Bilanz nach Orkantief "Friederike" Sturm und bang

Acht Tote, viele Verletzte und Sachschaden in Höhe von Hunderten Millionen Euro: Einen Tag nach Orkan "Friederike" zeigen sich die verheerenden Folgen des Sturmtiefs.

DPA

Die Zahl der Todesopfer hat sich nach Orkantief "Friederike" in Deutschland auf acht erhöht. In Sachsen-Anhalt kamen zwei Männer ums Leben. Ein 65-Jähriger fiel acht Meter tief, als er im Sturm sein Dach sichern wollte. Ein 34-Jähriger wurde von einem umstürzenden Baum getroffen. In Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Brandenburg waren mindestens sechs weitere Menschen getötet worden.

Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Wintersturm "Friederike" war am Donnerstag vor allem über den Westen, Norden und die Mitte Deutschlands hinweggefegt. Der Sturm erreichte dem Deutschen Wetterdienst zufolge Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 130 Kilometern pro Stunde im thüringischen Gera und sogar 203 Kilometer pro Stunde auf dem Brocken.

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Besonders betroffen: Die Bahn

Der Sturm gilt als einer der schwersten seit mehr als zehn Jahren - und verursachte riesige Schäden. Allein die Bahn sprach von Millionenschäden am Schienennetz und mehr als 200 beschädigten Streckenabschnitten, vor allem in Nordrhein-Westfalen und in Mitteldeutschland. "Wir fliegen aktuell Strecken mit Hubschraubern ab", sagte ein Sprecher.

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Orkantief: So wütete "Friederike"

Das Unternehmen hatte am Donnerstag entschieden, den Fernverkehr zeitweilig komplett einzustellen. Am Freitagmorgen rollten die ersten Züge aber deutschlandweit im Nah- und Fernverkehr wieder - weitgehend fahrplanmäßig. Reisende und Pendler müssen noch mit Einschränkungen rechnen. Nach Angaben der Bahn sollte es bis zum Wochenende dauern, bis sich der Betrieb weitgehend normalisiert hat.

Erste Schätzung: versicherter Schaden von 500 Millionen Euro

Insgesamt hat der Sturm in Deutschland einen versicherten Schaden in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro angerichtet. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht von einer halben Milliarde Euro aus. Andere Schätzungen liegen noch höher. In dieser Hinsicht ging "Friederike" glimpflicher aus als "Kyrill", der vor genau elf Jahren über Deutschland hinweggefegt war. Der Sturm schlug mit mehr als zwei Milliarden Euro Schaden zu Buche.

Polizei und Rettungskräfte waren schon während des Orkans im Dauereinsatz. In der Nacht sowie am Freitag gingen die Aufräumarbeiten weiter. In den betroffenen Regionen wurden Einsatzkräfte oft alarmiert, weil Bäume umgestürzt waren oder Dächer abgedeckt wurden. Es kam zu zahlreichen Verkehrsunfällen und Straßensperrungen.

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Orkantief: So wütete "Friederike"

Polen und Tschechien: Zehntausende ohne Strom

Auch in Polen hatte das Orkantief massive Folgen. Zwei Menschen wurden verletzt, als heftiger Wind zwei Busse in West- und Zentralpolen von der Straße abbrachte, wie polnische Rettungskräfte mitteilten. Außerdem rissen heftige Böen Hunderte Bäume heraus und beschädigten Häuser. Die Feuerwehr musste landesweit zu rund 700 Einsätzen ausrücken, hieß es. Zeitweise waren Behördenangaben zufolge rund 50.000 Menschen ohne Strom.

Auch in Tschechien kam es vor allem an der Grenze zu Sachsen zu Stromausfällen, wie die Agentur CTK unter Berufung auf die Versorger meldete. Am Freitagvormittag waren noch mehrere Hundert Haushalte ohne Elektrizität. Sie sollten im Laufe des Tages wieder ans Netz angeschlossen werden. An rund 20 Bahnstrecken mussten umgestürzte Bäume entfernt werden. Feuerwehren rückten zu Hunderten Einsätzen aus, um Straßen freizuräumen sowie Dächer, Antennen und Werbetafeln zu sichern.

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Wetter-Prognose: Nach dem Orkan kommt Tauwetter

Nach dem Orkan kehrt nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erst einmal Ruhe ein. Am Freitag sollte sich der Wind etwas abschwächen. Der DWD kündigte aber noch immer kräftige Böen von bis zu 60 Kilometern pro Stunde und Schneefall an.

Probleme drohen weiterhin durch glatte Straßen. Es seien immer wieder Regen-, Schnee- und Graupelschauer möglich. In Süddeutschland müsse man auch in Niederungen mit Schnee und Glätte rechnen, sagte DWD-Sprecher Christian Herold.

Das winterliche Wetter bleibt jedoch nicht lange. Vom Atlantik zieht der Prognose zufolge ein neues Tiefdruckgebiet heran. Das bläst mit auffrischendem Südwestwind und kräftigem Regen die Kaltluft rasch wieder weg. Im Schwarzwald und am Alpenrand setzt bei anhaltendem kräftigen Regen starkes Tauwetter ein. Das verstärkt wieder die Gefahr steigender Flusspegel. "In der neuen Woche geht es dann wieder sehr mild weiter", sagte Herold. Ein nachhaltiger Wintereinbruch sei dann erst einmal nicht in Sicht.

fok/dpa/AFP

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