Großbrauerei als Sponsor Betrunkene Fans machen Fifa Sorge

Die Fifa wird von einer Großbrauerei gesponsert - und erzwang für die WM eine Ausnahme vom Verkaufsverbot für Alkohol in brasilianischen Stadien. Nun sorgt sich der Verband wegen betrunkener Fans und erwägt Kontrollen des Ausschanks.

Fifa-Funktionär Valcke: Erschüttert über Zahl betrunkener Fans
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Fifa-Funktionär Valcke: Erschüttert über Zahl betrunkener Fans


Rio de Janeiro - Jérôme Valcke ist besorgt. Dem brasilianischen Sender SportTV sagte der Fifa-Generalsekretär, ihn habe die große Zahl der zum Teil schwer betrunkenen Fans bei der WM erschüttert und beunruhigt. Ein erhöhter Konsum von Alkohol könne zu mehr Gewalt führen, sagte Valcke.

Die Fifa könne deshalb aus Sicherheitsgründen beschließen, den Verkauf von Bier in den zwölf WM-Stadien zu beschränken, selbst wenn dies mit Schwierigkeiten verbunden sein könnte. "Wenn wir denken, dass es notwendig ist, Alkoholverkauf zu kontrollieren, werden wir ihn kontrollieren", sagte Valcke. Bei vorherigen WM-Turnieren sei Bierverkauf in Stadien nie ein Problem gewesen.

Valckes Sorge verwundert - dass Betrunkene beim Fußball zum Problem werden können, sollte auch der Fifa bekannt sein. Seltsam muten Valckes Worte aber vor allem deswegen an, weil der Verband sich den Ärger mit alkoholisierten Fans leicht hätte ersparen können. Denn normalerweise ist Alkohol in brasilianischen Sportstätten verboten. 2003 wurde ein entsprechendes Gesetz erlassen, es sollte Gewalt rivalisierender Fangruppen eindämmen.

Das Verbot hätte auch für die WM gegolten - wenn nicht die Fifa eine Ausnahme erzwungen hätte, gegen den Willen des brasilianischen Gesundheitsministeriums. Die Großbrauerei Anheuser-Busch InBev ist einer der Sponsoren des Verbandes, sie stellt unter anderem Bier der Marke Budweiser her.

Valcke höchstpersönlich hatte vor der WM gesagt, der Verkauf von Bier in Stadien sei für die Fifa nicht verhandelbar. "Alkoholische Getränke sind Teil der WM, und wir werden sie haben." Es müsse gesetzlich geregelt sein, dass die Fifa das Recht habe, Bier zu verkaufen (Valckes Aussage findet sich in diesem Video bei 5:10 Minuten).

Viele brasilianische Abgeordnete sträubten sich, Alkohol wurde zu einem der Hauptstreitpunkte zwischen dem Land und der Fifa. 2012 stimmte Brasiliens Senat der bald als "Budweiser Bill" veräppelten Ausnahme dann doch zu.

Der Bierausschank in Stadien hatte bereits bei der WM 2006 in Deutschland für Ärger gesorgt. Viele deutsche Brauereien und Fans wollten nicht hinnehmen, dass nur das Bier einer US-Brauerei zu kaufen sein sollte. Doch letztlich mussten sie sich damit abfinden. Interessant dürfte die Sache auch im Jahr 2022 werden. Dann findet die WM in Katar statt. Dort ist Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit generell verboten.

ulz/AFP/AP

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