Antisemitismus bei Katholiken Bischof erzürnt über Judenwitze im Priesterseminar

Sie machten Witze über Juden, auch der Vorwurf einer Feier am Geburtstag von Adolf Hitler steht im Raum: Mehrere Studenten haben das Würzburger Priesterseminar in Verruf gebracht. Der örtliche Bischof droht jetzt mit Konsequenzen.

Von , München

Bischof Hofmann: "Gegebenenfalls Konsequenzen ziehen"
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Bischof Hofmann: "Gegebenenfalls Konsequenzen ziehen"


Ein "frohes und gesegnetes Sommersemester" sollte es werden, so hatte es das Würzburger Priesterseminar erst vor wenigen Wochen seinen jungen Theologen gewünscht. Aber mit dem Frieden in dem geschichtsträchtigen Haus im Zentrum der Universitätsstadt ist es vorerst dahin. "Wir haben das Gefühl, vor einem Abgrund zu stehen", sagt Herbert Baumann, Regens des Priesterseminars.

Seit mehr als 400 Jahren werden in dem Seminar Priester ausgebildet, jetzt kämpft das Haus um seinen guten Ruf. Es geht um den Vorwurf antisemitischer und rechtsradikaler Vorfälle unter einem Teil der Studenten. Er habe deshalb zuletzt "viele schlaflose Nächte" verbracht, sagt Baumann.

Abgeordnete fordern Aufklärung

Er habe seinen Ohren nicht getraut, als er Anfang Mai von den Vorwürfen hörte: Eine Feier im Keller des Priesterseminars am 20. April zum Geburtstag von Adolf Hitler, ein Konzertbesuch bei einer fragwürdigen Band, Judenwitze - die besorgniserregenden Informationen wurden gleich von mehreren Seiten an Baumann herangetragen, unter anderem war von KZ-Witzen die Rede.

Baumann führte Gespräche, um die Dinge ans Licht zu bringen. Er dulde nichts, "was in irgendeiner Weise judenfeindlich, menschenverachtend oder rassistisch ist", betont der Regens, dies machte er den Studenten auch in einem Brief deutlich. Nicht alle der insgesamt 18 angehenden Priester wollten offen reden.

Nur dauerte es nicht lang, bis die Vorgänge öffentlich wurden. "Generalvikar besorgt: Judenwitze im Priesterseminar", schrieb etwa die "Main-Post". Mehrere Landtagsabgeordnete forderten Aufklärung in dem Fall, der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann müsse sich einschalten, sagte etwa die Grünen-Parlamentarierin Simone Tolle.

Auch der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern äußerte sich: Die Vorwürfe müssten "umfassend und rückhaltlos" aufgeklärt werden, sagte Josef Schuster. Sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten, seien die betroffenen Priesteranwärter "in keiner Weise" für ihre angestrebte Aufgabe geeignet. Er erwarte zudem eine Erklärung des Bischofs.

"Nicht entschuldbar"

Bischof Hofmann sah sich offenbar zum Handeln gezwungen. Es habe am Donnerstag ein Gespräch mit dem Generalvikar des Seminarkollegiums sowie einigen Seminaristen gegeben, um die Vorwürfe "über rechtsradikale Umtriebe im Würzburger Priesterseminar zu klären", hieß es am Freitag in einer Presseerklärung des Bischofs. Dabei sei eingeräumt worden, "dass einmal bei einem Zusammentreffen von drei Studenten ein Judenwitz erzählt wurde". Dies sei "nicht entschuldbar".

Die Studenten hätten aber erklärt, dass es im Keller des Seminars am 20. April keine Feier gegeben habe, "die im Zusammenhang mit dem Hitler-Geburtstag gestanden hätte". Dagegen sei eingestanden worden, dass ein Student ein Konzert der Band Frei.Wild besucht habe, "ohne die Hausleitung über die Problematik dieser Gruppe zu informieren". Der Band wird unter anderem vorgeworfen, rechtslastig zu sein und Gewalt zu propagieren.

Hofmann kündigte die Einsetzung einer externen Kommission an, um die Details der Vorwürfe zu prüfen. Sie soll von Norbert Baumann, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Bamberg, geleitet werden. Der Richter und der gleichnamige Regens des Seminars sind nicht verwandt.

Die Kommission, so heißt es in der Erklärung, werde die zuständigen Bischöfe in Würzburg und Bamberg informieren. Diese würden "gegebenenfalls Konsequenzen ziehen". Mit anderen Worten: Das Sommersemester könnte für den ein oder anderen Würzburger Seminaristen schon bald vorbei sein.

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