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Westerwelle: Zwischen Bundestag und "Big Brother"

FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle hat bei seinem Kurzbesuch im "Big Brother"-Container neue Freunde gewonnen. Sympathien brachte ihm weniger das politische Gespräch als vielmehr der mitgebrachte Whisky.

Container-Besucher Westerwelle: "Ich wollte euch mal kennen lernen"
[M];DPA

Container-Besucher Westerwelle: "Ich wollte euch mal kennen lernen"

Hürth - Gut eine halbe Stunde lang hat FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle am Samstagabend als erster Politiker die zu diesem Zeitpunkt noch elf Insassen des "Big-Brother"-Containers in Hürth bei Köln besucht. Nach 35 Minuten befand er: "Die sind richtig nett."

Im Bundestag sei es genauso wie in der videoüberwachten Wohngemeinschaft, überall seien Kameras, sagte Westerwelle den Hausbewohnern. Angetreten war der FDP-Politiker in der erklärten Absicht, mit den Container-Bewohnern auch über Politik zu diskutieren, beispielsweise über Fehlentwicklungen wie rechtsextreme Gewalt. Die Politik müsse dahin gehen, wo die Menschen seien, begründete der Generalsekretär seinen Auftritt.

Die Begrüßung des FDP-Politikers durch die seit vier Wochen von der Außenwelt abgeschlossenen "Big-Brother"-Mitspieler, die erst Sekunden zuvor von dem Besuch erfahren hatten, fiel überschwänglich aus. Die Freude bezog sich allerdings auch auf den großen Fresskorb, den Westerwelle mitgebracht hatte. Vor allem die alkoholischen Getränke fanden Gefallen: Christian, einer der Bewohner, mixte Drinks.

"Ich wollte euch mal kennen lernen", begründete der FDP-Politiker seinen Besuch. Eine der ersten Fragen, die er zu beantworten hatte, war, ob Formel-Eins-Fahrer Michael Schumacher mit Ferrari Weltmeister geworden sei. Weitere Erkundigungen musste Westerwelle abwehren: Nach den Regeln von "Big-Brother" dürfe er zwar über Politik reden, nicht aber über das, was außerhalb des Containers vorgehe. Einige Auskünfte gab er trotzdem. "Die Welt steht noch, kann ich euch mitteilen", sagte der FDP-Politiker. Die Spritpreise stünden "beschissen".

Einer der Bewohner fragte nach dem amerikanischen Wahlkampf. "Ihr interessiert Euch ja richtig für Politik", freute sich Westerwelle. Dann berichtete er über "unerfreuliche Sachen", die Anschläge auf die Synagogen in Düsseldorf und Berlin. Eine politische Diskussion über rechtsextreme Gewalttaten wollte dennoch nicht aufkommen. Sie finde Antisemitismus schrecklich, sagte die Ärztin Stefanie, die später nach dem Votum der Zuschauer den Container verlassen musste. Nach zwei Minuten war das Thema erledigt.

Walter, der Österreicher, ließ sich vom Generalsekretär erklären, was eigentlich die FDP sei. Danach versandete das Gespräch in Smalltalk. Nach einer guten halben Stunde forderte Moderator Oliver Geissen den Politiker auf, das "Big-Brother"-Haus wieder zu verlassen.

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