Im Ausnahmezustand befindet sich bereits seit Tagen die Ostseeinsel Hiddensee: Von der im Eis eingeschlossenen Insel wurden am Dienstag Urlauber mit dem Hubschrauber ausgeflogen. Zuvor war ein letzter Versuch gescheitert, die Fahrrinne mit einem Eisbrecher zu öffnen. Die rund tausend Einwohner werden auch auf dem Luftweg mit Lebens- und Arzneimitteln versorgt.
Der Frost lässt das Eis auch in der Mecklenburgischen Seenplatte weiter wachsen. Auf dem größten See innerhalb Deutschlands, der Müritz, sind jetzt Eisstärken zwischen 22 Zentimeter in Waren und 26 Zentimeter in Sietow gemessen worden, sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts in Waren, Olaf Schatzki, am Dienstag. Das 117 Quadratkilometer große Gewässer ist seit rund einem Monat völlig zugefroren. "Wenn die Schneedecke nicht wäre, hätten wir wohl schon 40 Zentimeter dickes Eis", meinte Schatzki. Auch am Fleesensee seien bereits 21 Zentimeter Eisstärke gemessen worden.
Nach heftigen Schneefällen sind am Dienstag 50 innerdeutsche Flüge am Frankfurter Flughafen gestrichen worden. Zudem gab es Verspätungen, die aber kein größeres Ausmaß annahmen, wie der Flughafenbetreiber Fraport mitteilte. Täglich gibt es am größten deutschen Flughafen rund 1200 Flüge. Bei schlechter Sicht müssen die Piloten einen größeren Abstand einhalten, außerdem müssen die Flugzeuge bei niedrigen Temperaturen enteist werden. Bereits im Januar waren an mehreren Tagen Hunderte Flüge wegen des harten Winters ausgefallen.
Die Aussichten: Frostig und reichlich Neuschnee
Für die chaotischen Verhältnisse sorgt Tief "Miriam": Deutschlandweit bleibt es daher bei Schneefällen und heftigen Winden, die für schwere Schneeverwehungen sorgen können. "Wir haben die höchste Warnstufe in Nordrhein-Westfalen", sagte Meteomedia-Meteorologe Andreas Wagner SPIEGEL ONLINE. "Im Bergischen Land und im Hochsauerland liegen schon bis zu 50 Zentimeter Schnee." Am Dienstag seien bis zu 20 Zentimeter Neuschnee zu erwarten. Bei milder Luft werde der Niederschlag feucht und schwer.
Wagner warnt vor Schneebruch: "Äste können abreißen oder sogar Bäume umfallen. Es besteht erhöhte Gefahr von Dachlawinen. Bei Windstärke 8 bis 9, Sturmböen, wird es Schneeverwehungen geben. Das öffentliche Leben ist stark eingeschränkt."
Für den Osten Deutschlands sind Windwarnungen vorausgesagt. Tief "Miriam" sorge auch hier für starke Niederschläge und wie überall in höheren Lagen für Schneeverwehungen. Im Schwarzwald und auf dem Brocken könne der Wind bis zu hundert Kilometer schnell werden. "Das ist sehr gefährlich", warnte Wagner. "Im Laufe des Dienstags werden mildere Temperaturen im Westen aus Schnee Regen machen. Die Schneefallgrenze sinkt auf etwa 400 Meter."
Im Nordosten Schnee, im Westen Regen
Wo bereits Schnee liege, gebe es "eine große Matsche". In tieferen Lagen, wo der Schnee bereits getaut sei, führe der zu erwartende Regen zu Glatteis. Die Temperaturen im Westen liegen bei 2 bis 3 Grad, in der Osthälfte und im Süden null bis minus vier Grad.
Am Dienstagabend sei vor allem in Ost- und Norddeutschland wieder Schneefall zu erwarten. "Gerade da, wo es schon problematisch ist, an den Küsten, gibt es 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee", so Wagner. In Greifswald und Umgebung werde "eine rekordverdächtige Gesamtschneehöhe" erwartet.
Vor allem im Verkehr sei Vorsicht geboten: Im gesamten Bundesgebiet drohe die Gefahr von Schneeverwehungen. Vor allem Bundesstraßen könnten durch Schnee anliegender Felder innerhalb kürzester Zeit dicht verschneit sein.
Für die kommende Nacht sind laut Meteomedia an der Oder, in Sachsen, Thüringen und Teilen Bayerns heftige Schneefälle zu erwarten. In der Westhälfte sind demnach die Temperaturen vorübergehend mild, gebietsweise mit Regen, in der Nordhälfte gibt es Frost.
Das ist auch die Voraussage für die kommenden Tage: Im Nordosten kalt mit Schneefall, im Westen milder mit Regenfällen.
jjc/apn/dpa
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