Wetter Sturmflut im Norden, Schnee im Süden

Tief "Benjamin" wütet über Norddeutschland - und beschert Hamburg die erste Sturmflut des Jahres. Im Süden des Landes und in Österreich sorgen Schneefälle weiter für Chaos.

DPA

Mit Orkanböen ist Sturmtief "Benjamin" am Dienstag über Norddeutschland gefegt und hat Hamburg die erste Sturmflut des Jahres gebracht. Die Elbe überflutete am späten Nachmittag Teile des Fischmarkts. Kurz nach 17 Uhr lag der Pegelstand nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) bei 1,88 Meter über dem mittleren Hochwasser. Größere Schäden blieben bis zum frühen Dienstagabend aber aus.

In Travemünde drückte der Wind eine Fähre gegen den Anleger. Das Schiff wurde am Rumpf durchlöchert. Vereinzelt kippten Bäume um. Verletzte oder größere Schäden wurden aber nicht gemeldet.

Spitzenreiter bei den Windgeschwindigkeiten im Norden war bis zum Nachmittag die ostfriesische Insel Spiekeroog in Niedersachsen mit Orkanböen von 119 km/h (12 Beaufort). Zwischen dem nordfriesischen Schlüttsiel und den Halligen stellte die zuständige Reederei am Dienstag den Schiffsverkehr ein. Der Verkehr zwischen Cuxhaven und der Hochseeinsel Helgoland wurde ebenfalls gestoppt.

Schnee im Süden Deutschlands

Der Schneefall im Süden Bayerns werde sich spätestens in der Nacht zum Mittwoch wieder intensivieren, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdiensts. Das dürfte vor allem Schüler freuen: Vielerorts in Südbayern ist die ganze Woche schulfrei. Zum Wochenbeginn hatten die Schneemassen im regionalen Zugverkehr in Bayern zahlreiche Verspätungen und Ausfälle verursacht.

"Die Lage ist nach wie vor angespannt", sagte am Dienstag eine Sprecherin des Landratsamts Miesbach in Bayern. Meteorologen hätten für die Region starken Sturm und erneuten Schneefall prognostiziert. "Das versetzt uns in Alarmbereitschaft." Die Behörde rechne damit, dass weitere Bäume umstürzen werden. "Es sind nach wie vor zahlreiche Straßen gesperrt, und wir gehen davon aus, dass weitere dazukommen werden."

Auch im Schwarzwald und im Erzgebirge wird neuer Schnee erwartet. In Sachsen soll es auch im Tiefland schneien. Innerhalb von 48 Stunden könne es in höheren Lagen 40 bis 60 Zentimeter Neuschnee geben.

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Fotostrecke: Sturmflut, Schneefall, schwere Böen

Die Lage in Österreich

Die Wetterlage in den österreichischen Alpen hat sich durch neue Schneefälle weiter verschärft. In einigen Regionen der Steiermark gilt seit Dienstagabend die höchste Lawinenwarnstufe. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme angesichts der erwarteten Neuschneemenge von bis zu einem Meter, teilte der Einsatzstab mit. "Anordnungen der Behörden jetzt nicht zu befolgen, ist kein Kavaliersdelikt, sondern lebensgefährlich", sagte der stellvertretende Landeschef Michael Schickhofer. Betroffen ist unter anderem die bei Touristen beliebte Region Dachstein.

Auf dem rund 1800 Meter hohen Loser in der Steiermark hat der Schnee die Bergstation inzwischen fast unter sich begraben. Die Mitarbeiter der Bergbahn kämpften gegen die Schneemassen, schrieb das Unternehmen auf Facebook. "Bei den typisch eingewehten Stellen liegt bis zu 10 Meter Schnee."

Insgesamt sind nach Angaben der Behörden in Österreich rund hundert Straßen wegen Lawinengefahr gesperrt. Probleme bereiten zudem umgestürzte Bäume. In Ober- und Niederösterreich waren rund 2000 Haushalte ohne Strom, weil die Stromtrassen unterbrochen waren. An einigen Orten halfen Soldaten des Bundesheers.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Viele Touristen in Österreich, deren Orte bisher eingeschneit waren, konnten während einer kurzzeitigen Wetterberuhigung ihre Unterkünfte verlassen. So wurde die Katschbergstraße zwischen Untertauern und Obertauern am Vormittag für Fahrzeuge mit Schneeketten oder Allradantrieb geöffnet. Mit Beginn der Dunkelheit sollte sie allerdings wieder geschlossen werden.

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Am 1200 Meter hohen Präbichl konnten laut Bericht der "Kleinen Zeitung" 110 Gäste ihr eingeschneites Quartier verlassen. Weiterhin fest sitzen die Menschen in den obersteirischen Gemeinden Pölstal und Hohentauern, die beide am Montag den Katastrophenzustand ausgerufen hatten. In Hohentauern sind derzeit rund 550 Menschen eingeschneit.

Nächste Schneefront für Sonntag erwartet

Vorerst ist nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) kein Ende der aktuellen Wetterlage in Sicht: Von Nordwesten her ströme immer wieder feuchte Luft in Richtung der Alpen, staue sich und bringe große Schneemengen. "Nach einer kurzen Beruhigung am Freitag und Samstag dürfte am Sonntag die nächste Schneefront die Alpennordseite erreichen", hieß es.

Wegen starken Schneefalls in St. Anton wurde das Abfahrtstraining der Damen im alpinen Ski-Weltcup verschoben. Das für Donnerstag geplante Training wurde nach Angaben des Internationalen Ski-Verbands FIS abgesagt. Es soll am kommenden Freitag nachgeholt werden.

sth/dpa

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