Eisbrecher im Einsatz Dauerfrost lässt Eis an der Ostsee wachsen

Ohne Eisbrecher geht hier nichts mehr: Vor Stralsund und im Peenestrom wird das Eis immer dicker. An der Nordseeküste sieht es ähnlich aus: Nach Juist fahren keine Fähren mehr.

Eisbrecher "Arkona" im Strelasund
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Eisbrecher "Arkona" im Strelasund


Bei anhaltendem Frost wächst die Eisschicht an den Ostseebuchten von Vorpommern und behindert die Schifffahrt. Wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Rostock in seinem am Samstag veröffentlichten Ostsee-Eisbericht mitteilte, sind die Boddengewässer zwischen der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und der Insel Usedom meist mit bis zu 15 Zentimeter dickem Eis bedeckt. Als Bodden werden die durch Inseln oder Landzungen vom Meer abgetrennten flachen Küstengewässer an der Ostsee bezeichnet.

Vor Stralsund und im Peenestrom, der Usedom vom Festland trennt, sind Eisbrecher im Einsatz. Entspannter sieht es im westlichen Bereich der Ostsee zwischen Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) und Flensburg (Schleswig-Holstein) aus. Dort liegt laut Seeschifffahrtsamt meist lockeres, bis zehn Zentimeter dickes Eis.

Juist vom Festland abgeschnitten

An der Nordseeküste ist das Bild ähnlich: Die ostfriesische Insel Juist ist bereits seit Donnerstag vom Schiffsverkehr abgeschnitten. Für Fähren ist wegen Niedrigwassers und Eisgang kein Durchkommen mehr. Das soll auch noch bis einschließlich Montag so bleiben. Kein Problem für die Insel mit rund 1500 Bewohnern: Die Geschäfte haben vorgesorgt und die Lager gefüllt. "Die paar Tage machen uns nicht nervös, wir sind ganz gelassen", sagte Lebensmittelhändler Norbert Gillet auf Juist.

Nordseefähre "Frisia 3" an der zugefrorenen Anlegestelle
DPA

Nordseefähre "Frisia 3" an der zugefrorenen Anlegestelle

Gillet hat schon andere Zeiten erlebt: "Im Winter 1997 kam sieben Wochen kein Schiff und vier Wochen kein Flugzeug." Mit Pferd und Wagen sei er damals zum Flugplatz rausgefahren, wenn Nachschub kam. Die Kutschpferde sind auch jetzt für den Wintereinsatz besonders gerüstet: Spezielle Stollen an den Hufeisen sollen ein Ausrutschen verhindern.

Nur per Flugzeug kommen derzeit Touristen auf die Insel. Das letzte Frachtschiff von Norddeich am Festland hat am Mittwoch elf Tonnen an Gütern gebracht. "Das volle Programm ist am Lager" sagte Gillet. Von Toilettenpapier über Molkereiprodukte ist alles dabei, sogar ein Vorrat an Wodka.

Und wie geht es weiter? Während die Kältewelle der vergangenen Tage im Westen Deutschlands abebbt, wird der Osten des Landes weiterhin bei eisigen Temperaturen bibbern. In Barth an der Ostsee wurden am frühen Samstagmorgen nach Angaben des Wetterdienstes Kachelmannwetter minus 18,6 Grad gemessen, in der Nähe von Karlsruhe hingegen verhältnismäßig milde minus 1,3 Grad.

Von Nordrhein-Westfalen bis Bayern wird am Morgen laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) leichter Schneefall erwartet. Die Temperaturen sollen im Laufe des Tages an einigen Orten auf bis zu plus sechs Grad ansteigen. Im Norden und Nordosten rechnet der DWD hingegen auch tagsüber mit Dauerfrost.

oka/dpa



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