Winterwetter "Benno" bringt noch mehr Eis und Kälte

Wintersportler jubeln, Reisende hadern: Der Winter ist in Deutschland und Europa eingekehrt - mit viel Schnee. Ein Wochenende zwischen weißem Idyll und Verkehrsproblemen.


Mit viel Schnee und frostigen Temperaturen hat sich der Winter am Wochenende in weiten Teilen Deutschlands festgesetzt. Vor allem in den Mittelgebirgen und in den Alpen schneite es kräftig: Auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, türmte sich der Schnee am Sonntag bereits auf etwa 2,50 Meter. Am höchsten Berg von Hessen, der Wasserkuppe, glückte am Samstag ein Rodel-Rekordversuch mit 416 Menschen Schlitten an Schlitten.

Auch das norwegische Königspaar ließ sich von zweistelligen Minusgraden nicht abschrecken und feierte in Oslo das 25-jährige Thronjubiläum mit einem Winterfest für seine Landsleute. Zigtausend Hauptstädter vergnügten sich auf dem schneebedeckten Schlossplatz. Auf Wunsch von König Harald und Königin Sonja (beide 78) war hier eine riesige Wintersportlandschaft entstanden - als Geschenk der norwegischen Regierung. Kinder tobten auf einer Snowboardschanze und fuhren beim Langlauf mit Prinz Sverre Magnus (10) und Prinzessin Ingrid Alexandra (11) um die Wette.

Während viele Wintersportler das Wochenende in Deutschland und andernorts genossen, gab es aber auch Unfälle auf den Straßen. Eis und Schnee behinderten am Sonntag den Zugverkehr auf einigen Verbindungen. Auf den Strecken Hannover-Berlin und Würzburg-Fulda fuhren Schnellzüge angesichts der Witterung mit maximal 200 Kilometern pro Stunde. Möglich sind bis zu 300 Kilometer pro Stunde. Reisende mussten laut einer Sprecherin Verspätungen von 30 bis 40 Minuten Kauf nehmen.

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Schnee und Eis in Europa: Schneevergnügen, Pistenspaß und Rodelfreude
Jetzt bringt Hoch "Benno" Frost und etwas Sonnenschein

Tief "Gudrun" hatte zuletzt Eis und Schnee zurück ins Land gebracht. Jetzt kommt Hoch "Benno" und mit ihm weiterer Frost, viel Nebel und vereinzelt Sonnenschein. Bis Freitag sollen die Temperaturen in weiten Teilen Deutschlands unter dem Gefrierpunkt bleiben, meldete der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntag, in einigen Gegenden wird es wohl rund zehn Grad Celsius unter Null werden. Nur in den Niederungen entlang des Rheins und westlich davon sei tagsüber mit Temperaturen über null Grad zu rechnen. Nachts sacken die Temperaturen auf minus fünf bis minus 15 Grad ab. In Gebirgstälern soll es sich auf bis zu minus 20 Grad abkühlen.

In Bayern erlebten die Menschen in der Nacht zum Sonntag die erste richtige Frostnacht dieses Winters. Klirrend kalt war es am Sonntagmittag auf der Zugspitze, wo minus 21 Grad gemessen wurden. Nach den jüngsten Schneefällen herrscht nun überall in den Hochlagen der Bayerischen Alpen große Lawinengefahr. Dort waren bis zu 30 Zentimeter Neuschnee seit Samstag gefallen. Bereits ein einzelner Skifahrer oder Snowboarder könne ein Schneebrett auslösen, teilte der Lawinenwarndienst mit. Auf den Pisten des Feldbergs im Schwarzwald bildeten sich Warteschlangen vor den Liften, auch im Harz tobten sich Ausflügler aus. Sachsen meldete am Sonntag im ganzen Land eine geschlossene Schneedecke.

Glatte und verschneite Straßen führten vor allem in Süddeutschland zu zahlreichen Unfällen, aber auch in Nordhessen oder Ostwestfalen-Lippe im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Bereits am Freitagnachmittag gab es schwere Verkehrsunfälle - in Bayern kamen dabei drei Menschen ums Leben, darunter eine 16-Jährige in der Nähe von Mertingen, als das Auto, in dem sie saß, von der glatten Straße abkam und gegen einen Baum krachte. Am Berliner Kurfürstendamm entdeckten Passanten am Samstagmorgen einen toten Mann, der vermutlich als Obdachloser nachts erfroren war.

Winterchaos in Bulgarien

In Bulgarien haben intensive Schneefälle, Stürme, Lawinen und Hochwasser zu Winterchaos geführt. Tausende Menschen mussten am Sonntag vielerorts ohne Strom auskommen. Grenzübergänge, Gebirgspässe und viele Landstraßen waren nach Schneestürmen nicht passierbar, wie die Straßenverkehrsbehörde mitteilte. Im Süden des Balkanlandes hatte es dagegen stark geregnet. Wegen Hochwassers wurde in Smoljan der Notstand ausgerufen.

In der Hauptstadt Sofia lag 40 Zentimeter Schnee auf den Straßen. Oberbürgermeisterin Jordanka Fandakowa bat die Menschen, auf Autofahrten zu verzichten. Schneeverwehungen behinderten die Fahrt auch auf mehreren Autobahnabschnitten. 200 Lastwagen konnten auf einer Fernstraße bei Wraza im Balkangebirge nicht mehr weiterfahren. Eine Lawine blockierte den Balkan-Pass Petrochan. Mehrere Personenzüge, etwa der von der Schwarzmeerstadt Warna nach Sofia, blieben im Schnee stecken.

Wegen des winterlichen Wetters ist die Zahl der täglich aus der Türkei ankommenden Migranten im Vergleich zum Vormonat deutlich zurückgegangen. Kamen im Dezember fast 3500 Menschen täglich, setzten nach Angaben des UN-Hilfswerks UNHCR in den ersten 13 Tagen des Jahres knapp 22.000 Schutzsuchende von der Türkei nach Griechenland über. Das sind im Durchschnitt fast 1700 täglich. 35 Prozent davon sind Minderjährige.

hei/dpa

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