Sturmtief "Burglind" Orkanböen richten schwere Schäden an

Auf der Straße, beim Bahnfahren, im Schiffsverkehr: Vielerorts sind die Folgen des Sturmtiefs "Burglind" zu spüren, Stromausfälle inklusive. Und in Köln bereitet man sich auf Hochwasser vor.


Der Bahnverkehr teilweise eingestellt, Straßen von umgestürzten Bäumen blockiert, ortsweise Stromausfälle: Sturmtief "Burglind" hat in mehreren Bundesländern erhebliche Schäden angerichtet. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde zog der Sturm über Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern hinweg.

Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Mehrere Zoos und Tierparks blieben geschlossen - wegen der Gefahr von herunterfallenden Baumteilen. Auf Deutschlands höchstem Berggipfel, der Zugspitze, fährt die Zahnradbahn nicht. Das Skigebiet Garmisch-Classic blieb geschlossen.

In Sinzig-Bad Bodendorf in Rheinland-Pfalz hob eine Windhose ein Stalldach ab und schleuderte es auf eine Hauptstraße. Dadurch seien etwa 14 geparkte Autos, eine Fotovoltaikanlage und mehrere angrenzende Häuser beschädigt worden, hieß es von der Polizei. Der Schaden werde auf mehrere Zehntausend Euro geschätzt. Zudem fiel in mindestens drei Ortschaften in der Südwestpfalz der Strom aus. In Mönchengladbach wehte "Burglind" das Dach einer Lagerhalle herunter. Die Halle musste von der Feuerwehr gesperrt werden.

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Sturmtief: Was "Burglind" anrichtet

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor umherfliegenden Gegenständen und umstürzenden Bäumen. "Die Böden sind durch den Regen der vergangenen Tage durchnässt, Bäume kippen leichter um", sagte DWD-Meteorologe Robert Hausen. In Wäldern solle man sich lieber nicht aufhalten. Es könne noch bis in die Nacht zum Donnerstag gefährliche Sturmböen geben.

Erste Probleme gibt es auch an den Flüssen. Köln bereitet sich auf drohende Überflutungen durch Rhein-Hochwasser vor. Im Stadtteil Rodenkirchen sollte am Mittwochnachmittag ein 4,70 Meter hohes Hubtor aus dem Boden hochgefahren werden, um das Wasser aus dem Viertel herauszuhalten. Ob auch im Bereich der Altstadt Maßnahmen zum Hochwasserschutz ergriffen werden müssen, werde sich im Laufe der Woche zeigen.

Bei anhaltend starkem Regen könnte der Pegel am Montag über die für den Hochwasserschutz in der Altstadt wichtige Marke von 8,70 Metern steigen. Am Mittwochmorgen zeigte der Pegel einen Wert von 6,38 Metern an - damit ist die Hochwassermarke I von 6,20 Metern überschritten.

Schiffe müssen deshalb auf einer 50 Kilometer langen Strecke ihre Geschwindigkeit drosseln und immer per Funk für kurzfristige Anweisungen erreichbar sein. Bis zum Freitag prognostizieren die Experten Pegelstände bis 7,72 Metern. Ab einem Wert von 8,30 Metern müsste der Schiffsverkehr eingestellt werden.

Auch in Niedersachsen bremste "Burglind" Schiffe aus. In Cuxhaven wurde die einzige Insel-Fährverbindung nach Helgoland vorsorglich eingestellt. Auf der Insel Wangerooge fielen wegen Hochwasser zwei Verbindungen vom und zum Festland aus. Je eine Abfahrt wurde auch von Spiekeroog nach Neuharlingersiel und umgekehrt gestrichen. Einschränkungen gab es zudem bei der Langeoog-Fähre.

Auch in anderen europäischen Ländern verursachte das Tief - dort heißt es "Eleanor" - Behinderungen. In Frankreich starb ein Skifahrer nach Angaben der Polizei auf einer Piste in Morillon in den Alpen, als er von einem Baum erschlagen wurde. Darüber hinaus seien nach einer vorläufigen Bilanz 15 Menschen durch den Sturm verletzt worden, vier von ihnen schwer, sagte ein Sprecher des Zivilschutzes. Sie wurden zum Teil von herabfallenden Gegenständen getroffen. Ein französischer Marinehelikopter rettete zudem bei Sturm einen in Seenot geratenen Segler aus dem Ärmelkanal.

In dem Land schnitten Sturmböen rund 200.000 Haushalte von der Stromversorgung ab. Betroffen waren am Mittwochvormittag vor allem der Norden und Nordosten des Landes, wie der Netzbetreiber Enedis mitteilte. Unter anderem wurde der Regionalverkehr im Elsass als Vorsichtsmaßnahme eingestellt, wie eine Sprecherin des Bahnkonzerns SNCF sagte. An den Flughäfen Straßburg und Basel-Mulhouse-Freiburg wurde der Luftverkehr vorläufig eingestellt.

Aus Teilen Großbritanniens und Irlands wurden erhebliche Schäden gemeldet. Wie die BBC berichtete, wurde ein Mann in Wales verletzt, als ein Baum auf sein Auto stürzte. Mehr als 12.000 Haushalte in Nordirland waren vorübergehend von der Stromversorgung abgeschnitten. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 155 Kilometern pro Stunde traf der Sturm auf Irland. Dort waren 27.000 Haushalte vorübergehend ohne Strom. In der Küstenstadt Galway kam es zu Überschwemmungen.

In der Schweiz wurden mehrere Menschen verletzt, als ein Bahnwagen entgleiste. Der Unfall ereignete sich im Kanton Bern an der Lenk, wie die Polizei mitteilte. Die Gründe für das Unglück waren zunächst nicht bekannt. Nach Angaben des Lenker Gemeindepräsidenten René Müller entgleiste der Bahnwagen wegen einer Windböe. Der Unfall sei aber relativ glimpflich verlaufen, sagte Müller der Schweizer Nachrichtenagentur sda.

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"Burglind" wird "Eleanor": Orkanböen über Europa

ulz/dpa/AFP

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