Gewitter und Starkregen Meteorologen warnen vor neuen Unwettern im Süden

Erst war Hamburg dran, nun wird es wieder im Süden brenzlig: Einsatzkräfte wappnen sich für Gewitter und Starkregen - in manchen Regionen werden innerhalb kurzer Zeit bis zu 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter erwartet.

DPA

In Hamburg werden nach dem Unwetter-Abend vom Dienstag die Schäden sichtbar: In der Stadt hinterließ laut Deutschem Wetterdienst (DWD) wahrscheinlich ein Tornado eine Schneise der Verwüstung im Nordosten der Stadt. Zeitweise galt der Ausnahmezustand, mehr als tausend Kräfte rückten zu mehr als 250 Einsätzen aus.

Bislang gibt es erst einen groben Überblick zu den Schäden: Erst am Mittwoch werde die Zerstörung mit Fortsetzung der Aufräumarbeiten ganz sichtbar, sagte ein Feuerwehr-Sprecher. Es seien "unzählige Dächer abgedeckt" worden, darunter auch Hochhausdächer. Die Windhose entwurzelte Bäume, allein "50 bis 60 massive Alleenbäume" seien umgestürzt und zum Teil auf die Straße gekippt. Von Hochhausdächern seien Funkantennen abgerissen und auf die Straße geweht worden, Kleingärten seien zerstört, zahlreiche Keller seien vollgelaufen.

Menschen kamen nach Informationen der Hamburger Feuerwehr nicht zu Schaden. "Unglaublicherweise ist niemand verletzt worden", sagte der Feuerwehrsprecher. "Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet."

Video: Windhose über Hamburg

Der DWD hob seine Unwetterwarnungen für Deutschland in der Nacht wieder auf. Doch im Süden kommen auf Anwohner neue Gewitter zu. Besonders Baden-Württemberg, Saarland und der westliche Landesteil Bayerns müssten sich auf erneuten Starkregen einstellen, sagte eine DWD-Sprecherin. Lokal seien wieder starke Niederschläge von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit möglich - laut DWD an manchen Orten ein vergleichbarer Wert zu den vergangenen Tagen.

In Baden-Württemberg waren örtlich bereits in der Nacht große Regenmassen niedergegangen. Schwer betroffen war dem Wetteramt Stuttgart zufolge der badische Landesteil mit mehreren Überschwemmungen. Starkregen konzentrierte sich auf die Region zwischen dem Nordschwarzwald und Zollernalb sowie auf die Ostalb. Überflutete Straßen und zahlreiche vollgelaufene Keller gab es auch nahe Karlsruhe.

Vor allem die Gemeinde Königsbach-Stein war betroffen: Nach Angaben der Polizei stand das Wasser dort zeitweise bis zu 70 Zentimeter hoch. In Hardt schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein und setzte den Dachstuhl in Brand. Verletzt wurde niemand. In Herbertingen berichtete die Polizei von einem Hangrutsch, den der Starkregen verursacht hatte - die Straße wurde zeitweise gesperrt.

Auch in Nürtingen rutschten Teile eines Hanges auf eine Straße in einem Wohngebiet. Verletzt wurde auch dabei niemand. Die Polizei räumte 14 umliegende Häuser. Ob der Hangrutsch durch die Regenfälle der vergangenen Tage ausgelöst wurde, ist noch unklar.

Hunderte Feuerwehr-Einsätze im Ruhrgebiet und Münsterland

Zahlreiche Unwetter-Einsätze verzeichneten auch die Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen: Betroffen waren vor allem das Ruhrgebiet und das Münsterland. Allein die Feuerwehren in Essen und Mülheim an der Ruhr meldete jeweils mehr als 150 Einsätze, in Gelsenkirchen rückte die Feuerwehr 90-mal aus, in Bottrop 85-mal.

Vielerorts konnte die Kanalisation den Wassermassen nicht standhalten, Keller liefen voll. In Münster standen teils Autos bis zur Motorhaube im Wasser, Tiefgaragen füllten sich mit Wasser. In der Nacht beruhigte sich die Lage. Nach tagelangem Regen und Gewitter soll sich die Situation in NRW weiter entspannen.

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Video: Pärchen filmt gleich zwei Tornados in Schleswig-Holstein

Daniel Thomsen/Dedinag

ulz/dpa/AFP



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