Winter in Bayern Bundeswehr startet Lawinensprengungen

Die Schneemassen in Bayern bedrohen Dörfer und Straßen. Die Bundeswehr hat nun vorsorglich Lawinen ausgelöst. In den kommenden Stunden wird bis zu ein Meter Neuschnee erwartet. Ministerpräsident Söder spricht von "ernster Besorgnis".

Kettenfahrzeug der Bundeswehr (am Donnerstag)
DPA

Kettenfahrzeug der Bundeswehr (am Donnerstag)


Die Lawinengefahr in den deutschen Alpen hält an. In Bayern hat deshalb nun auch die Bundeswehr mehrere kontrollierte Lawinensprengungen durchgeführt: In Ruhpolding und Reit im Winkl im Kreis Traunstein hat die Armee Behördenangaben zufolge vorsorglich Sprengladungen im Schnee detonieren lassen. Die so ausgelösten Lawinen sollen Schäden durch einen unvorhergesehenen Lawinenabgang verhindern.

Damit weitet die Bundeswehr ihre Hilfsmaßnahmen erneut aus. Mittlerweile sind mehr als 600 Soldaten im Einsatz. Sie versorgen eingeschlossene Menschen, helfen beim Räumen von mit Schnee bedeckten Dächern und transportieren Hilfskräfte zu ihren Einsätzen.

Fotostrecke

15  Bilder
Heftiges Winterwetter: Schnee, Schnee, Schnee

Doch nicht nur die Lawinengefahr bereitet Rettungskräften Sorge - in den kommenden Tagen könnte ein weiteres Problem entstehen: Für diesen Sonntag sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) heftige Niederschläge voraus. Wegen des Tauwetters drohen an mehreren Flüssen nördlich der Donau und in den Alpen Überschwemmungen.

"Die Wetterlage ist sehr ernst zu nehmen", sagte ein Sprecher. Es gab Unwetterwarnungen für den Süden Bayerns. Die Schneefallgrenze soll von 600 Metern am Samstagabend auf 1000 Meter am Sonntagmorgen steigen und am Montag wieder auf 500 Meter sinken. Oberhalb von 1000 Metern soll es zwischen Samstagabend und Dienstag extrem starken Schneefall geben - mit bis zu einem Meter Neuschnee.

Neuschnee und Regen erhöhen den Druck, der auf den Dächern lastet. In Schönau am Königssee kam beispielsweise ein Helikopter zum Einsatz, der den Schnee von an Straßen stehenden Bäumen wirbeln sollte.

Im Video: Der "Schneelikopter" - mit den Rotorblättern gegen die weiße Last

REUTERS

Im Alpenvorland soll es Sturm mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometern pro Stunde geben, in den Hochlagen der Alpen und des Bayerischen Waldes werden bis zu 100 Kilometer pro Stunde erwartet. Zudem sei mit "teils erheblichen Schneeverwehungen" zu rechnen, so der DWD.

Bayern schickte an diesem Samstag wegen der anhaltenden Schneefälle 500 zusätzliche Bereitschaftspolizisten in die verschneiten Katastrophenregionen. "Es gibt keinen Anlass zur Panik, aber schon zu ernster Besorgnis", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in Bad Tölz.

"Die größte Herausforderung der nächste Tage wird die Dächerlast sein"

Insgesamt sind laut Söder dann 5000 Kräfte im Einsatz - und vor allem damit beschäftigt, einsturzgefährdete Dächer vom Schnee zu befreien. Bei Bedarf sollen weitere Helfer in Bewegung gesetzt werden. "Die größte Herausforderung der nächsten Tage wird die Dächerlast sein", sagte der Ministerpräsident. "Durch den Regen wird insgesamt die Last schwerer." Die Helfer seien "sehr besorgt".

Für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Traunstein, Garmisch-Partenkirchen und Teile des Berchtesgadener Lands gilt weiter der Katastrophenfall. Er soll voraussichtlich noch bis Dienstag dauern.

Wegen verschneiter Gleise ist der Regionalverkehr in Teilen von Oberbayern, Schwaben und Niederbayern weiter eingestellt. Nach Angaben eines Bahnsprechers fallen auch in den kommenden Tagen zahlreiche Züge aus. Auf Bayerns Straßen lief der Verkehr weitgehend ungehindert.

kko/dpa



insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ratz1967 12.01.2019
1. Leute, unter 1200 m regnets bald und der Schnee geht flöten. Aaaber...
... das bedeutet auch jede Menge Wasser! Mich wundert, dass die Talsperren und Flüsse nicht jetzt schon entleert/teilentleert werden, um die anstehenden Wassermassen zu verkraften. Für all die Bewohner früherer Flutgebiete in Augsburg, München, Passau usw.: es wäre jetzt an der Zeit, die Habseligkeiten in dauertrockene Quartiere zu schaffen. man könnte auch schon mal beginnen, die Türen abzudichten, bevor das Wasser kommt und nicht erst, wenns schon drin steht. Das gibt ein Jahrhunderthochwasser, wens richtig losregnet und warm wird! Mich wundert, dass noch niemand Warnungen dafür ausgibt!
Hoberg 12.01.2019
2. Schaufeln
wird die Bundeswehr wohl vom THW bekommen haben. Sonst wäre das Holz in den Stielen wohl so brüchig dass es nicht viel bringen würde. Und zum Glück sind die Kasernen nicht weit weg und die Soldaten können laufen. Bei den Raupenfahrzeugen.. die haben mindestens 40 Jahre drauf ..Jedes Skigebiet würde sich schämen mit diesen Oldtimern noch im Schnee zu fahren . Armes D .
Ein_denkender_Querulant 12.01.2019
3. Klimawandel
Vielleicht versteht bei diesen Extremwetterlagen auch der letzte, dass es keine wirklichen "Klimagewinner" gibt. Wärmer bedeutet feuchter und mehr der Extreme. Ja, es gab so etwas immer schon, aber es wird häufiger werden. Und wir sind noch sehr begünstigt, es gibt kaum Veränderungen. Andere Regionen der Erde wurde bisher schon 5°C wärmer, da ändern sich ganze Ökosysteme.
weitergedacht2.0 12.01.2019
4. Lawinensprengung, so what?
Ganz normal in Österreich und der Schweiz. Und die machens per Helikopter ganz unaufgeregt. Tägliches Brot eben. Danke Bundeswehr.
otto_lustig 12.01.2019
5. Selbst die angeblich "flugunfähigen" Black Hawk Hubschreiber der
Bundeswehr sind im Einsatz und wirbeln mit ihren Rotoren den Schnee weg. Und die Bundeswehr bekommt keine Schaufeln vom THW und zu Fuß laufen muss sie auch nicht. Und auch die Kettenfahrzeuge der Gebirgsjäger sind ein wichtiges Instrument gegen den Schnee. Mag jenen , die die Bundeswehr nicht mögen, nicht gefallen, aber es ist so. Im Wohnzimmer rumhängen und nörgeln? Warum nicht mithelfen? Vermutlich fehlt es diesen Nörglern an warmen Socken.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.