Sturmschäden durch "Sandy" Stätten der Zerstörung

In den USA beginnt nach Hurrikan "Sandy" das große Aufräumen, Milliardenschäden müssen behoben werden. Der Wirbelsturm schlug von der Karibik bis New Jersey, von Philadelphia bis West Virginia eine Schneise der Zerstörung. Wie sieht es in den betroffenen Regionen aus? Ein Überblick.

AP/ The Virginian-Pilot

Hamburg - In New York beginnt das große Aufräumen nach den Verheerungen durch Wirbelsturm "Sandy": Schlamm muss weggeschaufelt, Leitungen müssen geflickt und Wasser muss abgepumpt werden. An Amerikas Ostküste sind Wohnviertel überflutet, Straßen zerstört. Millionen Menschen, die sich erst wegduckten, berappeln sich nun allmählich und machen sich daran, in den Alltag zurückzukehren.

Über New York schien am Mittwochmorgen die Sonne, die Börsen nahmen den Handel wieder auf, die Flughäfen Newark und JFK sind wieder geöffnet. Trotzdem: Bis die Subway wieder nach Plan fährt, bis alle Gebäude in Manhattan wieder mit Strom versorgt sind, wird es noch dauern.

Doch wie sieht es in den anderen Regionen aus? Ein Überblick in Text und Bildern über die Gebiete, die "Sandy" heimsuchte.

Atlantic City

Präsident Barack Obama wird am Mittwoch in Atlantic City erwartet, er will das Ausmaß der Zerstörungen persönlich in Augenschein nehmen, denn das ist kaum irgendwo sonst so groß. "Sandy" erreichte die US-Ostküste am Montagabend, 70 bis 80 Prozent der Stadt waren am Dienstagmorgen nach Behördenangaben unter Wasser, 13.600 Menschen waren ohne Strom. Es kam vielerorts zu Plünderungen. Tote gab es aber nach bisherigen Erkenntnissen nicht.

Und hier ließen manche Politiker ihre Feindschaften auch nicht ruhen: Der republikanische Gouverneur Chris Christie, zuvor durch ein überschwängliches Lob an Obama aufgefallen, warf dem demokratischen Bürgermeister Lorenzo Langford vor, unklare Ansagen zu den Evakuierungsplänen gemacht zu haben. Langford giftete zurück, Christie spiele sich nur auf.

Viele der Casinos von Atlantic City blieben von schweren Schäden verschont, sie sollen schon bald wieder geöffnet werden. Bei anderen wurden die Dächer abgedeckt, es entstanden Wasserschäden. Davon profitierten viele Kneipen: Touristen, die zum Spielen gekommen waren, verlegten sich aufs Trinken.

An der Küstenlinie nördlich von Atlantic City sorgte "Sandy" stellenweise für Verwüstungen: Boote wurden aufs Land gespült, Promenaden zerstört, Straßen verschwanden unter hohen Sandbergen.

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"Sandy" in Atlantic City: Größtenteils unter Wasser

Norden von New Jersey

Im Norden des Bundesstaates New Jersey sind Überschwemmungen das größte Problem. In die Region zwischen Newark und Hackensack, die westlich von New York City liegt, wurden enorme Wassermassen gedrückt. Das Wasser gelangte vom Ozean über die Bucht von Newark in den Fluss Hackensack, überflutete die sogenannten Meadowlands und mehrere dort gelegene Orte.

In Moonachie hatten die Menschen zunächst noch gedacht, "Sandy" habe sie weitgehend verschont, doch dann brach am Dienstag ein Damm. Innerhalb von 45 Minuten waren die Straßen laut Polizei etwa 1,50 Meter hoch mit Wasser überflutet. An manchen Stellen des 2700-Einwohner-Ortes stand das Wasser noch höher. Rettungskräfte versuchten, mit Booten zu festsitzenden Bürgern vorzudringen. Feuerwehr und Nationalgarde sind im Einsatz.

Kurz nach Moonachie wurde Hoboken von den Wassermassen erwischt, die 50.000-Einwohner-Stadt wurde laut "Washington Post" fast zur Hälfte überflutet. Mitglieder der Nationalgarde rückten am Dienstag mit Spezialwagen an, evakuierten Anwohner und brachten Vorräte. Nun helfen sie, Wasser aus den Häusern zu pumpen.

Am Abend wurde es fast pechschwarz in Hoboken. Rund 2,1 Millionen Haushalte und Geschäfte sind in New Jersey immer noch ohne Strom, da der Sturm und umstürzende Bäume die Leitungen beschädigt haben. In den beiden größten Städten des Bundesstaates, in Newark und Jersey City, sind die Ampeln ausgefallen. Es kam zu mehreren Unfällen. In einigen Supermärkten stehen die Menschen Schlange, um Brot zu kaufen. Insgesamt starben nach bisherigen Angaben sechs Menschen im Bundesstaat New Jersey.

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"Sandy" im Norden New Jerseys: Nach dem Sturm kam die Flut
Connecticut

Im kleinen Küstenstaat Connecticut kamen offiziellen Angaben zufolge drei Personen ums Leben. Rund 360.000 Einwohner in 30 Städten waren gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Am Dienstag hatten die Bundesbehörden laut Gouverneur Dannel Malloy vier Küstenbezirke zum Katastrophengebiet erklärt.

In East Haven verwüstete "Sandy" ein halbes Dutzend Häuser. Der Küstenort war im vergangenen Jahr bereits von Hurrikan "Irene" schwer beschädigt worden. Der Wasserpegel liegt laut Bürgermeister Joseph Maturo 30 bis 60 Zentimeter über dem Stand, der bei "Irene" erreicht wurde. In Milford wurden laut Feuerwehr mehr als 30 Häuser zerstört. Die Gezeiten erschwerten den Anwohnern die Rückkehr. Laut Feuerwehr mussten Straßen geschlossen werden, als die Flut kam.

In Fairfield konnten die Einwohner viele Häuser laut Boston.com nur mit Kanus und Kajaks erreichen. Einem Gemeindesprecher zufolge wurden fünf oder sechs Häuser komplett zerstört, viele andere sind vorerst nicht bewohnbar. Einwohner pumpen Wasser aus den Häusern. Es könnte zum Teil Wochen dauern, bis die Menschen wieder in ihre Wohnungen zurück können.

Trotz der erheblichen Schäden herrschte vielerorts in Connecticut Dankbarkeit, nicht schwerer von "Sandy" getroffen worden zu sein - insbesondere angesichts der Verwüstungen im nahe gelegenen New York und in New Jersey. "Wir sind gesegnet", sagte eine Einwohnerin von Bridgeport, deren Garage überschwemmt worden war.

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"Sandy" in Connecticut: Ähnlich schlimm wie "Irene"
Philadelphia

Philadelphia war in Erwartung des Sturms stillgestanden: Busse, Züge und U-Bahnen fuhren nicht, lag die Metropole doch auf der prognostizierten Route von "Sandy". Doch in Philly, wie die Stadt von vielen genannt wird, verlief das Unwetter glimpflich. Der Verkehr wurde schon am Dienstag wieder aufgenommen, am Mittwoch sollte alles wieder nach Plan fahren.

In Vororten musste allerdings die Nationalgarde patrouillieren, weil Anwohner von Plünderungen berichtet hatten. In vielen Orten war der Strom ausgefallen, Alarmanlagen funktionierten nicht. Insgesamt waren in der Region rund um Philadelphia rund 850.000 Haushalte und Unternehmen ohne Strom. Es gab einige Verletzte, meist wurden sie von herunterfallenden Ästen getroffen. Nach einem Bericht des "Philadelphia Inquirer" blieben selbst Gegenden von Überschwemmungen verschont, die bei Unwettern sonst häufig unter Wasser stehen.

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"Sandy" in Philadelphia: Weniger Zerstörungen als befürchtet
West Virginia

Andere Regionen müssen "Sandy" noch überstehen: Der Sturm zog in abgeschwächter Form weiter ins Landesinnere und führte zu einem Wintereinbruch in den Bundesstaaten West Virginia, Pennsylvania, Tennessee, Maryland und Ohio. Vor allem in den Höhenlagen der Appalachen in West Virginia brachte er bis zu einem Meter Schnee. Bäume stürzten unter der Last um und rissen Stromleitungen mit sich. Mehr als 250.000 Menschen waren zeitweise ohne Strom.

Inmitten der Verwüstungen bescherte "Sandy" den Skigebieten einen Lichtblick: Die Schneekanonen am Snowshoe Mountain in West Virginia liefen auf Hochtouren - und sorgten in Kombination mit den frostigen Temperaturen für eine bis zu 75 Zentimeter dicke Schneedecke. Per Telefon und E-Mail erreichten das Skigebiet unzählige Anfragen von Skifahrern und Snowboardern, ob die Pisten am Wochenende geöffnet würden, sagte Marketing-Direktor Dave Dekema. Dies sei allerdings unwahrscheinlich, er mahnte noch zu Geduld.

Derzeit peitscht "Sandy" den Lake Michigan im Norden der USA auf. Nach Berechnungen der Meteorologen soll der Wirbelsturm an diesem Mittwoch auch Kanada bedrohen.

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"Sandy" in West Virginia: Heftiger Wintereinbruch

Karibik

Bevor "Sandy" die USA traf, war der Hurrikan in der vergangenen Woche durch die Karibik gezogen und hatte dort übel gewütet. Die Aufräumarbeiten dürften noch Wochen dauern. In der Region starben mindestens 69 Menschen infolge des Sturms.

In einigen Gebieten von Haiti wurden Behördenangaben zufolge rund 70 Prozent der Ernten zerstört. Wie die BBC berichtet, droht nun vor allem im Süden des Landes Nahrungsknappheit. Auch ein Anstieg von Cholera-Erkrankungen in den überfluteten Gebieten werde befürchtet. In Haiti wurden die Häuser von 200.000 Menschen beschädigt, 400.000 Einwohner leben nach dem gewaltigen Erdbeben vom Januar 2010 noch immer in Notunterkünften.

In der Dominikanischen Republik wurden knapp 30.000 Menschen vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht. In Kuba beschädigte "Sandy" 130.000 Häuser und verwüstete 15.000 Gebäude völlig. Die Regierung von Jamaika bezifferte die Höhe der Schäden im eigenen Land vorläufig auf 16,5 Millionen Dollar. Auch hier wurden Ernten zerstört.

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"Sandy" in der Karibik: Haiti, Kuba und Jamaika schwer getroffen

bim/wit/siu/ulz/Reuters/dpa/AP/AFP/dapd

insgesamt 22 Beiträge
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inqui 31.10.2012
1. Hurrikan Sandy
Zitat von sysopAP/ The Virginian-PilotIn den USA beginnt nach Hurrikan "Sandy" das große Aufräumen, Milliardenschäden müssen behoben werden. Der Wirbelsturm schlug von der Karibik bis New Jersey, von Philadelphia bis West Virginia eine Schneise der Zerstörung. Wie sieht es in den betroffenen Regionen aus? Ein Überblick. http://www.spiegel.de/panorama/wirbelsturm-sandy-ueberblick-ueber-die-zerstoerungen-a-864495.html
hinterläßt vor allen Dingen eine Schneise hysterischer Liveticker und dramatischen Schlagzeilen Der Postillon: Hurrikan "Sandy" hinterlässt Schneise panischer Liveticker und hysterischer Schlagzeilen (http://www.der-postillon.com/2012/10/hurrikan-sandy-hinterlasst-schneise.html#more)
jbraun 31.10.2012
2. Ok...
Zitat von sysopAP/ The Virginian-PilotIn den USA beginnt nach Hurrikan "Sandy" das große Aufräumen, Milliardenschäden müssen behoben werden. Der Wirbelsturm schlug von der Karibik bis New Jersey, von Philadelphia bis West Virginia eine Schneise der Zerstörung. Wie sieht es in den betroffenen Regionen aus? Ein Überblick. http://www.spiegel.de/panorama/wirbelsturm-sandy-ueberblick-ueber-die-zerstoerungen-a-864495.html
...es ist nun genug. Ich lebe in den Staaten und hier wird ja nicht mal soviel über "Sandy" geschrieben...das wird schon wieder, da braucht man sich keine Sorgen zu machen.
Werner655 31.10.2012
3. Flaute?
Zitat von sysopAP/ The Virginian-PilotIn den USA beginnt nach Hurrikan "Sandy" das große Aufräumen, Milliardenschäden müssen behoben werden. Der Wirbelsturm schlug von der Karibik bis New Jersey, von Philadelphia bis West Virginia eine Schneise der Zerstörung. Wie sieht es in den betroffenen Regionen aus? Ein Überblick. http://www.spiegel.de/panorama/wirbelsturm-sandy-ueberblick-ueber-die-zerstoerungen-a-864495.html
Ich war schon überrascht, dass die Steuer-Mehreinnahmen "Sandy" den Rang abgelaufen hatte. Doch keine dreissig Minuten später rangiert der Übersee-Sturm wieder als Aufmacher von SpOn. Wie lange eigentlich noch? Gibt es nichts Wichtigeres? Oder müssen die Börsenfachleute nach der Schließung von Wallstreet beschäftigt werden?
spiegelwelt 31.10.2012
4.
Jetzt sieht die Wirklichkeit aus wie die iOS5-Map.
Werner655 31.10.2012
5. bim/wit/siu/ulz/Reuters/dpa/AP/AFP/dapd
Zitat von jbraun...es ist nun genug. Ich lebe in den Staaten und hier wird ja nicht mal soviel über "Sandy" geschrieben...das wird schon wieder, da braucht man sich keine Sorgen zu machen.
Seien Sie doch kein Spielverderber! Sie sind ja eine richtige "Spaßbremse":-) Nichts ist so wichtig wie Sandy! Warum wohl? Viele fleissige Lieschen haben uns erneut berichtet. (bim/wit/siu/ulz/Reuters/dpa/AP/AFP/dapd) Ein Hoch auf Sandy...
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