Winterwetter im Mai "Da erfrieren Sie im Sessellift"

Von wegen Frühlingsgefühle. Ganz Deutschland friert, die Strände an Nord- und Ostsee sind gähnend leer, ebenso die Freibäder. Mancherorts schneit es gar heftig. Und die Aussichten sind nicht gerade gemütlich.


München/Stuttgart - Nicht nur in den Alpen, sondern auch im Erzgebirge und im Schwarzwald hat es heute wieder geschneit. Die Schneefallgrenze sank in Bayern gar auf 800 Meter. Der Riedbergpass im Allgäu wurde von 15 Zentimetern Neuschnee bedeckt, Autofahrer mussten dort wieder Schneeketten aufziehen. Auf der Zugspitze fielen 20 Zentimeter Schnee. Höher gelegene Straßen waren in den Morgenstunden glatt wie im Winter.

Die berühmte Schafskälte beginnt normalerweise Mitte Juni Doch in diesem Jahr kam sie einem Sprecher des Wetterdienstes Meteomedia zufolge "etwas zu früh und etwas zu heftig". Und so können durchaus wieder winterliche Gefühle aufkommen. "Es ist verrückt. Oben im Gebirge ist alles weiß", sagte Bruno Kohler von der Gästeinformation Immenstadt im Allgäu. Touristen rate er zum Besuch von Museen oder Erlebnisbädern - der Lift zum Mittaggipfel fahre nicht, "da erfrieren Sie im Sessellift".

Auf dem Brocken, mit 1142 Metern höchster Berg Norddeutschlands, schneite es leicht bei Temperaturen unter der Null-Grad-Marke, zudem herrschte dichter Nebel. Auch in Thüringen fiel an der Wetterstation auf der 936 Meter hohen Schmücke bei Suhl Schnee. Er blieb allerdings nicht liegen.

Wo keine Schneeflocken wirbeln, klagen die Menschen derzeit über Regen und Kälte. In Stuttgart schüttet es seit Tagen. Eine Vorlesung musste abgesagt werden, weil der Hörsaal unter Wasser stand. Am Oberrhein wird Hochwasser gemeldet - mit einem Pegelstand von 7,50 Metern. Ab morgen soll der Pegel allerdings wieder fallen.

Dabei rechnet der Wetterdienst für die kommenden Tage mit weiteren Schauern, oberhalb von 800 Metern als Schnee. Tief "Kordula" führt weiterhin feuchte Luft nach Deutschland. Auch die Temperaturen werden nicht zum Kalender der Metereologen passen, für die eigentlich bereits am 1. Juni der Sommer beginnt.

Morgen werden Höchsttemperaturen von sieben Grad am Alpenrand und bis 15 Grad an der Spree vorausgesagt. In der Nacht zum Donnerstag sinkt die Temperatur dann auf acht bis zwei Grad, örtlich soll gar leichter Bodenfrost möglich sein.

Ab Freitag soll es ganz allmählich freundlicher werden. Allerdings so allmählich, dass auch der Ausblick auf Pfingsten wenig erbaulich ist. Mit sommerlichen Temperaturen sei nicht zu rechnen, heißt es bei den Wetterdiensten.

str/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.