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"Wer wird Millionär?": Kandidat bekommt eine zweite Chance

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Patzer beim RTL-Quiz "Wer wird Millionär?": Eine Frage, vier falsche Antworten - da konnte Kandidat Matthias Pohl nur passen. Deswegen darf er sich erneut an der 500.000-Euro-Frage versuchen. Ob er das Angebot annimmt, ist noch offen.

Hamburg - Pohl sagte, er werde sich "gut überlegen", ob er die neue Frage beantwortet. Denn wenn er dann eine falsche Antwort geben sollte, würde er den Regeln entsprechend auf die letzte Gewinnstufe zurückfallen - und hätte statt jetzt 125.000 nur noch 16.000 Euro.

Screenshot der Sendungswebsite: "Antwort B ist richtig"

Screenshot der Sendungswebsite: "Antwort B ist richtig"

In der Sendung am Montag hatte Matthias Pohl es bis zur 500.000-Euro-Frage geschafft: "Welcher Nobelpreisträger für Physik war mehrfacher Fußballnationalspieler seines Landes?", fragte Günther Jauch. Als Antwortmöglichkeiten las er vier Namen vor: Gustav Hertz (A), Niels Bohr (B), Pierre Curie (C), Henri Becquerel (D).

Schwierige Frage, zumal der Kandidat in den Runden zuvor schon alle drei Joker eingesetzt hatte und sich somit nicht rückversichern konnte. So gab er also auf und ging mit einem Gewinn von 125.000 Euro nach Hause.

Doch was wäre die richtige Antwort gewesen? "Antwort B ist richtig", verkündete Moderator Jauch. Nachzulesen ist das auch auf der Website der Sendung.

Doch nun steht fest: Das stimmt nicht. Nach Angaben eines RTL-Sprechers hatte sich die Fragen-Redaktion auf eine Information aus dem "Brockhaus" verlassen. "Es war der dänische Physiker Niels Bohr, der wesentliche Grundlagen der Atomphysik und der Quantentheorie erarbeitete. Als junger Mann hatte er ebenso wie sein Bruder, der Mathematiker Harald Bohr, sehr erfolgreich Fußball gespielt und war mehrfacher Nationalspieler", steht in der CD-Rom-Ausgabe von 2005 zu lesen.

"Diese Aussage ist falsch", räumt Brockhaus-Verlagssprecher Klaus Holoch nun ein. Eine Nachfrage beim dänischen Fußballverband habe ergeben, dass nur Niels Bohrs Bruder Harald in der Nationalmannschaft kickte. Auf verschiedenen Internet-Seiten und auch in anderen Quellen finde sich allerdings auch die falsche Version, so sei es wohl zu der Fehlinformation gekommen. "Das ist uns natürlich peinlich", sagt Holoch SPIEGEL ONLINE. Alle Angaben würden im Brockhaus "top-geprüft".

Matthias Pohl darf nun erneut um die 500.000 Euro spielen. "Bei der Überprüfung unserer Fragen greifen wir immer auf mehrere Quellen zurück, und der Brockhaus war bisher immer eine sichere Bank. In diesem Fall leider nicht und deshalb bekommt Matthias Pohl baldmöglichst eine zweite Chance", sagte ein RTL-Sprecher.

Bereits gestern hatte es Wirbel um die Sendung vom Montag gegeben. Einige Kandidaten aus der zehnköpfigen Runde hatten sich benachteiligt gefühlt, weil eine Frau, ihr Sohn und ein Bekannter in derselben Fragerunde teilnehmen durften. Ein RTL-Sprecher hatte das als "reinen Zufall" bezeichnet. Der Bekannte der Familie war Matthias Pohl, der schließlich an der Niels-Bohr-Frage scheiterte.

Im Februar 2003 hatte es schon einmal Ärger mit einer nicht eindeutig zu beantwortenden Frage gegeben. Die Kandidatin war ins Stolpern gekommen, als Günther Jauch ihr die Frage stellte "Jedes Rechteck ist ein...?". RTL hatte dazu vier Antwortmöglichkeiten vorgegeben: Rhombus, Quadrat, Trapez und Parallelogramm. Allerdings sei nicht nur Parallelogramm eine richtige Antwort gewesen, räumte Günther Jauch später in der Sendung ein, sondern auch Trapez. Die Kandidatin, die ob der seltsamen Antworten verwirrt ausgestiegen war, durfte schließlich erneut antreten.

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