Dürre in Deutschland Wann regnet es endlich?

In Flüssen und Seen sinken die Pegelstände, Schiffe können nicht mehr fahren, und Bauern klagen über Ernteausfälle: 2018 könnte eines der trockensten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen werden.


Wochenlang fiel kein Regen - nach Einschätzung von Meteorologen könnte das Jahr 2018 zu den fünf trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen 1884 werden.

Rund 70 Prozent der Fläche Deutschlands sei derzeit von extremer Trockenheit betroffen, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Agrarmeteorologe Hans Helmut Schmitt sagte, 1947 sei "bisher das Maß aller Dinge" gewesen. Auch 1921, 1976 und 1991 waren ungewöhnlich trockene Jahre. An welcher Stelle sich 2018 tatsächlich einreiht, wird sich Ende des Jahres zeigen.

Die monatelange Dürre zeigt sich auch am Rhein. Dessen Pegel fiel in Karlsruhe auf einen Tiefststand. Mit 3,14 Metern (Pegel Maxau) wurde nach Angaben der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg der Wert vom 22. September 2003 von 3,20 Metern unterschritten. Dieser markiert den niedrigsten Wert in der Periode von 1996 bis 2005. Ein noch niedrigerer Wasserstand war am 27. September 1972 mit 3,02 gemessen worden.

Immer mehr Fähren stellen Betrieb ein

Der mittlere Wasserstand des Rheins am Pegel Maxau beträgt 5,16 Meter. Noch im Januar hatte es Hochwasserwellen mit Pegelständen über 8,5 Meter gegeben. Der niedrige Wasserstand beeinträchtigt zunehmend die Schifffahrt. Mehrere Rheinfähren haben ihren Betrieb eingestellt. Nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung liegt es in der Verantwortung der Frachtschiffführer, ihre Ladung an die Fahrrinnentiefe anzupassen.

Auch der Wasserstand des Bodensees hat einen niedrigen Wert erreicht. Er betrug am Pegel Konstanz am Donnerstagvormittag 2,88 Meter, allerdings noch deutlich über dem niedrigsten Stand im Zeitraum 1980 bis 2010. Dieser lag bei 2,29 Metern am 15. Februar 2006. Aufgrund des wenigen Wassers entstand im Bodensee eine neue Insel mit den Ausmaßen von rund 200 Metern Länge und 50 Metern Breite.

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Auch die deutschen Bauern leiden unter dem trockenen Jahr. Sie fuhren die schlechteste Ernte seit Jahren ein. Im August hatte Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) bis zu 170 Millionen Euro Dürrehilfen des Bundes in Aussicht gestellt. Die andere Hälfte des Gesamtbetrags sollen die Länder tragen. Insgesamt sollen 340 Millionen Euro an Bauern verteilt werden. Darum gibt es nun Streit.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, kritisierte die Umsetzung der zwischen Bund und Ländern beschlossenen Zahlungen. "Das Verfahren lässt eine schnelle und effektive Dürrehilfe nicht zu", sagte er. Es überfordere die Landwirte und dauere zu lange.

Bauern kritisieren bürokratische Hürden

Dürrehilfe für betroffene Bauern gibt es, wenn der Ernteertrag auf Acker und Grünland im Betriebsdurchschnitt um mehr als 30 Prozent geringer ist als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Es gibt auch nur dann Geld, wenn der Betrieb ohne Dürre nicht existenzgefährdet wäre. Zudem sind weitere zahlreiche Kriterien zu erfüllen. "Wir befürchten, dass einige bürokratische Hürden viele betroffene Betriebe von der Hilfsmaßnahme ausschließen", sagte Rukwied.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium wies die Kritik zurück. "Wer wirklich existenzbedroht ist, der ist auch offen für die notwendige Darstellung seiner Bedürftigkeit", sagte Staatssekretär Hermann Onko Aeikens. Es gehe um öffentliches Geld, das nicht nach Gießkannenprinzip ausgezahlt werden dürfe. Wenn Hilfe bei bestimmten Bauern angeblich nicht ankomme, sei nicht Bürokratie der Grund, sondern dass sich manche Betroffene nicht in die Bücher schauen lassen wollten oder dass eine Existenzbedrohung nicht vorliege.

Wolken und kühlere Temperaturen erwartet

Unterdessen zeichnet sich aber ein Ende der ungewöhnlich hohen Temperaturen ab. Laut DWD sollen sich in den nächsten Tagen vor allem in der Mitte Deutschlands allmählich Wolken in den Vordergrund schieben. Während es im Norden und im Süden sonnig bleibt, ist es von Ostwestfalen über Nord- und Mittelhessen bis zur Lausitz stark bewölkt oder bedeckt. Sommerliche mit Temperaturen von 25 Grad sind aber auch in den sonnigen Regionen nun nicht mehr möglich.

Am Samstag verlagert sich der Sonnenschwerpunkt in den Südwesten, so die Meteorologen. Die Nordhälfte Deutschlands und die östlichen Landesteile haben eine dichte Wolkendecke über sich. Die Temperaturen reichen von 13 Grad an der Ostsee bis 20 Grad am Oberrhein.

Auch am Sonntag wird es allmählich kühler, bis auch im Südwesten 20 Grad nicht länger erreicht werden. Von Sonntagabend an ist nahe der Küste außerdem mit leichtem Regen zu rechnen.

Mehr zum Wetter erfahren Sie bei SPIEGEL+-Kolumnist Jörg Kachelmann.

sen/dpa



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