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Hurrikan "Sandy": "Zerstörungen unvorstellbaren Ausmaßes"

Der öffentliche Verkehr ist zusammengebrochen, Teile New Yorks sind überflutet: Nur allmählich kehrt Leben zurück in die Straßen der Stadt. Hurrikan "Sandy" dürfte Zerstörungen von historischem Ausmaß verursacht haben; besonders dramatisch ist die Lage im Bundesstaat New Jersey, sagte Gouverneur Christie.

AP

New York - Es war vor einem Sturm der Superlative gewarnt worden, nun werden die Ausmaße seiner Zerstörungskraft allmählich messbar: Ersten Schätzungen zufolge beläuft sich die Schadenssumme auf zehn bis 20 Milliarden Dollar. Damit wäre "Sandy" eine der teuersten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA.

Millionen Menschen an der Ostküste der USA waren am Montagabend zu Bett gegangen, ohne zu wissen, wie die Welt vor ihren Fenstern am nächsten Tag aussehen würde. Wenn sie denn überhaupt Schlaf finden konnten: Gegen acht Uhr am Abend war das Zentrum von "Sandy" auf die Küste New Jerseys getroffen, es folgte eine extrem stürmische Nacht.

Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, zeigte sich bei einer Pressekonferenz schockiert über die Schäden in seinem Staat. "Das Ausmaß der Zerstörung an der Küste von New Jersey ist unvorstellbar", sagte er CNN. Die Behörden seien weit davon entfernt, den meisten Bewohnern die Rückkehr zu gestatten, sagte der Politiker.

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Die Überschwemmung zweier Städte in der Nacht sei durch eine Flutwelle verursacht worden, sagte Christie. Hunderte Menschen seien aus Moonachie und Little Ferry gerettet worden. Die Berichte von Behörden, wonach ein Damm gebrochen war, wies der Gouverneur als falsch zurück. Innerhalb von 45 Minuten waren die Straßen von Moonachie etwa 1,50 Meter hoch mit Wasser überflutet worden. Auch die Polizei- und Feuerwache wurden überschwemmt.

Nun ist der sich abschwächende Sturm ins Inland gezogen und hinterlässt Familien, die um tote Angehörige trauern. Viele Stadtteile und Tunnel sind überflutet. Umgestürzte Bäume behindern den Verkehr.

Ermunterung von Bürgermeister Bloomberg

Insgesamt sind mehr als acht Millionen Haushalte und Betriebe ohne Strom. Das New Yorker Verkehrsnetz ist so schwer getroffen worden wie noch nie durch einen Sturm. Die beiden größten Börsen der Welt, New York Stock Exchange und Nasdaq, bleiben erstmals seit 1985 wegen eines Unwetters geschlossen.

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Wirbelsturm "Sandy": Das Ausmaß der Zerstörung
Eine knapp vier Meter hohe Flutwelle traf den Süden des New Yorker Stadtteils Manhattan, noch immer stehen viele Straßen unter Wasser. Die Straßen sind zum Teil noch gespenstisch ruhig und das zu einer Zeit, in der normalerweise schon Zehntausende unterwegs sind. Brücken bleiben geschlossen, die Bahnen stehen still. Sieben U-Bahn-Röhren sind überschwemmt worden.

In der 108-jährigen Geschichte der Verkehrsbehörde MTA habe ein Sturm noch nie solche Zerstörungen verursacht, sagte MTA-Chef Joseph Lhota am frühen Morgen. "Wir sind dabei, das Ausmaß zu bemessen und machen uns daran, den Betrieb wieder hochzufahren." Wann der Verkehr aber wieder aufgenommen wird, konnte Lhota nicht sagen. Nach jüngsten Angaben wird es aber wohl noch vier bis fünf Tage dauern, bis die U-Bahnen wieder fahren. Am Dienstag sollten erste Busse verkehren, für Mittwoch ist geplant, alle Linien wieder zu bedienen.

Neben den Börsen bleiben auch Schulen und Flughäfen geschlossen, insgesamt sind rund 15.000 Flüge gestrichen worden. Und auch zahlreiche Rechenzentren waren betroffen. Dadurch wurden weltweit Internetseiten lahmgelegt. "Tausende, vielleicht sogar Zehntausende Websites jeder Größe und überall auf der Welt sind nicht aufrufbar", sagte ein Verantwortlicher eines europäischen Telekommunikationsunternehmens am Dienstag. In der Krisenregion liegen nach Angaben der Internetseite Datacentermap rund 150 Rechenzentren, in denen große Server untergebracht sind.

Obama erklärte Regionen zu Katastrophengebieten

New York erscheint an diesem Morgen wie ein gelähmter Riese. Bürgermeister Michael Bloomberg ermuntert die Bürger aber schon: Wer kann, möge heute wieder zur Arbeit geben. Allerdings waren in Manhattan nach Angaben des Betreibers Con Edison 230.000 Menschen ohne Strom. Laut Firmenchef John Miksad könnte es bis zu einer Woche dauern, bis die Stromversorgung wieder vollständig hergestellt ist. Einer der Gründe für die Stromausfälle in New York war die Explosion eines Umspannwerks im Osten von Manhattan.

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Wirbelsturm: "Sandy" sorgt für Chaos
US-Präsident Barack Obama erklärte derweil Teile der Staaten New York und New Jersey zu Katastrophengebieten. Mit dieser Maßnahme gebe die US-Regierung zusätzliche Hilfsgelder für betroffene Bürger sowie für Hilfsorganisationen, Firmen und lokale Behörden frei, teilte das Weiße Haus mit. Opfer des Wirbelsturms könnten finanzielle Hilfen für Reparaturen an ihren Häusern oder für die zeitweise Unterbringung außer Haus beantragen.

Das wird unter anderem Bewohner des Stadtteils Queens erleichtern: Dort war in einem überfluteten Gebiet ein Großbrand ausgebrochen, die Feuerwehr hat ihn inzwischen weitgehend unter Kontrolle gebracht. 80 bis 100 Häuser sind zerstört worden, es gab nur Leichtverletzte.

New York hat jedoch auch Tote zu beklagen: Ebenfalls in Queens starb ein 29-Jähriger, als ein Ast in sein Haus krachte, insgesamt starben in den USA nach jüngsten Erkenntnissen 39 Menschen in Folge des Sturms. Die Toten wurden aus New Jersey, New York, Maryland, North Carolina, West Virginia, Pennsylvania und Connecticut gemeldet, darunter auch drei Kinder.

Alarm im ältesten Atommeiler der USA

Auch in Washington kommt das öffentliche Leben nur ganz allmählich wieder in Gang. In der Hauptstadt sind U-Bahnen, Busse und andere öffentliche Verkehrsmittel weiterhin außer Betrieb. Zunächst müssten Einsatzteams das Ausmaß des Schadens ermitteln, heißt es von der Verkehrsbehörde. Die Bundesbehörden, die Stadtverwaltung sowie die meisten Schulen bleiben am Dienstag geschlossen.

Allerdings hielt sich der Schaden in Washington nach ersten Erkenntnissen in Grenzen. Das Wetteramt kündigte für die Hauptstadt und Umgebung abflauende Böen und vereinzelt Schneefall an.

Für Verunsicherung sorgten dagegen Meldungen zu mehreren Atomkraftwerken, eines davon das älteste der USA, Oyster Creek in New Jersey. Wegen eines bedrohlich ansteigenden Wasserspiegels wurde für Oyster Creek ein Alarm ausgerufen, es wurde vom Netz genommen. Nach offiziellen Angaben sind aber alle US-Atomkraftwerke weiterhin in einem sicheren Zustand.

"Sandy" zog weiter gen Nordwesten. Das führte in Teilen des US-Staats West Virginia und der benachbarten Appalachen zu starkem Schneefall und Sturmböen. Für die betroffenen Gebiete wurde bis Mittwochnachmittag eine Blizzardwarnung ausgegeben, wie die Behörden am Dienstag mitteilten. Mehr als 205.000 Menschen waren in West Virginia ohne Strom. In niedrig gelegenen Ebenen wurden 30 Zentimeter Schnee gemeldet. Die Behörden sperrten einen mehr als 72 Kilometer langen Abschnitt einer Autobahnverbindung zwischen West Virginia und Maryland.

bim/dpa/Reuters/AP/AFP

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1. Üble Sache
HolyGhost 30.10.2012
Zitat von sysopAPDer öffentliche Verkehr ist zusammengebrochen, Teile New Yorks sind überflutet: Nur allmählich kehrt Leben zurück in die Straßen der Stadt. Der Sturm "Sandy" dürfte Zerstörungen von historischem Ausmaß verursacht haben - und sorgt nun in weiteren Regionen für Stromausfälle und Blizzardwarnungen. http://www.spiegel.de/panorama/wirbelsturm-sandy-ausmasse-der-zerstoerungen-in-new-york-a-864307.html
Man kann den Betroffenen nur wünschen, dass die Wahlkampfshow hinter der nötigen Hilfe zurückstehen wird. Andererseits könnte Mr. Romney ja bestimmt ein paar Milliönchen locker machen. Ich befürchte aber, diejenigen die am meisten unter den Folgen dieser Katastrophe zu leiden haben, gehören ohnehin nicht zu seiner Klientel.
2. Sandy
Nachtheinigte 30.10.2012
Zitat von sysopAPDer öffentliche Verkehr ist zusammengebrochen, Teile New Yorks sind überflutet: Nur allmählich kehrt Leben zurück in die Straßen der Stadt. Der Sturm "Sandy" dürfte Zerstörungen von historischem Ausmaß verursacht haben - und sorgt nun in weiteren Regionen für Stromausfälle und Blizzardwarnungen. http://www.spiegel.de/panorama/wirbelsturm-sandy-ausmasse-der-zerstoerungen-in-new-york-a-864307.html
Hoffentlich macht Obama mehr als Bush vor Jahren, die Menschen müssen es wieder aushalten, unsere Solidarität gehört ihnen. Die Öffentlichen Anlagen sind veraltet und marode, viele Jahre wurde nichts oder zu wenig gemacht, die Russen wurden mit Erfolg totgerüstet, doch man sieht an den USA ist das Wettrüsten auch nicht spurlos vorbeigegangen !
3. New York New York New York
felisconcolor 30.10.2012
Zitat von sysopAPDer öffentliche Verkehr ist zusammengebrochen, Teile New Yorks sind überflutet: Nur allmählich kehrt Leben zurück in die Straßen der Stadt. Der Sturm "Sandy" dürfte Zerstörungen von historischem Ausmaß verursacht haben - und sorgt nun in weiteren Regionen für Stromausfälle und Blizzardwarnungen. http://www.spiegel.de/panorama/wirbelsturm-sandy-ausmasse-der-zerstoerungen-in-new-york-a-864307.html
wenn ich mir die Karte anschaue, dann dürfte von Philadelphia wohl nichts übrig geblieben sein. Oder berichtet man hier nicht von Philadelphia weil es keine Sau kennt.
4. wie oft....
magetasalex 30.10.2012
Zitat von NachtheinigteHoffentlich macht Obama mehr als Bush vor Jahren, die Menschen müssen es wieder aushalten, unsere Solidarität gehört ihnen. Die Öffentlichen Anlagen sind veraltet und marode, viele Jahre wurde nichts oder zu wenig gemacht, die Russen wurden mit Erfolg totgerüstet, doch man sieht an den USA ist das Wettrüsten auch nicht spurlos vorbeigegangen !
Interessant, wie oft bei Bildunterschriften die Uferseite von Manhatten mit der Uferseite Brooklyns verwechselt wird und umgekehrt.
5. nicht leugnen
linkslibero 30.10.2012
Experten sind der Auffassung, daß die Heftigkeit von "Sandy" nicht in erster Linie, aber vermutlich auch mit dem Klimawandel zu tun hat. Da wäre es dann wohl besser, Obama wiederzuwählen, der den Klimawandel im Gegensatz zu den Republikanern wenigstens nicht leugnet, auch wenn er bislang noch nicht allzuviel Engagement im Kampf gegen den Klimawandel gezeigt hat.
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Das Rezept des Supersturms

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Jahrhundertsturm: "Sandy" wütet an der US-Ostküste
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Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.

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