Belästigungsvorwürfe beim Weißen Ring Staatsanwälte prüfen mögliches Polizeiversagen

Dem früheren Chef des Weißen Rings in Lübeck werden sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Ein mutmaßliches Opfer will schon 2016 der Polizei einen Vorfall gemeldet haben. Die Staatsanwaltschaft will wissen, warum danach nichts passierte.

Informationsmaterial des Weißen Rings
DPA

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20 Strafanzeigen, die inzwischen bei der Staatsanwaltschaft liegen, 18 Frauen, bei denen der Ex-Chef des Weißen Rings aufdringlich geworden sein soll: Der Skandal um Verbrechensopfer, die beim Hilfsverein Weißen Ring in Lübeck belästigt worden sein sollen, zieht Kreise. Nun gerät die Lübecker Polizei unter Druck. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 16/2018
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Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, will ein mutmaßliches Opfer schon im Herbst 2016 auf einer Lübecker Polizeiwache gemeldet haben, dass sich der Lübecker Vereinschef Detlef Hardt vor ihr entblößt und sie aufgefordert habe, ihm die Brüste und ihre Scham zu zeigen. Sie habe deshalb auf dem Revier Anzeige erstatten wollen.

Der Polizeibeamte sei daraufhin rot angelaufen und habe sie von einer Anzeige abgebracht, weil Aussage gegen Aussage stehe und Hardt, ein früherer Polizist, sie wegen Verleumdung verklagen könnte. Stattdessen habe der Beamte ihr geraten, doch besser zum Frauennotruf zu gehen, einem Verein, der sich in Lübeck um Frauen in Notlagen kümmert.

Die Polizeiführung will derzeit zu dem Vorgang nichts sagen. Die Staatsanwaltschaft hat eine Prüfung eingeleitet, ob es einen Anfangsverdacht auf eine Straftat gibt, weil der Bericht der Frau damals offenkundig nicht aufgenommen wurde. Erst jetzt, nach Artikeln im SPIEGEL und den "Lübecker Nachrichten", untersucht das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein die Vorwürfe gegen Hardt, der jedes Fehlverhalten bestreitet.

Allerdings deutet ein weiterer Vorgang darauf hin, dass Hardt schon länger ein Problem gehabt haben soll, die nötige Distanz zu wahren. Vor rund zehn Jahren, bei einem Treffen im privaten Kreis mit einem Ehepaar, das ehrenamtlich beim Weißen Ring arbeitete, soll Hardt unvermittelt auf einem Laptop erotische Fotos von Frauen gezeigt haben, die ihm persönlich bekannt waren.

Das Paar reagierte nach eigener Schilderung mit Befremden. 2012 habe es den Weißen Ring verlassen, weil ihm Hardts Umgang mit betreuten Frauen nicht mehr geheuer gewesen sei. Hardt will sich zu der Geschichte mit den Erotikfotos nicht äußern.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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