Weissagung zum Papst Der Nächste soll der Letzte sein

Das Pontifikat Benedikt XVI. ist Geschichte. Wer wird der neue Papst, woher kommt er? Laut einer alten Weissagung steht die Herkunft des neuen längst fest. Und seine Zukunft sieht düster aus.

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Bald werden Millionen Menschen auf einen Schornstein starren und auf weißen Rauch warten. Wer wird der nächste Papst? Glaubt man einem alten Schriftstück, steht zumindest die Herkunft des Nachfolgers von Benedikt XVI. fest: Er wird weder aus Afrika noch aus Südamerika stammen, sondern ein Italiener sein, ein Römer. Und er wird der letzte seiner Art sein.

So steht es in einer Weissagung, die einst unter dem Namen Malachias verfasst wurde. Der irische Mönch und spätere Erzbischof von Amargh soll im 12. Jahrhundert gelebt haben, die Papst-Prophezeiung trägt den Titel "Prophetia de summis pontificibus": 112 Orakelsprüche für 112 Päpste.

Tatsächlich wurden die Sprüche von jemand anderem verfasst und um 500 Jahre zurückdatiert. Ein Hinweis zum wahren Autoren liefert die Weissagung für Gregor XIV., der 1590 den Petersthron bestieg. "Ex antiquitate urbis - Aus der alten Stadt" lautet der Spruch für ihn. Das hat nichts mit Gregor zu tun, wohl aber mit einem anderen: Kardinal Simoncelli, der aus Orvieto stammte und in der Wahl zum Papst den Kürzeren zog. Der lateinische Name der Stadt: Urbs vetus, die alte Stadt.

Rätselhafte Treffer

Damit ist klar, worum es sich bei der Weissagung in Wahrheit handelt: Es war der Versuch, den Ausgang der Papstwahl 1590 zu beeinflussen. Die meisten Forscher nehmen heute an, dass es sich beim Autor um Alfonso Ceccarello handelt. Als Sekretär des Kardinals Simoncelli versuchte er so, die Chancen seines Dienstherren beim Konklave zu erhöhen. Das Unternehmen scheiterte, doch die Weissagungen blieben.

Dass sie für Päpste passgenau sind, die vor Gregor XIV. im Amt waren, ist nicht verwunderlich: Coelestin II. (1143-44) war mit "Ex castro tiberis - Aus der Burg am Tiber" der Erste in der Reihe. Vor seiner Wahl hatte er Guido di Castelli geheißen und stammte aus Tiberinum. Gregor XII. (1406-15) war bis zu seiner Wahl Vorstand der Kirche von Negroponte gewesen, folgerichtig sein Orakel "Nauta da ponte nigro - Schiffer von der schwarzen Brücke".

Doch die Prophezeiungen reichten weit in die Zukunft, schließlich sollten sie glaubhaft sein. Und hier gibt es Grund, sich wenigstens manchmal zu wundern. So oft der Pseudo-Malachias beim Blick in die Zukunft daneben gehauen hat, so oft hat er auch Slogans formuliert, die auf rätselhafte Weise zuzutreffen scheinen.

  • Der von Napoleon aus Rom ins Exil gezwungene Pius VII. (1800-23) erhielt den Spruch "Aquila rapax - Räuberischer Adler", und als solcher betätigte sich der französische Kaiser, der sich selbst den Beinamen Aigle gab, in Europa ja durchaus.
  • Benedikt XV. (1914-22) versuchte vergeblich, mit Friedensaufrufen die Schrecken des Ersten Weltkriegs abzukürzen. "Religio depopulata - Entvölkerte Religion" lautet der Spruch für ihn.
  • Das Motto von Pius XI. (1922-39) war "Fides intrepida - Unerschrockener Glaube", dieser Papst wandte sich sowohl gegen den Kommunismus als auch in der einzigen je auf Deutsch veröffentlichen Enzyklika "Mit brennender Sorge" gegen den Rassenwahn der Nazis.
  • Im Wappen von Paul VI. (1963-78) sind drei Lilien zu sehen. Der Spruch für ihn lautete "Flos florum - Blume der Blumen": der zutreffende Hinweis.
  • Sein Nachfolger, der 33-Tage-Papst Johannes Paul I., erhielt "De medietate lunae", vom Halbmond, das deuteten manche als Hinweis auf die Kürze seines Pontifikats.
  • Papst Johannes Paul II. amtierte unter "De labore solis - Von der Sonnenfinsternis". Tatsächlich ereignete sich am 18. Mai 1920, dem Tag der Geburt Karol Wojtylas, eine partielle Sonnenfinsternis, wenn auch über Australien.

Weniger Treffsicherheit bewies der Schreiberling bei Benedikt XVI.: Dessen Pontifikat stand unter der Devise "Gloria olivae - Ruhm des Ölbaums". Das Gewächs gilt gemeinhin als Symbol des Friedens, und so fällt hier die Zuordnung schwer, denn als besonders friedlich können die Jahre seit 2005 weder innerkirchlich noch in der Welt gewertet werden.

"Der furchtbare Richter wird sein Volk richten"

Bleibt der Blick in die Zukunft. Und da hat der vermeintliche Malachias Beunruhigendes zu vermelden. Im 112., dem letzten und einzigen längeren Spruch verkündet er: "Während der schrecklichen Verfolgung der heiligen römischen Kirche wird Petrus, ein Römer, regieren. Er wird die Schafe unter vielen Bedrängnissen weiden. Dann wird die Sieben-Hügelstadt zerstört werden, und der furchtbare Richter wird sein Volk richten. Ende."

Diese Weissagungen haben sich tief in die römische Volksfrömmigkeit eingegraben. So sehr, dass in der Basilika St. Paul vor den Mauern an den Seitenschiffen, unterhalb der Fensterzone, Mosaik-Medaillons eingelassen wurden. Jedes von ihnen zeigt in historischer Reihenfolge das Bild eines Pontifex, für die Päpste der Zukunft wurden bereits leere Rahmen gesetzt. Ihre Zahl aber entsprach genau den nach der Malachias-Prophetie noch zu erwartenden Petrus-Nachfolgern.

Wenn alle Rahmen ein Papstbildnis trügen, dann gehe die Welt unter, so der Aberglaube. Um dieses Ende noch ein wenig zu verzögern, wurden unter Johannes Paul II. 25 weitere Rahmen angelegt. Für die nächsten zwei, drei Jahrhunderte wäre also noch Platz, sollte die Weissagung für den neuen Papst nicht der Wahrheit entsprechen.

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insgesamt 112 Beiträge
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meinmein 05.03.2013
1. Apokalypse Now!
Der Mensch will unbedingt den Weltuntergang. Da gibt es eine ununterbrochene Folge von Weissagungen. Nachdem es mit der letzten (Mayas) nun auch nicht geklappt hat, ist nun Malachias dran. Und wenn das alles nicht hinhaut, hat man ja noch die Asteroiden, die bisher nur haarscharf vorbeigesegelt sind.
denkpanzer 05.03.2013
2. optional
Und am 21. Dezember sollte die Welt untergehen. Solche Weissagungen sind quatsch.
noalk 05.03.2013
3. Argh!
Lieber Herr Meuser, die Stadt heißt nicht Amargh, sondern Armagh. Soviel Irisch sollte ein Schreiber im Allgemeinwissen haben.
norwood1969 05.03.2013
4. Lottogewinner gibt es ja auch
Wenn man mal von dem grundsätzlichen Unsinn jeder Weissagung absieht: Es ist individuell ziemlich unwahrscheinlich, jemals im Lotto zu gewinnen. Aber es ist zimlich sicher, dass jeden Samstag jemand im Lotto gewinnt. Wenn bei 112 Versuchen sechs Mal etwas (zT ja nur ansatzweise) zutreffendes herauskommt (vieles davon ist ja hineininterpretiert), dann ist das nicht verwunderlich: So wie ein blindes Huhn auch mal ein Korn findet, so trifft halt auch mal eine haltlose Weissagung auf jemanden zu.
velociraptor 05.03.2013
5. Realisierung der Prophezeiung
Zitat von sysopDas Pontifikat Benedikt XVI. ist Geschichte. Wer wird der neue Papst, woher kommt er? Laut einer alten Weissagung steht die Herkunft des Neuen längst fest. Und seine Zukunft sieht düster aus. http://www.spiegel.de/panorama/weissagung-des-malachias-der-naechste-papst-kommt-aus-rom-a-885622.html
Paul VI. wird sicherlich auch bekannt gewesen sein, dass der Spruch für den nächsten zu wählenden Papst damals "Flos florum - Blume der Blumen" war. Da ist es doch nicht sonderlich schwer, die Prophezeiung durch die entsprechende Gestaltung des Wappens "wahr" werden zu lassen. In ähnlicher Weise können alle Päpste versucht haben, dem für sie prophezeiten Bild zu entsprechen.
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