Wetterextreme in den USA Mindestens 19 Tote durch Tornados

Wie Hurrikans haben auch Tornados in den USA ihre Saison: Vornehmlich im Frühsommer verwüsten die mächtigen Windhosen ganze Ortschaften. In den Bundesstaaten Oklahoma und Missouri kostete das allein am Samstag 19 Menschenleben. Mehr Stürme werden erwartet.


Seneca/Picher, USA - Durch eine Serie von Tornados sind in den US-Staaten Missouri und Oklahoma am Samstag mindestens 19 Menschen ums Leben gekommen. In der Ortschaft Picher in Oklahoma richtete ein Wirbelsturm schwere Verwüstungen an, mindestens sechs Menschen wurden allein dort getötet. In der betroffenen Region wurden zahlreiche Gebäude zerstört, viele Menschen sind in den Trümmern gefangen. Wie viele Personen verletzt wurden, konnten die Behörden zunächst nicht sagen. Mindestens drei Menschen werden noch vermisst.

"Wir haben Häuser gesehen, die bis auf die Grundmauern zerstört waren", sagte George Brown von der Polizei in Picher, der am stärksten betroffenen Ortschaft in Oklahoma, der Nachrichtenagentur AP. "In einigen dieser Häuser musste man schon im Keller sitzen, um das zu überleben."

Zahlreiche Menschen seien mittlerweile aus der Stadt geflohen. Brown: "Da liegen zerfetzte Bäume aufeinander. Autos wurden durch die Gegend geschleudert. Das sieht aus wie nach einem Bombenangriff."

Tornados haben Saison

Seit Anfang Mai sind damit rund 40 Menschen im amerikanischen Mittelwesten und Süden durch Tornados getötet worden. Auch aus den Bundesstaaten Arkansas, Tennessee, North Carolina und Alabama wurden in den vergangenen Tagen schwere Stürme und Tornados mit erheblichen Sachschäden, Verletzten und Toten gemeldet. Der US-Wetterdienst National Weather Service veröffentlichte für das Wochenende weitere Warnungen für Alabama und andere Bundesstaaten.

Rettungseinsätze werden dadurch erschwert, dass Tornados im amerikanischen Mittelwesten vornehmlich in den Abendstunden zuschlagen. Oft gehen sie mit heftigen Hagelschauern einher. Während die grundlegenden Bedingungen für das Entstehen einer Tornado-Wetterlage bekannt sind, bleiben konkrete Vorhersagen hoch problematisch: Die Wirbelstürme entstehen plötzlich, verlaufen heftig mit Windgeschwindigkeiten bis über 200 km/h und verschwinden schnell wieder.

Der durchschnittliche Tornado tobt für gerade einmal zehn Minuten, besonders hartnäckige Stürme fegen bis zu einer Stunde lang mit teils hoher Geschwindigkeit über das Land und hinterlassen dabei Schneisen der Verwüstung. Allein am Samstag registrierte der US-Wetterdienst 37 Tornados und 181 schwere Hagelstürme in den betroffenen Staaten. In einigen Staaten liegt die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten abendlicher Tornados wetterbedingt aktuell bei über 45 Prozent.

Die derzeitige Häufung von Tornados im amerikanischen Mittelwesten ist jahreszeitlich bedingt, ihre Saison ist das Frühjahr. Immer wieder bekommen dabei Oklahoma und seine Nachbarstaaten die schlimmsten Stürme ab. So starben im Mai 1999 in Kansas, Oklahoma und Texas 48 Personen durch die rasenden Wirbelstürme, die in den USA auch als "Twister" bekannt sind.

Für den Sonntag erwartet der US-Wetterdienst Tornados in Georgia, Kansas und Texas. Womit die Wetterextreme längst nicht ausgeschöpft sind: Für Oklahoma, Texas und Kansas kommen ab Sonntag noch Warnungen vor Waldbrand-Wetter hinzu - während Farmer ein paar hundert Kilometer weiter nördlich vor einem möglichen Frost-Einbruch gewarnt werden.

pat



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