Wettbewerb Sitt und satt

Was sagt man, wenn der Durst gestillt ist? Seit April hatten sich 100.000 Menschen an der Suche nach einem passenden Wort für diesen Zustand beteiligt. Jetzt ist die Lösung gefunden.


Hamburg - Kurz und bündig: "Sitt" hat gewonnen. Der Duden-Verlag und ein Tee-Hersteller (Lipton) hatten zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen, dessen Ergebnis am Donnerstag in Hamburg vorgestellt wurde. Etwa 40 Sprachspieler hatten "sitt" als Gegenstück zu "satt" vorgeschlagen. Per Los wurde einer von ihnen als Sieger bestimmt: der 17-jährige Schüler Jascha Froer aus Ludwigsburg.

Die Jury suchte unter den Vorschlägen ein Wort, das leicht aussprechbar und kreativ sein sollte und das sich zudem gut in den Sprachgebrauch einfügen lässt. Zusammengezogene Worte wie "nimedu" für "nicht mehr durstig" oder "dulo" für "durstlos" fielen daher aus, ebenso Umdeutungen wie "gewässert", "gelöscht" oder "abgefüllt". Abgelehnt wurden auch Leihworte aus anderen Sprachen wie "cool".

"'Sitt' dagegen ist leicht sprechbar und bildet außerdem mit seinem Kollegen 'satt' einen Stabreim", sagte Matthias Wermke, Leiter der Duden-Redaktion. Mit der Formulierung "Jetzt bin ich sitt und satt" könne künftig jeder ein gepflegtes Mahl beschließen. Ob das Wörtchen allerdings Eingang in den Duden findet, hänge davon ab, ob die Sprachgemeinschaft es verwende: "Wir können ja nicht diktieren, wie die Sprache aussehen soll, sondern nur beobachten, wie sie verwendet wird", erläuterte Wermke.

Wirklich neu ist die Suche nach einem Gegenwort zu "durstig" allerdings nicht: Bereits 1993 hatte die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden die Bevölkerung aufgerufen, sich an einem entsprechenden Sprachspiel zu beteiligen. Die Sprachforscher hatten damals gehofft, in einer der Mundarten oder in der Umgangssprache auf einen möglicherweise in Vergessenheit geratenen Begriff zu stoßen. Neuschöpfungen wie "trinksatt", "gelabt" und "gestillt" aber, die zu den gut 1000 eingegangenen Vorschlägen zählten, wurden von der Gesellschaft damals nicht anerkannt.

Christine Schultze



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