Witz über Rassengesetze WDR setzt Zusammenarbeit mit "Zimmer frei"-Reporter aus

Erst Eva Herman, jetzt Manes Meckenstock: Erneut trennt sich die ARD wegen eines Verbalausfalls von einem Mitarbeiter. Der WDR setzt die Zusammenarbeit mit "Zimmer frei"-Reporter Meckenstock aus. Er hatte einen Witz über die Nürnberger Rassengesetze gemacht.


Köln - Moderator Manes Meckenstock, 46, hatte in seiner Radio-Show "Kuckuck" bei dem privaten Lokalsender über die Viva-Moderatorin gewitzelt: "Wenn ich Gülcan sehe, dann bedaure ich, dass es die Nürnberger Rassengesetze nicht mehr gibt."

Der WDR zieht jetzt die Konsequenzen. Manes Meckenstock wird "bis auf weiteres" nicht mehr als Außenreporter der Sendung "Zimmer frei" eingesetzt. "Der WDR wird Manes Meckenstock bis auf weiteres eine Auszeit verordnen", sagte Sendersprecherin Annette Metzinger SPIEGEL ONLINE. "Meckenstock hat seinen Fehler ohne Wenn und Aber eingestanden, ihn bereut und sich dafür auch öffentlich entschuldigt. Trotzdem bleibt bestehen, dass die Äußerungen inakzeptabel sind und ein Einsatz im Programm des WDR ein falsches bzw. missverständliches Signal wäre. Wir sehen seine Äußerungen als so schwerwiegend an, dass wir bis auf weiteres auf seinen Einsatz verzichten möchten."

Der Düsseldorfer Komiker hatte seine Äußerung über die Rassengesetze bedauert: "Es tut mir aufrichtig leid! Über Antenne Düsseldorf habe ich mich öffentlich entschuldigt und als Konsequenz meines Fehlers meine Radiosendung 'Kuckuck', die ich zehn Jahre lang mit Herzblut moderiert habe, abgegeben", verkündet der gelernte Friseur auf seiner Internetseite. "Nationalsozialistisches Denken ist mir fremd, und ich lehne es ausdrücklich ab!"

Der Düsseldorfer Radiosender und Meckenstock hätten sich "im gegenseitigen Einvernehmen" getrennt, sagte Meckenstocks Management SPIEGEL ONLINE. Meckenstock selbst wollte sich nicht äußern.

Einen Vergleich mit Eva Herman wehrt der WDR ab

Am 9. September war die Moderatorin Eva Herman nach umstrittenen Äußerungen über die Familienpolitik der NS-Zeit vom NDR gefeuert worden - nach fast 20 Jahren Senderzugehörigkeit. "Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin", hatte Fernsehprogrammdirektor Volker Herres damals erklärt. Herman hatte sich Teilnehmern zufolge bei der Vorstellung ihres neuen Buches über die Wertschätzung der Mütter und Familien auch im Nationalsozialismus und über die Abschaffung solcher Werte in der 68er Bewegung ausgelassen.

Einen Vergleich zwischen Herman und Meckenstock wehrt der WDR ab. "Die jeweiligen Einzelfälle sind so nicht vergleichbar. Manes Meckenstock spielt als einer von mehreren Außenreportern keineswegs eine programmprägende Rolle. Er ist kein WDR-Mitarbeiter, sondern ein freier Kabarettist, der für eine WDR-Produktion Einspielfilme herstellt", sagte Metzinger. Seinen Job bei "Zimmer frei" ist er trotzdem los.

Auch etliche US-Talker sind durch rassistische Witze aufgefallen: Shock Jocks, Radiomoderatoren, die bepöbeln, provozieren - und eben schockieren. Langsam pirschen sie sich an eine Grenze der Geschmacklosigkeit heran, um dann im hohen Bogen darüber zu fliegen. Beispiel: Don Imus. Ausgerechnet der US-Radiotalker, dessen Popularität auf Beschimpfungen von Schwarzen, Juden, Frauen und Homosexuellen basiert. CBS und MSNBC feuerten den 66-Jährigen im Mai, weil er das überwiegend schwarze Basketball-Damenteam der Rutgers University als "krausköpfige Huren" beschimpft hatte.

Die Wortwahl "Nappy-headed hos" war ein Rückfall in die Sprache von Segregation und Sklavenhaltung: abwertend und widerlich. Rassistische Bemerkungen werden in den USA von der Funkaufsichtsbehörde FCC hart geahndet: Auch Morton Downey Jr. und Doug Tracht wurden deswegen vor Jahren entlassen.

Don Imus' Erzrivale Howard Stern mutierte ebenfalls zu einer Ikone in der Radiolandschaft, weil es in seinen provokanten, obszönen Talkshows nur um das eine ging: um Sex in allen möglichen Varianten und Praktiken.

Doch auch er stolperte und wurde vom Sender genommen, nachdem er Rick Salomon, Ex-Lover der Hotelerbin Paris Hilton, interviewt hatte. Der hatte ein schlecht ausgeleuchtetes Pornofilmchen zum Kauf angeboten, das ihn mit Hilton zeigte.

"Have you ever banged a famous nigger chick?"

Moderator Stern fragte Salomon detailliert nach seinen Erfahrungen mit Paris Hilton aus, wollte dann wissen: "Have you ever banged a famous nigger chick?" ("Hast Du jemals eine berühmte Negerbraut gehabt?").

John Hogan, Vorstandsmitglied von "Clear Channel" und zuständig für Betrieb und Inhalt von rund 1200 lokalen Rundfunkstationen, äußerte sich nach Sterns Aussetzer entsetzt: Das sei "vulgär, beleidigend und verletzend nicht nur für Frauen und Afro-Amerikaner, sondern für alle, die noch eine Vorstellung von Anstand" hätten.

Die beiden Radiomoderatoren Gregg "Opie" Hughes und Anthony Cumia verloren im August 2002 ihren Job beim Sender WNEW-FM, weil sie die Hörer dazu aufgefordert hatten, an öffentlichen und besonders auffallenden Plätzen New Yorks Sex zu haben. Auf einer Liste hatten sie 54 Orte vorgeschlagen.

Vier Jahre zuvor waren die beiden schon einmal im hohen Bogen aus einem Bostoner Sender geflogen, weil sie sich zum 1. April einen geschmacklosen Aprilscherz ausgedacht und gemeldet hatten, der Bürgermeister der Stadt sei bei einem Autounfall getötet worden.

Ein ähnlicher makaberer Scherz wurde auch Keith Kramer und Tony Longo zum Verhängnis: Die beiden Moderatoren des Rocksenders "KEGL-FM" in Dallas fanden es komisch, den Tod von Britney Spears zu vermelden. Die Popsängerin sei bei einem Unfall ums Leben gekommen, ihr damaliger Freund Justin Timberlake sei verletzt und liege im Koma. Keinen Tag später wurden die beiden gefeuert - fristlos.

Gipfel der Geschmacklosigkeit: "Du sollst Aids kriegen!"

Michael Savage wurde im September 2003 bei MSNBC, einem US-Nachrichtensender im Kabel, der der General-Electric-Tochter NBC und dem Softwaregiganten Microsoft gehört, entlassen, weil er diskriminierende Witze über Homosexuelle machte, einen Hörer als "Sodomisten" beschimpfte und ihm wünschte, er solle an Aids erkranken und sterben. Dass er sich dafür auf seiner Website mit den Worten "Diese Bemerkung sollte nicht das wiedergeben, was ich über die schreckliche Tragödie und das Leiden Aids denke" entschuldigte, machte die Sache nicht besser.

In die unterste Schublade greifen - das hatte den Moderator, der Schwarze, Moslems, Obdachlose, Frauen, Schwule, Bürgerrechtler und Pazifisten aufs Übelste bepöbelte, berühmt gemacht. Er beleidigte prominente Juden wie Joe Lieberman und Barbara Streisand und paraphrasierte Hermann Göring mit: "Wenn ich höre, dass sich jemand für Bürgerrechte engagiert, entsichere ich mein Sturmgewehr."

Mit solchen Geschmacklosigkeiten brachte es Savage zu einem der beliebtesten Radiomoderatoren Amerikas neben Howard Stern, Rush Limbaugh und Laura Schlessinger. Letztere, eigentlich Sportlehrerin, mogelte sich einfach eine Promotion in den Lebenslauf und behelligte als selbst ernannte "Doktor" Schlessinger die Radiolandschaft mit Lebenshilfe und sonstigen niveaulosen Tipps.

Elmar Hörig witzelte übel über Homosexuelle

Den deutschen Moderator Elmar Hörig kostete ein homosexuellenfeindlicher Witz den Job als freier Mitarbeiter beim SWR. In einem Interview mit "Bunte" sagte er nach dem Rauswurf: "Es gab diese Nachricht von einer Sonderaktion der Bundesbahn für homosexuelle Paare. Da hab ich gesagt: "Warme Wochen bei der Bahn. Das ist gut, da muss man die Züge in Zukunft nicht mehr heizen. Und der Satz: 'Beim Ticketschalter bitte hinten anstellen!' kriegt eine völlig neue Bedeutung." Er habe diese Bemerkung an einem Sonntagnachmittag um 16 Uhr über den Äther gerufen - und am Montag um 9 Uhr wurde er gefeuert. Er soll eine Abfindung von fast 100.000 Mark erhalten haben.

NDR-Reporter Bernd von Geldern hatte bei der Live-Übertragung über den Wolfsburger Fußballprofi Marcelinho gesagt: "Er hat wohl auch kein Geld mehr, wie man hört, alles versoffen!" Daraufhin wurde der Radiokommentator bis auf weiteres von der Bundesliga-Berichterstattung freigestellt. Solche "sprachlichen Entgleisungen" seien mit den Qualitätsstandards des Senders nicht zu vereinbaren, erklärte daraufhin NDR-Sprecher Martin Gartzke.

Radiofiesling Howard Stern moderiert heute beim Satellitenfunk, der in den USA nicht der Funkaufsichtsbehörde FCC unterliegt. Hier bestimmen die Zuhörer, was der Moderator sagen darf und was nicht. Und unter einem FCC-freien Dach hat die Geschmacklosigkeit keine Grenzen.



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