Regen nach der Hitzewelle "Man wird mit Überschwemmungen rechnen müssen"

Der Hitze folgte die Dürre, nun regnet es vielerorts heftig. Also alles gut? Im Gegenteil, warnt der Feuerwehrverband: Wegen des wochenlangen Extremwetters drohen mancherorts chaotische Zustände.

Gewitter nahe Frankfurt am Main
DPA

Gewitter nahe Frankfurt am Main


Nach mehreren Wochen mit extremer Sommerhitze naht die ersehnte Abkühlung. Die Probleme der vergangenen Wochen werden damit nach Einschätzung des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV) aber nicht schlagartig verschwinden. Gewitter und Starkregen würden die Waldbrandgefahr zunächst nicht bannen, sagte DFV-Präsident Hartmut Ziebs.

"Wenn der Regen nur sturzartig runterkommt, läuft er an der Oberfläche weg", sagte Ziebs. "Man wird mit Überschwemmungen rechnen müssen." Notwendig sei vielmehr ein "schöner, leichter Sommerregen über zwei, drei Tage hinweg".

Besonders kleinere Flüsse drohen bei heftigen Regenfällen über die Ufer zu treten - so wie es zum Beispiel im Sommer 2017 in Südniedersachsen geschehen ist. In Hessen rückte die Feuerwehr in der vergangenen Nacht wegen heftiger Wolkenbrüche und Überschwemmungen bereits zu Hunderten Einsätzen aus.

Fotostrecke

5  Bilder
Gewitter und Starkregen: Land unter in Hessen

Der extrem trockene Boden könne im Moment das Wasser nicht aufnehmen, sagte Ziebs. Er sei vielerorts erst in 50 bis 60 Zentimeter Tiefe feucht, nicht wie normalerweise in 5 bis 10 Zentimetern. "Aus meiner Sicht ist das der Klimawandel", sagte der 59-Jährige, der seit 40 Jahren Feuerwehrmann ist.

Ziebs sprach auch über die Brände, die es in den vergangenen Wochen in vielen Teilen Deutschlands gegeben hatte. Zuletzt hatte ein Böschungsbrand in Siegburg bei Bonn rasend schnell auf mehrere Häuser übergegriffen und die Bewohner überrascht. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, acht Häuser sind teils massiv beschädigt, die ICE-Strecke von Köln nach Frankfurt musste gesperrt werden.

Fotostrecke

6  Bilder
Siegburg: Flammen-Inferno an ICE-Strecke

Die vielen Feld- und Waldbrände in den vergangenen Monaten seien eine Herausforderung für die bundesweit rund eine Million Feuerwehrleute, sagte Verbandspräsident Ziebs. Diese sei aber noch zu bewältigen. "Ganz Frankreich hat nur 250.000 Feuerwehrleute."

In Frankreich hatten am Dienstag heftige Unwetter zu teilweise chaotischen Zuständen geführt. Im Norden des Landes saßen etwa 1500 Zugpassagiere in mehreren Bahnhöfen fest, weil ein Dutzend Züge nach Beschädigungen von Oberleitungen nicht weiterfahren konnten.

Auf heftige Unwetter muss sich auch Deutschland einstellen, landesweit sind für den Mittwoch Schauer und Gewitter angesagt. Zunächst bleibt es allerdings mit bis zu 38 Grad im Osten noch schwülheiß, wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach berichtete. Heißester Ort Deutschlands war am Dienstag der Flughafen Köln/Bonn - dort wurden 38,3 Grad gemessen.

Am Donnerstag liegen die Höchstwerte im Westen voraussichtlich bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen zwischen 25 bis 30 Grad - auch wenn es sich wegen der Schwüle heißer anfühlen dürfte. Von Westen her naht eine breite Gewitterfront, die im Laufe des Nachmittags in Richtung Osten weiterzieht.

Klima extrem: Warum das Wetter immer unberechenbarer wird

mxw/dpa/AFP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.