Wetterchaos Schnee in der Sahara

Das Tief "Karlheinz" schaufelt unaufhörlich weiter kalte Luft über Mittel- und Südeuropa bis nach Nordafrika. Im italienischen Kalabrien sitzen seit vier Tagen Autofahrer im Schnee fest. An der spanischen Mittelmeerküste sind 90 Prozent der Ernte erfroren. Vor Dienstag wird es in der Region wohl nicht wärmer werden.


Bagger gegen Schnee: Die Anschaffung von professionellem Schneeräumgerät lohnt sich in Algerien nicht - es schneit nur alle 50 Jahre
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Bagger gegen Schnee: Die Anschaffung von professionellem Schneeräumgerät lohnt sich in Algerien nicht - es schneit nur alle 50 Jahre

Hamburg - Die ungewöhnliche Kältewelle ist jetzt sogar bis in die Sahara vorgedrungen. Eine dichte Schneeschicht bedecke den Boden in der Region um Ghardaia etwa 800 Kilometer südlich von Algier, berichtet die algerische Presse heute. Das sei seit über 27 Jahren nicht mehr vorgekommen, sagten Bewohner.

Seit Montag haben Schnee, vereiste Straßen und Minustemperaturen im Norden Algeriens zahlreiche Verkehrsunfälle verursacht, bei denen mindestens 20 Menschen starben. Auch defekte Gasheizungen verursachten mehrere Todesfälle.

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Wetterchaos: Schnee in der Sahara

Im Süden Europas sieht es nicht viel besser aus. Die italienische Regierung hat sich inzwischen offiziell bei Hunderten Auto- und Lastwagenfahrern entschuldigt, die seit vier Tagen auf der Autobahn Salerno-Reggio Calabria festsitzen. "Ich möchte mich bei den Autofahrern im Namen der Regierung entschuldigen und verspreche, dass wir alles tun werden, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert", sagte Vize-Ministerpräsident Marco Follini. Die Mitte-Links-Opposition forderte unterdessen den Rücktritt von Verkehrsminister Pietro Lunardi.

Die süditalienische Autobahn ist seit Mittwoch auf über 150 Kilometern blockiert. Während die Menschen bei Eiseskälte auf Hilfe warteten, gingen Zivilschutz und Feuerwehr zunächst völlig unorganisiert ans Werk.

Erst gestern schafften es die Hilfskräfte mit Räumfahrzeugen und Kränen, die Straße teilweise frei zu bekommen. Jedoch schneit es in der Region auch heute heftig, so dass weiter unklar war, wann auch die letzten Autofahrer aus ihrer dramatischen Lage befreit werden können.

In Spanien ist ein drittes Todesopfer der ungewohnten Kältewelle gefunden worden. In einer verlassenen Hütte bei Gerona im Nordosten des Landes sei die Leiche eines 24-Jährigen entdeckt worden, berichtete der Rundfunk heute. Der seit Montag als vermisst gemeldete Mann sei erfroren. Der Wetterdienst warnte derweil vor einer neuen Kaltluftfront.

Spaniens Landwirte beklagen millionenschwere Einbußen. Entlang der Mittelmeerküste sei die Ernte zu 90 Prozent verloren. Betroffen seien vor allem Zitrusfrüchte, aber auch Tomaten, Artischocken, Broccoli oder Kopfsalat. "Es sind Schäden historischen Ausmaßes", teilte der Bauernverband COAG mit. Die Verbraucher müssten im Frühling mit steigenden Preisen rechnen. Zudem seien zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr.

Schwerer Schneefall hat heute auch den Verkehr in den meisten Regionen Nordwestgriechenlands behindert. Mehr als 50 Dörfer entlang der albanisch-griechischen Grenze sind von der Außenwelt abgeschnitten. Ähnlich ist die Situation auf der albanischen Seite der Grenze, wie das griechische Fernsehen meldete.

Ein Ende der Kältewelle ist erst ab Dienstag in Sicht. Bis dahin schaufelt das über Osteuropa liegende Tief "Karlheinz" mit Unterstützung von Atlantik-Hoch "Cornelia" weiter Polarluft von Skandinavien über Mitteleuropa bis nach Nordafrika.



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