Wolfgang Joop Kein Bedauern über Verlust des World Trade Center

Modemacher Wolfgang Joop hat sich in einem Interview zur aktuellen Weltlage geäußert. Der erfolgreiche Kapitalist sagte darin: "Ich bedaure nicht, dass das Symbol der Twin Towers nicht mehr steht, weil sie kapitalistische Arroganz symbolisierten."


Joop: Modemacher gegen kapitalistische Arroganz
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Joop: Modemacher gegen kapitalistische Arroganz

Hamburg - Es sollte ein Interview über die Prêt-à-porter-Shows in Paris werden. Dabei beließ es Joop nicht. Er übte sich in Kapitalismuskritik und äußerte sich zum Anschlag auf das World Trade Center in New York. Zu den Angriffen der Alliierten auf Afghanistan sagte Joop: "Ich könnte jeden Tag über dieses schöne, stolze Volk weinen, das jetzt Opfer eines solchen Genozids wird." Seit Jahrzehnten finde dort ein "Völkermord" sowohl von innen als auch von außen statt.

Dann sagte Joop in dem Interview mit dem österreichischen Magazin "Profil" den Satz, der die "Bild"-Zeitung zu der Überschrift veranlasste: "Modeschöpfer Wolfgang Joop beleidigt die Opfer des Anschlags von New York". Joop sagte im "Profil"-Interview: "Ich bedaure nicht, dass das Symbol der Twin Towers nicht mehr steht, weil sie kapitalistische Arroganz symbolisierten."

Der teilweise in New York lebende Deutsche fügte hinzu: "Aber natürlich bin ich gegen jede Art von Mord, Gewalt, Terror und Zerstörung." Er liebe die Stadt New York, auch wenn sie wie der Rest der Vereinigten Staaten zwei Seiten in sich vereine: "Amerika, das bedeutet neben Freiheit auch Selbstherrlichkeit und Arroganz." Die teilweise gewalttätigen Proteste gegen die Globalisierung seien daher "eigentlich Proteste gegen eine weltweite Amerikanisierung".

Hat Joop tatsächlich, wie "Bild" meint, die Opfer des Anschlags beleidigt? Es lässt sich aus einem Nicht-Bedauern zwar leicht ein Akzeptieren ableiten, doch es gilt präzise zu lesen. Joops Nicht-Bedauern bezog sich offenbar nicht auf die Twin Towers selber. Er sprach vom "Symbol der Twin Towers". Damit hat der Modeschöpfer offenbar keine faktisch-materiale, sondern eine semiotische Aussage gemacht.

Es löst allerdings Erstaunen aus, angesichts der Anschläge von New York und Washington die Gesetzmäßigkeiten eines Marktes zu kritisieren, die allein auch das Jet-Set-Leben des Multi-Millionärs Joop ermöglichen.



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