Winter Schneesturm "Daisy" sorgt für sibirische Verhältnisse

Meterhohe Schneeverwehungen und Eisglätte haben am Samstag stellenweise für erhebliche Verkehrsprobleme gesorgt. Das angekündigte große Chaos blieb bislang aber aus. Doch Meteorologen warnen: Sturmtief "Daisy" ist da wie angekündigt - und wird vielerorts ein ungemütliches Wochenende bescheren.

DPA

Hamburg - Unfallserien auf spiegelglatten Straßen, Hunderte abgesagte Flüge, eine ausgescherte Maschine und Lastwagenstau an der Grenze: Das Tief "Daisy" hat am Samstag mit starken Schneefällen bundesweit für erhebliche Verkehrsprobleme gesorgt. Das große Chaos blieb jedoch aus. "Es ist alles genauso eingetroffen, wie wir vorausgesagt hatten", sagt Meteomedia-Meteorologe Andreas Wagner SPIEGEL ONLINE: "Sibirische Verhältnisse in Deutschland." Das Schneetief "Daisy" habe seit Freitag für Dauerfrost bis zu zehn Grad minus und ergiebige und intensive Schneefälle gesorgt, die sich aufgrund des starken Nordost-Windes etwa zehn bis 15 Grad kälter anfühlten.

Es gebe Windgeschwindigkeiten von 50 bis 70, an den Küsten von bis zu hundert Stundenkilometern. In Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg schneie es am häufigsten, die Sichtweite betrage durch den dichten Schneefall keine tausend Meter. "Am Sonntag wird es noch mehr schneien. Es wird starke stürmische Winde geben, an den Küsten sogar schwere Böen", so Wagner. "Daisy" sei am Samstag in erster Linie in der Nordhälfte Deutschlands aktiv, am Sonntag bilde sich dann in Süddeutschland ein zweites Schneefallgebiet.

Die Winterdienste sind bisher sowohl auf den Straßen als auch den Flughäfen im Dauereinsatz, um die Schneemassen zu beseitigen. Der Bahnverkehr blieb von massiven Störungen bislang verschont.

In Baden-Württemberg wurden bis zum Samstagmorgen mehr als 300 Verkehrsunfälle mit vier Schwer- und 37 Leichtverletzten registriert. An der deutsch-französischen Grenze blieben bei Neuenburg in Südbaden an die 400 Lastwagen größtenteils die ganze Nacht über stehen, weil die Autobahn 35 im Elsass wegen der Schneemassen gesperrt wurde. Die Fahrer mussten bei eisiger Kälte in ihren Wagen ausharren und wurden vom Roten Kreuz mit Decken und warmen Getränken versorgt. Erst am Samstagvormittag wurde die Sperrung aufgehoben, so dass sich der vier Kilometer lange Lkw-Stau langsam auflösen konnte.

In Frankfurt am Main fielen mehr als 200 Flüge aus

Erheblich beeinträchtigt wurde auch der Luftverkehr. Auf dem größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main fielen bis zum Mittag 216 Flüge aus, darunter 109 Landungen und 107 Starts. Die Fluggäste hielten sich aber weitgehend an die Empfehlung, sich rechtzeitig zu informieren, so dass sich der Andrang der Wartenden in Grenzen hielt.

In Nürnberg rutschte eine Boeing der Air Berlin am Freitagabend kurz vor dem Start von der Rollbahn und blieb im Schnee stecken. Die 133 Passagiere und Crewmitglieder blieben unverletzt und konnten die Maschine über die hintere Treppe verlassen. Das Flugzeug musste abgeschleppt werden, die Unfallursache wird untersucht. Der Flughafen blieb zweieinhalb Stunden lang gesperrt. Es ist bereits der dritte Vorfall mit einem Air-Berlin-Flugzeug innerhalb einer Woche.

Eine Annullierung von Flügen gab es auch in München "im niedrigen zweistelligen Bereich". Auf den anderen Flughäfen kam es nur zu kleineren Störungen, überall wurden immer wieder Start- und Landebahnen vom Schnee geräumt und die Maschinen enteist.

Im Norden der Insel Rügen mussten nach Angaben der Straßenmeisterei wegen des starken Windes immer wieder vor allem auf Nebenstraßen teilweise meterhohe Schneeverwehungen geräumt werden. Starker Schneefall, Sturm und umgestürzte Bäume brachten den Verkehr in Teilen des Harzes zum Erliegen. Laut Polizei ereigneten sich am Vormittag etliche Unfälle. Dabei sei es aber bei Blechschäden geblieben.

Starker Wind und Schneeverwehungen stellten auch die Autofahrer in Nord- und Ostthüringen immer wieder vor große Probleme. Zahlreiche Straßen wie zwischen Artern und Querfurt sind gesperrt. Rund um das Hermsdorfer Kreuz waren seit dem Morgen mehrere Lastwagen quergerutscht. Dabei wurden drei Menschen verletzt. Die A 9 zwischen Bad Klosterlausnitz und Eisenberg Richtung Berlin ist gegenwärtig wegen eines umgekippten Lasters voll gesperrt. Es gab zwei Verletzte.

Bei Temperaturen bis minus sieben Grad waren die 200 Fahrzeuge der Thüringer Straßenwartungs- und Instandhaltungsgesellschaft rund um die Uhr im Einsatz. Geschäftsführer Frank Höhne schätzte die Lage gegen Mittag jedoch als "relativ problemlos" ein. Zusätzliche Schneeflüge und Schneefräsen seien wegen der Biathlonwettkämpfe im Raum Oberhof im Einsatz, um den Besuchern eine möglichst reibungslose Anfahrt zu ermöglichen. Seine 300 Männer sind für etwa 4800 Kilometer überwiegend Bundes- und Landstraßen verantwortlich. Bei Heiligenstadt stieß jedoch ein Auto mit einem seiner Räumfahrzeuge zusammen. Beide Fahrer wurden leicht verletzt.

Im Raum Suhl kippten aufgrund des Sturmes mehrere Bäume um. In Jena kam der Straßenbahnverkehr zum Erliegen, die Fahrgäste mussten auf Busse umsteigen. Stromausfälle durch gerissene Stromleitungen gab es laut Lagezentrum bisher nicht. Auf dem Flughafen Erfurt hat der Wintereinbruch nach Angaben einer Sprecherin bisher zu keinen Behinderungen des Flugverkehrs geführt.

jjc/ddp/DAPD

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