Starker Schneefall Vier bayerische Landkreise rufen Katastrophenfall aus

Im Süden und Osten Deutschlands arbeiten Einsatzkräfte nach den heftigen Schneefällen unermüdlich. Im Harz dauerte es Tage, um einen Zug der Brockenbahn auszugraben. Bei einem tragischen Fall in Bayern kam Hilfe zu spät.

LUKAS BARTH-TUTTAS/ EPA-EFE/ REX

Bayern: Mittlerweile gilt in den drei oberbayerischen Landkreisen Traunstein, Miesbach und Berchtesgadener Land der Katastrophenfall. Die Bundeswehr ist im Einsatz. In dieser Region fallen durch das Wetter auch viele Züge aus. Seit dem späten Donnerstagabend gilt zudem auch im südbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen der Katastrophenfall.

Rund um Berchtesgaden sitzen zahlreiche Menschen wegen der Schneemassen fest. Die Orte Vorderbrand und Ettenberg seien nun nicht mehr erreichbar, teilte das Landratsamt mit. Die Zufahrtsstraßen seien gesperrt, weil Bäume unter der Schneelast umzukippen drohten. Eine Notversorgung der Bewohner sei eingerichtet. Zuvor waren schon die Straßen zur Siedlung Buchenhöhe in Berchtesgaden und zur Gemeinde Jachenau zugeschneit worden. (Ein Interview mit Jachenaus Bürgermeister lesen Sie hier.)

In Aying bei München wurde ein neunjähriger Junge von einem umstürzenden Baum erschlagen. Der Baum war laut Polizei unter der hohen Schneelast zusammengebrochen. Erst nach 20 Minuten entdeckten Zeugen das Kind und alarmierten Rettungskräfte. Diese konnten dem Jungen nicht mehr helfen.

Video: Schnee hat Bayern im Griff

Hermsdorf: Auf der A9 in Thüringen kam es in der Nacht zum Donnerstag zu einem zeitweise rund 50 Kilometer langen Stau. Die Fahrer Dutzender Lastwagen mussten in ihren Fahrzeugen bleiben. Einsatzkräfte verteilten warme Decken und heiße Getränke. Der Stau löste sich auch deshalb nur zögerlich auf, weil viele Fahrer erst geweckt werden mussten.

Ulm: Auch auf der A8 saßen in der Nacht zum Donnerstag Hunderte Lastwagen- und Autofahrer wegen Schneefalls und Glätte fest. Der Verkehr sei dadurch zwischen Ulm und Nellingen in Baden-Württemberg auf einer Länge von etwa 35 Kilometern zum Erliegen gekommen. In dem stockenden Verkehr starb bei Dornstadt eine 54 Jahre alte Autofahrerin. Sie stand Polizeiangaben zufolge im Stau und saß allein in ihrem Fahrzeug. Die Todesursache werde geklärt, sagte ein Polizeisprecher. Ein Verbrechen schließe man aus.

Harz: Einsatzkräften gelang es, nach drei Tagen Arbeit einen eingeschneiten Zug der Brockenbahn auszugraben. Die Dampflok und ein verbliebener Waggon konnten am Donnerstag aus den Schneemassen ausgebuddelt werden, sagte ein Sprecher der Harzer Schmalspurbahn. Der Zug hatte sich am Dienstag kurz vor dem Brockenbahnhof in einer Schneewehe festgefahren. Dutzende Fahrgäste mussten stundenlang ausharren. Am Mittwoch waren bereits zwei der drei bis zum Dach eingeschneiten Waggons ausgegraben worden.

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Deutschland und Österreich: Dauereinsatz für Schneeräumer

Österreich: In Österreich starben seit dem Wochenende mindestens sieben Menschen im Schnee - darunter zwei Deutsche, die am Sonntag in Vorarlberg von Lawinen verschüttet wurden. Am Mittwoch wurde ein 16 Jahre alter Deutsch-Australier vor den Augen seiner Familie beim Skifahren von einer Lawine in den Tod gerissen.

Zudem starben zwei Skifahrer, die bei Stürzen im meterhohen Schnee versanken, sowie zwei junge Schneeschuhwanderer, die am Montag tot unter einem Lawinenkegel gefunden wurden.

Dem österreichischen Bundesheer ist es gelungen, die seit Samstag von der Außenwelt abgeschnittene Gemeinde Hohentauern in der Obersteiermark zu erreichen. Die Soldaten brachten Lebensmittel und Diesel über einen Forstweg in die Kommune, wie Vizebürgermeister Gernot Jetz sagte. "Der Trupp hat sich mit Geländefahrzeugen durch Bäche und steiles Gelände hierher durchgeschlagen." Für Autos sei es derzeit unmöglich, den Ort zu erreichen oder zu verlassen. "Die Hauptstraße ist weiter in einigen Bereichen wegen der großen Lawinengefahr gesperrt, und dort wurde auch zuletzt kein Schnee mehr geräumt."

bbr/dpa



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