Fassadendämmung Wuppertaler Hochhaus wird wegen Feuergefahr geräumt

Die Bewohner eines Hochhauses in Wuppertal müssen ihre Wohnungen verlassen. Die Fassadendämmung ähnelt der des ausgebrannten Grenfell Tower in London.

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Wegen einer Fassadendämmung, die dem des Londoner Grenfell Tower ähnelt, wird in Wuppertal ein elfstöckiges Hochhaus evakuiert. Das teilte die Stadt mit. Zu der Entscheidung sei man nach dem verheerenden Londoner Hochhausbrand gelangt. Die Bewohner sollen in ihre Wohnungen zurückkehren können, sobald die Fassadendämmung entfernt ist.

Nach dem Hochhausbrand in London habe man das Brandrisiko des Gebäudes in Wuppertal neu bewertet. Für die Betroffenen stünden Ersatzwohnungen bereit. Die Polizei sperrte das Haus am Dienstag ab, Busse standen bereit. Das Hochhaus befindet sich im Stadtteil Oberbarmen. Die "Westdeutsche Zeitung" berichtet, gegen 17.30 Uhr hätten die ersten Bewohner mit Koffern das Gebäude verlassen.

Ordnungsamt und Feuerwehr hätten die Evakuierung am Dienstagabend vorgenommen, weil die Sicherheitslage in dem Gebäude nach dem verheerenden Brand in London "neu bewertet" werde, sagte die Pressesprecherin der Stadt Wuppertal, Martina Eckermann. "Die Kunststofffassade und das darunterliegende Material sind brennbar." Die Bewohner des elfstöckigen Hauses würden daher "Etage für Etage in kommunale Wohnungen im Wuppertaler Stadtgebiet gebracht".

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Hochhausräumung in Wuppertal: Auszug in Oberbarmen

Die Fluchtwege des Hochhauses seien bei einem möglichen Fassadenbrand nicht erreichbar, sagte Eckermann: "Der Zugang zu dem Sicherheitstreppenhaus erfolgt über den Balkon." Auch die Feuerwehr könnte den Bewohnern bei einem Brand nicht zur Hilfe kommen, da das elfstöckige Gebäude nicht mit der Drehleiter zu erreichen sei.

Das Hochhaus wurde in den Sechzigerjahren gebaut. Es ist in privater Hand. Die Bewohner sollen in den kommunalen Unterkünften bleiben dürfen, bis der Vermieter die brennbare Fassade entfernt hat. Die Stadt Wuppertal überprüfe aktuell auch alle weiteren Hochhäuser auf mögliche Brandgefahren und Rettungswege, sagte Eckermann.

Großbritannien: Mangelhafter Brandschutz an mindestens 95 Hochhäusern

Ein defekter Kühlschrank hatte das Feuer im Grenfell Tower in London entfacht. Der Brand griff auf den ganzen 24-stöckigen Sozialbau über. Experten gehen davon aus, dass die Fassadendämmung bei der Ausbreitung des Feuers eine zentrale Rolle spielte: Die Flammen hatten sich rasend schnell über die Fassade ausgebreitet, mindestens 79 Personen starben.

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Der Produzent der Fassadenteile hat inzwischen Konsequenzen aus dem Brand gezogen. Die Reynobond-PE-Hülle werde nun weltweit nicht mehr für Hochhäuser verkauft, teilte der Hersteller Arconic mit.

Das Feuer in London hat Mängel im Brandschutz an vielen britischen Wohnblocks offenbart. Der britischen Regierung zufolge sind bislang alle 95 Gebäude durchgefallen, die bei stichprobenartigen Tests überprüft wurden. Betroffen sind nicht nur Gebäude in London, sondern auch in anderen Städten des Landes. Insgesamt sollen bei 600 Hochhäusern die Fassadenverkleidungen untersucht werden.

In London wurden als Reaktion auf den Brand bereits mehrere Hochhäuser geräumt.

ulz/dpa



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