Tiefs "Dragi" und "Eberhard" Sturm wütet im Süden und Westen - ein Toter

Bäume und Kräne stürzen um, der Fernverkehr ist vielerorts zum Erliegen gekommen: Heftige Unwetter ziehen derzeit über Teile Deutschlands. Im Sauerland kam ein 47-Jähriger ums Leben.

Umgestürzter Baum in Düsseldorf
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Umgestürzter Baum in Düsseldorf


Ein Autofahrer ist im Hochsauerlandkreis durch Sturm "Eberhard" ums Leben gekommen. Ein entwurzelter Baum sei während der Fahrt auf das Auto des Mannes gestürzt - für den 47-Jährigen sei jede Hilfe zu spät gekommen, teilte die Polizei mit.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte wegen der Gefahr orkanartiger Böen für weite Teile von Nordrhein-Westfalen sowie für Hessen und Thüringen die zweithöchste Unwetter-Warnstufe ausgegeben. Sturmtief "Eberhard" fege mit Windstärke 11, teilweise mit Windstärke 12 über das Land hinweg, teilte der DWD mit.

Die Deutsche Bahn hatte wegen "Eberhard" zeitweilig den Fernverkehr und Teile des Regionalverkehrs in Nordrhein-Westfalen eingestellt. Von dort aus fahren auch keine Fernzüge mehr in Richtung Hamburg, Hannover, Kassel und Frankfurt sowie ins benachbarte Ausland. Gestoppt wurde auch der Verkehr auf der Strecke zwischen Frankfurt und Würzburg, zudem blieben in Hessen und Rheinland-Pfalz weitere Züge in Bahnhöfen. Zuvor waren zwei wichtige Stellwerke in Essen und Wuppertal ausgefallen, in Essen war der gesamte Bahnhof zeitweise ohne Strom.

In Nordrhein-Westfalen wollte die Bahn den Zugverkehr bei S-Bahnen und im Regionalverkehr nicht wieder aufnehmen. Auch im Fernverkehr seien lediglich einzelne Fahrten möglich, sagte ein Bahnsprecher.

Einige Bahn-Sperrungen wieder aufgehoben

In anderen Bundesländern hingegen sind einige der gesperrten Strecken wieder befahrbar. So seien die Sperrungen der Strecken zwischen Frankfurt/Main und Mannheim sowie zwischen Kassel-Wilhelmshöhe und Göttingen aufgehoben: Die Fernverkehrszüge verkehrten wieder auf gewohntem Weg, teilte die Bahn mit. Auch die Streckensperrung Aschaffenburg-Würzburg wurde aufgehoben: Die Fernverkehrszüge verkehren demnach wieder über Aschaffenburg Hbf. Es könne noch vereinzelt zu Verzögerungen kommen. Das Unternehmen empfahl Reisenden im Fernverkehr, nach Möglichkeit keine Reise mehr am Sonntag anzutreten.

Für zahlreiche Bahnreisende, die schon unterwegs waren, schwand am Abend die letzte Hoffnung, trotz des Sturms noch ans Ziel zu kommen. Für den Fall, dass Reisende an den Bahnhöfen stranden, bereitete die Bahn Übernachtungszüge vor, sagte ein Sprecher.

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Tiefs "Dragi" und "Eberhard": Stürmisch und nass

Auch an Flughäfen, etwa in Frankfurt am Main, kam es zu Ausfällen. Am Flughafen Köln/Bonn mussten zwei Maschinen wegen der heftigen Böen auf andere Airports umgeleitet werden. Einige Flugzeuge seien beim Anflug durchgestartet und später sicher gelandet.

Die Tiefdruckgebiete "Dragi" und "Eberhard" sorgten nahezu in allen Teilen Deutschlands für teils heftige Stürme. In Nordrhein-Westfalen rückten Polizei und Feuerwehr zu Hunderten Einsätzen aus. In Bochum und Dinslaken begruben Bäume geparkte Autos unter sich, in Bonn kippte ein Baum gegen ein Haus, in Duisburg stürzte ein tonnenschwerer Verladekran zur Hälfte in den Rhein. Der Schiffsverkehr wurde um die Gefahrenstelle herumgeleitet.

In Rheinland-Pfalz beschädigte das Unwetter die Stadthalle in Bitburg. Nach ersten Erkenntnissen sei das Dach der Halle am Sonntagmittag zumindest teilweise abgedeckt worden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Feuerwehr habe die Halle abgesperrt, um Menschen vor herumfliegenden Teilen zu schützen.

Auch in Niedersachsen und Hessen waren Bahnstrecken und Straßen am Wochenende wegen umgestürzter Bäume gesperrt, wie die Polizei mitteilte. Bei Northeim wurde eine Kreisstraße gesperrt. In Frankfurt am Main stürzte ein Baum auf ein Haus, verletzt wurde niemand. Zudem löste sich im Stadtteil Frankfurter Gallus das Blechdach eines Kirchturms.

Für Baden-Württemberg und Teile von Bayern warnte der DWD insbesondere für den Sonntagnachmittag vor orkanartigen Böen mit Windgeschwindigkeiten im Flachland bis 110 Kilometer pro Stunde. Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden demnach sogar Geschwindigkeiten bis 150 Stundenkilometer gemessen. Im Schwarzwald stellten mehrere Skilifte den Betrieb ein, wie ein Sprecher der Liftbetreiber sagte.

In Sachsen wies der Bahnbetreiber Länderbahn seine Lokführer an, langsamer zu fahren. Je nach Gefährdungslage sei auch eine Einstellung des Verkehrs nicht ausgeschlossen, teilte die Länderbahn mit, die auch im benachbarten Bayern Bahnlinien betreibt.

Auch Sportveranstaltungen sind von den Unwettern betroffen: Das Zweitliga-Spiel in Fürth wurde abgesagt, weil der dortige Sportpark nach Angaben der Deutschen Fußball Liga nur eine Betriebserlaubnis bis Windstärke 8 besitzt. In der Bundesliga-Partie zwischen Hannover 96 und Bayer Leverkusen verhinderte heftiger Schneefall ein Tor für die Niedersachsen: Der Ball blieb kurz vor der Torlinie im Schnee liegen.

Der DWD erwartet am Montag eine dichte Wolkendecke und wiederholte Schnee-, Graupel- und Schneeregenschauer bis ins Flachland. An den Alpen und im Erzgebirge könne es auch zu länger anhaltendem Schneefall kommen, sagte ein Sprecher. Die Höchsttemperaturen liegen bei vier bis neun Grad, in höheren Lagen ist auch Dauerfrost möglich. Am Dienstag wird es milder und im Südosten etwas freundlicher.

mxw/dpa



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