere Basteleien, als Räuchermann-Beine mittig einzubohren. Einigermaßen habe ich es hinbekommen. Das Männchen steht jetzt zwar auf der Grundplatte, als habe es einen Hüftschaden. Aber es hält.

Die Heißklebepistole, Schweißgerät des kleinen Mannes

Zum Schluss die größte Herausforderung: der armamputierte Wackel-Weihnachtsmann aus Metall. Vermutlich hätte man ihn löten können. Oder schweißen müssen. Keine Ahnung. Selbst wenn ich es gewusst hätte, hätte es mir nicht weitergeholfen. Mir fehlen die entsprechenden Geräte. Darum griff ich zum Schweißgerät des kleinen Mannes: der Heißklebepistole.

Es ging zunächst besser als erwartet. Der Arm hielt, ich wollte aus optischen Gründen den überschüssigen Kleber entfernen. Tatsächlich ging er restlos ab. Dummerweise verabschiedete sich der eben erst festgeklebte Arm gleich mit. Es war, als hätte ein Windstoß mühsam zusammengeharktes Laub wieder verteilt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon mehr Zeit mit Deko-Reparatur verbracht, als es angesichts meiner begrenzten Lebenszeit verhältnismäßig erschien. Ich beschloss, bei Versuch Nummer zwei auf Verschönerungsarbeiten nach dem Kleben zu verzichten. Deshalb sieht der Wackler nun aus, als leide er an einem schnell wuchernden transparenten Geschwür.

Egal. Der Arm hält. Und bevor ich mich noch mal mit dem Ding auseinandersetze, bleibt der Wackel-Weihnachtsmann ein Amputierter. Oder wandert in die Tonne. Wir haben eh zu viel Deko.

Schöne Weihnachten allerseits.

  • DPA
    Als Kind stellte er im heimischen Keller Holzschwerter in Massenproduktion her. Heute prüft er mit der Wasserwaage, ob der Haussegen schief hängt. SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Benjamin Schulz ist Bastler aus Leidenschaft und Notwendigkeit. Er hat wenig Erfahrung und keine Fachkenntnis, dafür fehlt ihm oft das passende Werkzeug.
  • Im Blog "Gesägt, getan" schreibt er über seine Basteleien und den mühsamen Weg zur Heimwerker-Erleuchtung.

  • E-Mail an den Autor
Benjamin Schulz auf Twitter:



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6 Leserkommentare
bronck 22.12.2016
Sabin Chen 22.12.2016
melnibone 22.12.2016
upalatus 25.12.2016
ripley99 04.01.2017
novoma 26.01.2017

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