Orkantief Tote und Verletzte durch Sturm "Friederike"

"Friederike" zieht über Deutschland hinweg - aus Thüringen und Nordrhein-Westfalen meldet die Polizei Todesopfer und mehrere Verletzte. Die Stadt Duisburg warnte Bürger mit Sirenen vor den Gefahren des Wintersturms.


Das Tief "Friederike" hat auf seinem Weg über Deutschland drei Männer das Leben gekostet. Ein 59-Jähriger sei am Niederrhein von einem umstürzenden Baum erschlagen worden, teilte die Polizei in Kleve mit. Das Unglück ereignete sich auf einem Privatgrundstück in Emmerich. Offenbar handelte es sich um einen Campingplatz am Rhein in Emmerich-Elten. Der Mann erlag noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen.

Im Kreis Soest starb ein 68-Jähriger bei einem Verkehrsunglück: Sein Transporter kippte im Sturm um, geriet auf die Gegenfahrbahn und stieß mit einem 40-Tonner zusammen. Der Fahrer des Transporters starb laut Polizei noch am Unfallort, der Lkw-Fahrer kam verletzt ins Krankenhaus.

Im thüringischen Bad Salzungen wurde laut Polizei ein 28-jähriger Feuerwehrmann während eines Sturmeinsatzes von einem Baum erschlagen.

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Wintersturm: "Friederike" trifft Deutschland mit Wucht

In Ratingen erfasste ein umstürzender Baum eine Frau und klemmte sie ein, wie die Feuerwehr mitteilte. Fast zeitgleich wurden im Kreis Heinsberg zwei Fußgänger von einem Baum getroffen. Sie mussten von der Feuerwehr befreit werden und wurden wohl schwer verletzt. Auch in Dortmund stürzte ein Baum auf einen Menschen. Die Feuerwehr konnte den Verletzten bergen.

In Hamburg wurde ein 17 Jahre alter Schüler lebensgefährlich verletzt, weil ein Ast mit etwa 30 Zentimetern Durchmesser den Jungen im Stadtteil Winterhude am Kopf traf. Der Ast sei aufgrund von Schneelast in zehn Metern Höhe abgebrochen, hieß es von der Polizei. Nach einer Erstversorgung am Unfallort sei der Jugendliche ins Krankenhaus gekommen.

Der Deutsche Wetterdienst hatte "Friederike" gegen Mittag vom Sturmtief zum Orkantief heraufgestuft. Das Unwetter habe Orkanstärke erreicht, sagte ein Sprecher. Es gebe Böen mit Geschwindigkeiten von bis 130 Kilometern pro Stunde. Der Wetterdienst warnt vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln oder anderen umherfliegenden Gegenständen.

ICE-Trasse zwischen Hannover und Göttingen
DPA

ICE-Trasse zwischen Hannover und Göttingen

Von dem Unwetter sind auch Deutschlands Nachbarländer betroffen. Dort starben mehrere Menschen. In den Niederlanden wurde in der Ortschaft Olst im Osten des Landes ein 62-jähriger Mann von einem abgebrochen Ast erschlagen. In Enschede nahe der deutschen Grenze starb nach Polizeiangaben ein Autofahrer, nachdem ein Baum auf das Auto gefallen war. So erging es auch einer Autofahrerin in Belgien, die auf einer Straße durch einen Wald südöstlich von Brüssel unterwegs war.

"Friederike" brachte vielerorts Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als hundert Kilometern pro Stunde. Der Sturm zieht laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in einem breiten Streifen von Nordrhein-Westfalen und dem südlichen Niedersachsen über Nord- und Mittelhessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und am Nachmittag bis nach Sachsen und Südbrandenburg.

Mit Sirenenalarm warnte die Stadt Duisburg Bürger vor den Gefahren durch "Friederike". Zudem trat der Krisenstab der Stadt zusammen. Die Behörden baten die Menschen in der Ruhrgebietsstadt, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Schüler und Kinder in Kitas sollten bis zur Entwarnung durch die Stadt in den Räumen bleiben. Die Duisburger Feuerwehr stufte die Sturmfolgen als Großschadenlage ein. Bis zum Mittag meldeten die Helfer 280 Einsätze im gesamten Stadtgebiet.

Die Landeshauptstadt Düsseldorf berief ebenfalls den Krisenstab ein. Ein Wildpark wurde geschlossen, auf den Friedhöfen fanden wegen der Gefahren durch die schweren Sturmböen keine Beisetzungen statt.

In Köln wurde ein Gesamtalarm für die Freiwillige Feuerwehr ausgelöst. Die Kölner Berufsfeuerwehr forderte darüber hinaus über einen Alarmruf Kräfte an, die dienstfrei waren. Bis zum späten Vormittag verzeichnete die Feuerwehr der größten Stadt Nordrhein-Westfalens gut 300 Einsätze.

Besonders krass macht sich der Sturm im Bahn- und Flugverkehr bemerkbar. In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und in Teilen von Rheinland-Pfalz fuhren keine Züge mehr. (Eine Übersicht zu Verspätungen und Ausfällen im Bahn- und Flugverkehr finden Sie hier.)

Bahn und Flüge: Hier kommt es zu Verkehrsbehinderungen

Vielerorts - etwa im Oberharz, in Teilen von Mittelhessen und in Städten in Nordrhein-Westfalen - fiel der Unterricht aus. In Oberfranken hat die Regierung alle Unterrichtsstunden ab 12 Uhr abgesagt, wie ein Sprecher mitteilte.

In Regionen, in denen Orkanböen drohen, empfehlen die Meteorologen, Aufenthalte im Freien zu vermeiden. Sie warnen vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln und Schäden an Gerüsten und Hochspannungsleitungen.

BBC-Doku: Warum das Wetter immer unberechenbarer wird

ulz/fok/dpa/AFP

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