Weihnachtssegen Papst fordert Hilfe für die Geknechteten der Welt

Gerechtigkeit, Solidarität, Kampf gegen die globalen Krisen - der Papst hat zu Frieden in der Welt aufgerufen. Dass in vielen Ländern Christen verfolgt würden, verurteilte Benedikt XVI. scharf. Er selbst musste den Segen unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen aussprechen.

Papst Benedikt XVI. beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz
dpa

Papst Benedikt XVI. beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz


Rom - Vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom verlangte das Oberhaupt der Katholiken am ersten Weihnachtstag die "volle Achtung der Religionsfreiheit" aller Gläubigen. Er verurteilte die Diskriminierung und Verfolgung von Christen in vielen Ländern. Von der Politik forderte der 83-jährige Kirchenpatriarch "eine aktive Solidarität" mit verfolgten Christen im Irak und im "gesamten Nahen Osten". Nach einem blutigen Angriff auf eine Kirche in Bagdad Ende Oktober haben Uno-Angaben zufolge Tausende Christen den Irak verlassen.

Zugleich machte der Papst den Menschen weltweit Hoffnung: "Die Nachricht von Weihnachten ist Licht auch für die Völker, für den gemeinsamen Weg der Menschheit", sagte Papst Benedikt XVI. in seiner Weihnachtsbotschaft - und rief zu Gerechtigkeit und "dauerhaftem Frieden", insbesondere in der Elfenbeinküste, Somalia und der sudanesischen Krisenregion Darfur auf.

Starke Sicherheitsmaßnahmen waren getroffen worden, nachdem sich im Vorjahr eine verwirrte Frau auf den Papst stürzen und ihn niederreißen konnte. Diesmal kam es zu keinerlei Zwischenfällen. Zudem hatten kurz vor Weihnachten Briefbombenanschläge von Anarchisten in zwei Botschaften Terroralarm ausgelöst, was ebenfalls dazu führte, dass die Sicherheitsvorkehrungen drastisch erhöht wurden.

Chinesische Christen sollen zu ihrem Glauben stehen

"Das Licht von Weihnachten strahle von neuem in jenem Land auf, wo Jesus geboren wurde, und leite Israelis und Palästinenser bei der Suche nach einem gerechten und friedlichen Zusammenleben", sagte Benedikt von der Loggia des Petersdoms aus.

In seiner Weihnachtsbotschaft mahnte Benedikt XVI. auch Religions- und Gewissensfreiheit in China an. Die Gläubigen dort dürften wegen der Einschränkungen nicht verzagen, sondern müssten "die Flamme der Hoffnung am Leben erhalten", sagte das 83-Jährige Kirchenoberhaupt. Israelis und Palästinenser rief Benedikt XVI. zu einem "gerechten und friedlichen Zusammenleben" auf.

Tätige Solidarität brauchten die Menschen in Haiti, die immer noch an den Folgen des verheerenden Erdbebens und dann der Choleraepidemie litten, mahnte der Pontifex. Die Geburt des Erlösers eröffne den Menschen in Somalia, Darfur und in der Elfenbeinküste Perspektiven eines beständigen Friedens und echten Fortschritts, ging er auf die derzeit heißen Krisenherde ein. In Afghanistan und Pakistan fehlten Sicherheit und Achtung der Menschenrechte, auf der Halbinsel Korea Versöhnung, sagte der Papst vor den im Regen ausharrenden Gläubigen.

Benedikt erteilte dann den traditionellen Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis) und verlas Weihnachtsgrüße in 65 Sprachen. Auf Deutsch sagte er: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade; sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!" Die traditionelle Weihnachtsansprache von der Loggia des Petersdoms aus wurde von zahlreichen TV-Anstalten übertragen.

"Der Tyrannei der Macht widerstehen"

Am Heiligen Abend hatte Benedikt mit Tausenden Gläubigen die Christmette im Petersdom gefeiert. In seiner Predigt vor der Menschenmenge in der festlich geschmückten Basilika nannte er Jesus den Träger der Verheißung des Friedens: "Dieses Kind hat das Licht der Güte in den Menschen entzündet und ihnen Kraft gegeben, der Tyrannei der Macht zu widerstehen." Jesus, dessen Geburt gefeiert werde, brauche keine Weisen der Welt als Ratgeber. Benedikt betete zu Gott und bat ihn darum, seine Macht zu zeigen, für ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Denn es gebe auch heute noch "dröhnende Stiefel" und blutige Gewalt, erinnerte der Papst.

Benedikt hatte vor der Christmette die riesige Weihnachtskrippe auf dem Petersplatz gesegnet und im Fenster seines Apostolischen Palastes ein Friedenslicht angezündet. Die Messe war wie schon 2009 mit Rücksicht auf den 83-jährigen Papst um zwei Stunden vorverlegt worden.

Auch in Betlehem kamen Tausende Menschen am Freitagabend zur Christmette zusammen. Die Geburtsstadt Jesu verzeichnete dieses Jahr zu Weihnachten einen Besucherrekord. Die Zahl der zunächst geschätzten 90.000 Gäste sei noch überschritten worden, sagte ein Stadtvertreter.

cib/dpa/dapd

insgesamt 96 Beiträge
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Seite 1
Huuhbär, 25.12.2010
1. Tja ...
Zitat von sysopGerechtigkeit, Solidarität, Kampf gegen die globalen Krisen - der Papst hat zu Frieden in der Welt aufgerufen. Dass in vielen Ländern Christen verfolgt würden, verurteilte Benedikt XVI. scharf. Er selbst musste den Segen unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen aussprechen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,736551,00.html
Millionen (Weihnachts-?) Menschen Wer lauscht diesen Tagen? Meine persönliche Meinung dazu ist, wer in solch einer Position verschärfte Sicherheitsvorkehrungen benötigt ... der holt nicht für sich selbst, sondern für andere einen verdorbenen Magen!
eugencluster 25.12.2010
2. Hilfe ist ganz doch einfach!
Ratzinger soll einfach das Reich des Aberglaubens, also den Vatikanstaat auflösen. Mit dem Vermögenserlös wäre sicher schon ein Großteil der Geknechteten dieser Welt geholfen.
kjartan75 25.12.2010
3.
"Tyrannei der Macht" - oha, da hat gerade die katholische Kirche ja sehr ihr Säcklein zu tragen - so und nun geht beichten!
worm80 25.12.2010
4. ??
Zitat von sysopGerechtigkeit, Solidarität, Kampf gegen die globalen Krisen - der Papst hat zu Frieden in der Welt aufgerufen. Dass in vielen Ländern Christen verfolgt würden, verurteilte Benedikt XVI. scharf. Er selbst musste den Segen unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen aussprechen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,736551,00.html
Wer soll denn Hilfe für die durch die Dogmen der Kirche "Geknechteten" leisten? (PID-Verbot, Kondom-Verbot...)
blob123y 25.12.2010
5. Na schoen, dann soll er mal anfangen und
einen Teil SEINES Einkommens and die "geknechteten" Kinder am "smoky mountain" slum in Manila verteilen, das sind alles Katholiken, die werden es ihm danken. Aber ich weiss schon dafuer sind die Anderen zustaendig, welche Anderen ?
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