Marathon-Rednerin Wendy Davis Boom für den pinken Filibuster-Schuh

Die Laufschuhe von Wendy Davis sind pinkfarben und müssen sehr bequem sein: Die texanische Demokratin trug sie bei ihrer Marathon-Rede gegen ein Abtreibungsgesetz. Nun finden die Treter reißenden Absatz - und entwickeln sich zum politischen Symbol.

Corbis

Austin - Wendy Davis wird in den USA als Heldin gefeiert. Fast elf Stunden lang redete die Demokratin gegen das geplante texanische Abtreibungsgesetz an - und stoppte so die Vorlage der Republikaner im Senat des US-Bundesstaats. Auf diesen Filibuster genannten Kniff hatte sich die 50-jährige Triathletin und Marathonläuferin akribisch vorbereitet: Sie trug pinkfarbene Laufschuhe.

Die Treter der Marke Mizuno tragen den Namen Wave Rider 16. Nach Davis' Rede haben sie sich zum Verkaufsschlager entwickelt. Es ist einer der meistverkauften Schuhe beim Internet-Versandhändler Amazon.

Neben den Laufschuhen soll sich Davis auch mit einem Korsett und einem Katheter für die Dauerrede gewappnet haben. Nach den strengen Regeln für einen Filibuster im texanischen Senat müssen die Redner die ganze Zeit über stehen, dürfen nichts trinken oder essen und auch nicht auf die Toilette gehen. Selbst Anlehnen ist verboten. Zudem musste Davis sich streng an das Thema der Debatte halten - anders als etwa im Senat in Washington, wo Redner in der Vergangenheit bei einem Filibuster auch schon mal Telefonbücher vorlasen.

Seit der Rede in der Nacht vom Dienstag ist die Amazon-Website, auf der der Laufschuh der japanischen Firma angeboten wird, laut dem britischen "Guardian" mit politisch aufgeladenen Kommentaren überschwemmt worden. Viele User schreiben etwa, wie perfekt die Schuhe dafür geeignet wären, dem texanischen Gouverneur Rick Perry "in den Hintern zu treten". Oder wie sie eine Garantie dafür gewesen seien, "dem Patriarchat zu entkommen", zitiert ABC News.

Das Abtreibungsgesetz sah ein weitreichendes Verbot von Abtreibungen ab 20 Wochen nach der Befruchtung oder später vor. Darüber hinaus forderte die Regelung, dass alle 42 Abtreibungskliniken des Bundesstaats eine Lizenz als Tagesklinik benötigten - ein Kriterium, das nur ein Bruchteil der medizinischen Einrichtungen bisher erfüllt. Für die meisten würde es immense Umbaumaßnahmen sowie Aufstockungen der medizinischen Ausrüstung bedeuten - was wahrscheinlich eine Reihe von Kliniken zum Schließen zwingen würde.

wit

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
Battlemonk 28.06.2013
1.
Sehr interesant ihre Schuhe... wirklich ja Undemokratisch war das trotzdem!!!
skade 28.06.2013
2.
boah..und schon wieder eine Heldin kreiert, schon interessant wie teilweise das so leicht geht.
stefan_sts 28.06.2013
3. Allergrößten Respekt empfinde ich für diese Repräsentantin ,
welch ein Einsatz für eine ihr wichtig erscheinende Sache , sicher wirken diese Schlupflöcher der Gesetzgebung einigermaßen befremdlich , aber dafür kann diese Politikerin nichts . Man stelle sich mal vor , einen vergleichbaren Einsatz im deutschen Bundestag so zu erleben , aber dafür müßten zuerst einmal genug Abgeordnete sich im Plenum eingefunden haben , da dieses sonst mal wieder nicht beschlußfähig wäre .
caecilia_metella 28.06.2013
4. Unglaublich
Vor allem Bild 5 ist beeindruckend. Das alles in einem Land, das noch nie eine Präsidentin hervorgebracht hat. Wie soll Gleichberechtigung eigentlich funktionieren, wenn überall Männer die Mehrheit stellen, die von derartigen Problemen gar nicht tangiert werden?
3of5 28.06.2013
5. aha
Müssen wir echt konsumieren um ein Statement zu machen? Wäre ich Mizuno hätte ich auch eine Astroturfing Kampagne gestartet. Filibuster sind nicht antidemokratisch sondern eine letzte Möglichkeit durch große Persönliche Aufopferung nochmals Aufmerksamkeit auf ein wichtiges Thema zu lenken. Ein Filibuster ist ja kein Veto, sondern ein kurzer Aufschub um ein weiteres Nachdenken über ein Thema zu erreichen.
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