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"Falsches" Geschlecht: Ehepaar verschmäht Baby von Leihmutter

Leihmütter in Indien: Gegen Geld tragen sie fremde Babys aus Zur Großansicht
REUTERS

Leihmütter in Indien: Gegen Geld tragen sie fremde Babys aus

Der Fall erinnert an Baby Gammy: Eine indische Leihmutter trägt Zwillinge für ein australisches Paar aus, doch die Eltern nehmen nur eines der Kinder mit. Offenbar passte ihnen das Geschlecht des zweiten Babys nicht.

Canberra - Der Fall des sieben Monate alten Gammy, der von seinen Eltern bei seiner Leihmutter in Thailand zurückgelassen wurde, hatte in Australien Empörung ausgelöst, nun gibt es im Land einen ähnlichen Fall: Wieder geht es um Zwillinge, die von einer Leihmutter ausgetragen wurden, wieder haben die Eltern nur eines der beiden Kinder mitgenommen. Doch in diesem Fall ist das Baby nicht behindert. Den Eltern passte das Geschlecht nicht.

"Ich weiß nicht, ob es ein Mädchen oder ein Junge war, aber die Eltern hatten schon ein Kind des einen Geschlechts und wollten das andere nicht", sagte die oberste Richterin des australischen Familiengerichtes, Diana Bryant, dem australischen Fernsehsender ABC. Sie hatte von dem Fall durch Mitarbeiterinnen des Konsulats in Neu-Delhi erfahren.

Die Zwillinge seien bereits 2012 von einer Leihmutter in Indien ausgetragen worden, sagte Bryant. Die Eltern beantragten beim australischen Konsulat in Neu-Delhi ein Visum - aber nur für das eine Kind. Die Mitarbeiterinnen des Konsulats hätten darauf versucht, den Vorgang hinauszuzögern und die Eltern davon zu überzeugen, beide Babys mitzunehmen. "Die Frauen waren erschüttert. Sie haben alles getan, was sie konnten, um die Eltern umzustimmen." Erst als sie Druck von höherer Stelle bekamen, hätten sie schließlich das Einzelvisum für das von den Eltern gewünschte Baby ausgestellt. Laut ABC soll ein ranghoher Politiker aus Australien involviert gewesen sein.

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Baby mit Downsyndrom: Der Fall Gammy
Das andere Kind sei laut den Konsularmitarbeiterinnen in die Obhut eines angeblich Bekannten der Familie gekommen. "Sie hatten aber den Verdacht, dass Geld im Spiel war", sagte Bryant. Sollte sich diese Vermutung erhärten, wäre das ein Fall von Menschenhandel und damit eine Straftat. Den Mitarbeiterinnen des Konsulats könne man aber keinen Vorwurf machen, sagte Bryant: "Sie befinden sich da in einem rechtlichen Vakuum."

Der oberste Richter des australischen Bundesgerichtshofs, John Pascoe, zeigte sich entsetzt über den Fall: "Ich finde es unglaublich, dass Australier ein Kind aufgrund seines Geschlechts ablehnen. Das ist besonders tragisch, wenn man bedenkt, wie viele wundervolle Menschen da draußen liebend gern ein Kind hätten, egal ob Junge oder Mädchen."

Internationale Leihmutterschaft bewege sich an der Grenze zum Menschenhandel, sagte Pascoe: "Wir haben genügend Anhaltspunkte, dass Leute einfach so Kinder in Auftrag geben - ohne irgendeine Sicherheit für sie oder die Leihmütter." Das Familiengericht müsse sich nun mit einem Fall beschäftigen, der so nie hätte stattfinden dürfen. Mit dem Thema Leihmutterschaft müsse man sich dringend auf nationaler Ebene auseinandersetzen.

Leihmutterschaften gegen Geld sind in den meisten australischen Bundesstaaten verboten, in einigen ist es aber erlaubt, ein Kind im Ausland austragen zu lassen. Nach Schätzungen der Beratungsorganisation Surrogacy Australia reisen jedes Jahr bis zu 500 Paare aus Australien nach Thailand, Indien oder in die USA, um dort ihre Wunschkinder austragen zu lassen.

vet/AP

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1.
jambon1 09.10.2014
verdammt! Kinder sind keine ware, die man bei nicht gefallen umtauschen kann. - bei Kindern gilt: es wird genommen, was die Natur liefert. unser verhalten diesbezüglich zeigt, inwieweit pervertiertes, neoliberalen denken bereits Einzug gehalten hat in die Köpfe so mancher Menschen. sie missbrauchen Frauen in der dritten Welt als billige gebärmaschinen.
2. Gesetzliche Regelungen
felix750_4 09.10.2014
Es wird Zeit sich offen mit dem Thema zu beschäftigen. In Kalifornien ist der Weg über Leihmutterschaft ein Kind zu zeugen legal, aber wirklich gut über Psychologen, Rechtsanwälte und eine funktionierende Justiz abgesichert. Ein Verbot wird Menschen mit Kinderwunsch nur in die Illegaliät drängen und harte Schicksale ergeben. Leihmutterschaft ist auch kein neues Phänomen. Sie gab es schon immer. Also offen und nicht moralinsauer darüber diskutieren. Und klar ist in Ländern mit zweifelhafter Rechtssituation muss sie verboten werden. Alle Beteiligten Leihmütter, Mütter und Väter brauchen Rechtssicherheit!
3. Als Eltern unwürdig, daher ungeeignet für Kinder!
urknallmarinchen@yahoo.de 09.10.2014
Wer erst einmal ein "Check in" vornimmt, hat in diesen Fällen m.M.n. sein Anrecht auf eine Elternschaft verloren. Anders mag es sich Verhalten, wenn Eltern z.B. die Adoption eines behinderten Heimkindes angeboten wird und dann diese Adoption abgelehnt wird. Doch in diesem aktuellen Fall, handelt es sich offenbar um einflußreiche "Eltern", die ihren Willen mit aller Macht durchsetzen wollen, Kindswohl hin oder her... Für mich sind die Eltern nicht geeignet, auch nur ein Kind aufzuziehen. Manchmal hat es die Natur schon so richtig entschieden, Rechenschaft muß sie uns darüber nicht ablegen - nur Gott weiss warum...
4. Leihmutterschaft - Leihvaterschaft
ihawk 09.10.2014
Die ganz offensichtliche Leihvaterschaft in der englischen Thronfolge beweist doch nur eines: Wer genug Geld hat, nimmt sich was er will - Gesetz und Moral sind da außen vor.
5. Es ist ein Kauf von Kindern! - nichts anderes
Henry II 09.10.2014
Vielleicht sollte man mal das euphemistische "Leihmutter" aus dem Sprachgebrauch streichen. Es werden Kinder, welche gemäss Auftrag "produziert" werden GEKAUFT - es handelt sich um nichts anderes. Es gibt nun mal m.E. keinen rechtlichen Anspruch Kinder zu haben, wie es auch keinen rechtlichen Anspruch gibt min. 95 Jahre alt zu werden oder die Grösse von 1.95 zu erreichen. Wieso kann sich der heutige Mensch nicht mit Naturgesetzen/-gegebenheiten abfinden. Zwei Männer können nun mal einfach keine Kinder bekommen. Aber heute ist es ohne weitere Umstände möglich - sofern die Kasse stimmt - dass sich ein Männerpaar in den USA ein Kind kauft - und bevor hier moralische Entrüstung kommt: Ich bin selber schwul und muss zusammen mit meinem Mann halt nun einfach klar kommen, dass unserer Beziehung keine Nachkommen entspringen werden. So einfach oder halt so schwer.
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