Sturm "Eberhard" Dorf in Thüringen war von der Außenwelt abgeschnitten

Ein Toter, starke Einschränkungen im Bahnverkehr, ein zwischenzeitlich nicht erreichbares Dorf: Sturmtief "Eberhard" hat massive Schäden angerichtet. Der Überblick am Morgen.

DPA

Sturmtief "Eberhard" ließ zahlreiche Bäume umstürzen - und hat in Thüringen ein Dorf zwischenzeitlich von der Außenwelt abgeschnitten. Auf der einzigen Verbindungsstraße nach Föritztal-Mönchsberg verhinderten am Sonntag mehrere querliegende Bäume die Durchfahrt, wie die Polizei mitteilte.

Als die Feuerwehr versuchte, die Bäume zu beseitigen, stürzten weitere um, sodass die Arbeit aus Sicherheitsgründen vertagt wurde. Mehrere Mönchsberger, die nicht mehr nach Hause konnten, wurden von Feuerwehr oder Hilfsorganisationen untergebracht.

"Der Großteil der Mönchsberger weiß vermutlich noch nicht einmal über den Umstand Bescheid, dass sie am Morgen nicht zur Arbeit fahren können", hieß es. Auch im Innern des Dorfes im Landkreis Sonneberg zeigte der Sturm seine Folgen: Im ganzen Dorf fiel am Sonntag der Strom aus.

Seit Montagmorgen ist Mönchsberg wieder erreichbar. Die Feuerwehr habe am frühen die umgestürzten Bäume beseitigt, sagte Michael Volk, Sprecher des Landratsamtes in Sonneberg. Seit acht Uhr könne der Ort wieder angefahren werden.

Hunderte harren in defektem IC aus

Im nordhessischen Wabern mussten derweil rund 400 Fahrgäste eines Intercity-Zuges mehr als drei Stunden lang ausharren. Wegen einer technischen Störung am Fahrzeug hatten die Passagiere am Sonntagabend auf einen Ersatzzug warten müssen, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Abend mitteilte.

Weil umgestürzte Bäume die Schienen blockierten, kam der Ersatzzug aus Kassel erst gegen 21 Uhr dort an, wo der IC 2375, der von Westerland in Richtung Karlsruhe unterwegs war, gegen 17.30 Uhr gestrandet war. Man habe die Reisenden zwischenzeitlich mit Essen und Getränken versorgt, sagte die Sprecherin.

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Tief "Eberhard": Umgeknickte Bäume, ausgefallene Züge

Nach den heftigen Sturmböen am Sonntag wird sich die Lage im Bahnverkehr am Montagmorgen wohl erst allmählich normalisieren. Es werde "immer noch starke Einschränkungen" sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr geben, sagte eine Bahnsprecherin am frühen Montagmorgen.

Im Laufe des Tages solle aber der Fernverkehr in und aus dem Ruhrgebiet wieder rollen und auch der Regional- und S-Bahn-Verkehr in NRW wieder seinen Betrieb aufnehmen. Die Schnellfahrstrecke zwischen Köln und München sei wieder frei und könne eingeschränkt wieder befahren werden, hieß es weiter.

Weil etliche Bäume auf die Gleise geweht waren und für einen Stromausfall im wichtigen Stellwerk Essen gesorgt hatten, war der Zugverkehr in NRW am Sonntagnachmittag komplett gestoppt worden. Zahlreiche Reisende strandeten an den Bahnhöfen.

In Städten wie Dortmund, Duisburg, Köln oder auch in Berlin hatte die Bahn Aufenthaltszüge bereitgestellt, in denen gestrandete Fahrgäste auch die Nacht verbringen konnten.

Sturm "Eberhard" war am Sonntag mit Böen bis Windstärke 11 und 12 erst über NRW und Teile von Niedersachsen hinweggefegt, bevor es am Abend Thüringen und Sachsen erreichte. In Bestwig im Hochsauerlandkreis starb ein Autofahrer, als ein entwurzelter Baum während der Fahrt auf sein Auto fiel. In Chemnitz wurde ein Mann schwer verletzt, als sein Kleintransporter umgeweht wurde.

Einsatzkräfte kämpften landesweit bei Tausenden von Einsätzen mit umgestürzten Bäumen und abgedeckten Hausdächern. In Thüringen wurde ein Dorf durch querliegende Bäume vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Da die versuchte Räumung am Sonntag weitere Bäume zum Umsturz brachte, vertagte man die Arbeit aus Sicherheitsgründen.

Auch in Bayern und Baden-Württemberg kam es zu mehreren Hundert Einsätzen wegen des Sturms, während die nördlichen Bundesländer weitestgehend von "Eberhard" verschont blieben.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hob seine Unwetterwarnungen in der Nacht zum Montag auf. Die Experten warnten lediglich noch vor orkanartigen Böen, insbesondere in Hochlagen. Ein Sprecher sagte: "Es ist noch ein bisschen windig, aber weitgehend vorbei."

wal/apr/dpa



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zauberer2112 11.03.2019
1. Klimawandel
Erinnert sich noch jemand an Lothar oder Kyrill? Man nannte sie Jahrhundertstürme. Davon ist heute keine Rede mehr, weil sie mittlerweile mehrmals jährlich vorkommen.
BoMo_UAE 11.03.2019
2. MiMiMi
Was solls. Wir habe Maerz. Wir haben Klimaerwaermung. Und wir haben Social Media. Stuerme, blockierte Bahnstecken, Ueberflutungen, ja sogar Tornados werden in Zukunft unsere "Wetterlage" bestimmen. Relax - wenn ihr nicht verletztzt seid.... seid ihr OK. Ansonsten seid ihr besorgst? Aendert was!
ptv 11.03.2019
3. DB App
Für den Sturm kann die DB endlich mal nichts, wobei irgendwer sicherlich fragen wird, ob präventive rodungsmaßnahmen die Strecken nicht deutlich unanfälliger gegen Sturmschäden machen könnten. Aber dass die DB auch weiterhin in ihrer App die Züge so darstellt als ob diese fahren (teilweise in grün für pünktlich, teilweise mit geringen Verzögerungen von z. B. 2min) ist hochgradig ärgerlich und unverständlich. So macht man sich auf den Weg zum Bahnhof und erfährt dort (durch die nicht mehr vorhandenen Bahnmitarbeiter bzw. funktionierenden Anzeigetafeln) erst durch das Ausbleiben des Zuges, dass der Streckenabschnitt (weiterhin) gesperrt ist. Gleichzeit überall darauf hinweisen, dass man sich in der App über den aktuellen Stand informieren soll führt nur noch zum Kopfschütteln.
Humboldt 11.03.2019
4. Katastrophen Journalismus
OK, da liegt seit gestern Abend ein schmaler Baum quer auf der einzigen Straße - soweit so schlimm. Aber muss es denn direkt so ein reißerischer Headliner sein? Ich denke mal, eine erfahrene Versorgungexpedtion zu Fuß mit Helmen (Gefahr Baumbruch) für Medikamente und Lebensmittel kommt noch durch...
Ontologix II 11.03.2019
5. Beängstigend ...
... an diesen sich häufenden Stürmen ist, dass die Klimatologen genau diese Entwicklung vorhersagten.
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