"Wilma" wirbelt mit 340 Km/h "Stärkster Hurrikan seit Beginn der Wetteraufzeichnung"

Die Wucht "Wilmas" ist beängstigend: Binnen weniger Stunden verwandelte sich das Tiefdruckgebiet vom Tropensturm in den heftigsten Hurrikan, der je beobachtet wurde. Die Menschen in Florida rüsten sich für das Schlimmste. Zehntausende bringen sich in Sicherheit.


Miami - Im Zentrum von "Wilma" wurden Geschwindigkeiten von bis zu 281 Kilometern pro Stunde gemessen, Spitzenböen erreichten sogar Geschwindigkeiten von 340 Km/h. Der Druck beträgt 882 Millibar, der niedrigste seit Beginn der Wetteraufzeichnung registrierte Wert - der bisherige Spitzenreiter war mit 888 Millibar der Hurrikan "Gilbert" aus dem Jahr 1988. Bei Hurrikanen gilt: je niedriger der Druck, desto stärker der Sturm. Deswegen bezeichnen Meteorologen "Wilma" schon jetzt als den stärksten Hurrikan aller Zeiten.

Ein Meteorologe analysiert eine Infrarot-Aufnahme von "Wilma": Um 11.00 Uhr Ortszeit war der Sturm noch knapp 200 Meilen von den Cayman-Inseln entfernt
AP

Ein Meteorologe analysiert eine Infrarot-Aufnahme von "Wilma": Um 11.00 Uhr Ortszeit war der Sturm noch knapp 200 Meilen von den Cayman-Inseln entfernt

"Wilma" sei noch stärker als der Hurrikan, der im September 1935 die Inselkette Florida Keys verwüstete und bisher als zerstörerischster galt, sagte Meteorologe Hugh Cobbs. Allerdings dürfte "Wilma" den Angaben zufolge ihre enorme Stärke über dem Golf von Mexiko wieder verlieren.

Am Morgen ist "Wilma" über der Karibik vom Tropensturm zu einem Hurrikan der höchsten Stufe fünf angeschwollen. Das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA in Miami sprach heute von einem "extrem gefährlichen und katastrophalen Hurrikan". Erst eine halbe Stunde zuvor hatte das Zentrum den Sturm in die Kategorie vier eingestuft.

Jeb Bush: "Warum wir?"

Das Zentrum von "Wilma" befindet sich südlich der Cayman-Inseln und bewegt sich langsam in westlich-nordwestlicher Richtung auf die mexikanische Halbinsel Yucatán zu. Die Experten rechneten damit, dass der Sturm noch heute den Golf von Mexiko erreicht und dann einen Schwenk in Richtung Nordost auf die Küste von Florida macht. Beinahe verzweifelt sagte Jeb Bush, der Gouverneur von Florida: "Warum wir? Wie kann ein Sturm eine scharfe Wende von 90 Grad vollziehen?"

Fotostrecke

12  Bilder
Hurrikan-Flieger: Im Inneren von "Katrina"

Die Bewohner der Inselgruppe Florida Keys bereiten sich auf Evakuierungen vor. Die Bewohner decken sich mit Wasservorräten und Lebensmittelkonserven ein. Touristen wurden angewiesen, bis morgen abzureisen. Am Freitag sollen 80.000 Bewohner in Sicherheit gebracht werden. "Das ist unser vierter Sturm, und er ist richtig aggressiv. Wir nehmen ihn ernst, es wird massive Schäden geben", sagte die örtliche Katastrophenschutz-Direktorin Irene Toner.

"Wilma" ist nach "Katrina" und "Rita", die in den USA große Verwüstungen angerichtet hatten, der dritte Wirbelsturm der Kategorie fünf in diesem Jahr und der zwölfte Hurrikan der Saison. Diese Anzahl der Wirbelstürme wurde in der bis 1851 zurückreichenden Statistik bisher nur 1969 beobachtet. Allein durch Sturm "Katrina", der nur noch die Stufe vier hatte, als er am 29. August auf Floridas Küste traf, kamen in den USA mehr als 1200 Menschen ums Leben. Durch den Hurrikan "Stan" gab es in der vergangenen Woche allein in Guatemala über 2000 Tote. Dutzende Menschen starben in El Salvador, Nicaragua und Mexiko.

Auf den Cayman-Inseln, in Nicaragua, Jamaika, Kuba und Mexiko gab es Hurrikanwarnungen. Die kubanischen Behörden brachten in den südlichen Landesteilen rund 5200 Menschen in Sicherheit. Mehr als 5000 zur Landarbeit in der Nähe von Santiago de Cuba eingeteilte Studenten wurden in Notunterkünften untergebracht. In Kuba, Honduras und Jamaika kündigte sich der noch viele Kilometer entfernte Sturm mit heftigen Regenfällen an: In manchen Regionen gab es Überschwemmungen und Erdrutsche, zahlreiche Gebäude wurden beschädigt.

"Wilma" wird vermutlich nach den Küsten von Nicaragua, Honduras und Guatemala morgen auch die mexikanische Touristenregion erreichen. Am Wochenende soll der Sturm auf die US-Ostküste in Florida treffen.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.