Wetterkapriolen Hitze-Herbst wärmt Nordeuropa

Rekordtemperaturen in Belgien, Deutschland und der Schweiz: Der Herbst 2006 könnte der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. In Fischen im Allgäu wurden 22,2 Grad gemessen, wärmer war es dort noch nie zu dieser Jahreszeit. Abkühlung ist nicht in Sicht.


Frankfurt am Main - "Es wird einer der wärmsten, wenn nicht sogar der wärmste Herbst seit der modernen Wettermessung nach 1950", sagte Meteorologe Roland Reiter vom Wetterdienst Meteomedia.

Kein Winter in Sicht: Spaziergänger genießen die Sonne am Potsdamer Schloss Sanssouci
DDP

Kein Winter in Sicht: Spaziergänger genießen die Sonne am Potsdamer Schloss Sanssouci

Ein stabiles Hochdruckgebiet über Osteuropa sorgt für andauernd trockenes Wetter. Nur im Nordwesten kann es gebietsweise regnen. Eine stärkere Abkühlung in den kommenden Tagen ist nicht in Sicht.

"Zur Wochenmitte nähern sich wieder Tiefausläufer - sie sind aber voraussichtlich schwach wirksam, so dass es mit den Temperaturen nur im Schneckentempo bergab geht", sagte Meteorologe Michael Beisenherz voraus.

Am Sonntag werden sich die Tageshöchsttemperaturen immer noch bei milden zehn bis 16 Grad bewegen. Die frühlingshaften Temperaturen im November sind nicht die ersten Wetterextreme des Jahres 2006. Während am Jahresanfang das Ende des Winters nicht absehbar war und die Bewohner Bayerns gegen ungewöhnliche Schneemassen kämpfen mussten, lagen die Temperaturen im Juli deutlich über der Durchschnittsgrenze.

"Der Winter hat ordentlich zugeschlagen, und im Juli war es viel heißer und sonniger als gewöhnlich", sagte Meteorologe Reiter. Der Hitzerekord des Sommers wurde mit 38,9 Grad in Bernberg in Sachsen-Anhalt aufgestellt, in Bremen wurden in dem Monat insgesamt 334 Sonnenstunden gemessen.

Nach einer starken Abkühlung im August stiegen die Temperaturen im Herbst wieder an. Im September, Oktober und November lagen die Temperaturen mindestens drei Grad über dem Durchschnitt.

In Belgien wurde ebenfalls der wärmste Herbst seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 170 Jahren registriert. Der Grund für die überraschenden Temperaturen sei die globale Erwärmung, sagte der Meteorologe Marc Vandiepenbeeck der Zeitung "La Libre".

Der Herbst war demnach um 1,4 Grad wärmer als jeder andere seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1832. Insgesamt seien in Belgien sogar über 3 Grad mehr gemessen worden als im Durchschnitt, sagte Vandiepenbeeck.

In Altenrhein im Schweizer Kanton St. Gallen ließ der Föhn die Temperaturen auf 21,2 Grad steigen, in Vaduz im Fürstentum Liechtenstein waren es sogar 21,4 Grad. Diese Temperaturen lägen im Bereich der Höchstwerte für die zweite Novemberhälfte, sagte der Meteorologe Daniel Gerstgrasser.

jto/dpa/AP



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