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Wutbürger in Italien: Proteste gegen Bahntrasse eskalieren

Stuttgart 21 auf Italienisch: Wutbürger und gewaltbereite Autonome haben bei Turin gegen den Bau einer Hochgeschwindigkeitstrasse im Susa-Tal demonstriert. Es kam zu heftigen Scharmützeln mit der Polizei, fast 200 Menschen wurden verletzt.

AP

Turin - Innerhalb weniger Tage ist es bei Turin erneut zu schweren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Gegnern einer geplanten Hochgeschwindigkeitstrasse der italienischen Bahn gekommen. Als Tausende von Demonstranten am Sonntag eine Tunnelbaustelle im piemontesischen Chiomonte belagerten, setzte die Polizei Tränengas ein.

Radikale Demonstranten hätten Steine, Knallkörper und mit Ammoniak gefüllte Flaschen geworfen. Mindestens 188 Beamte seien unter anderem durch Sprengkörper verletzt worden, mehrere von ihnen schwer, teilte die Polizei mit. Zudem hätten auch mehrere Demonstranten und ein Bauarbeiter Verletzungen davongetragen.

Gewaltbereite Demonstranten seien aus ganz Italien und aus dem Ausland zur Baustelle im Susa-Tal westlich von Turin angereist, darunter auch Gruppen des "Schwarzen Blocks", hieß es bei der Polizei. Diese seien "paramilitärisch" vorgegangen. Fünf Demonstranten wurden festgenommen, die Arbeiten an dem Tunnel waren kurzfristig unterbrochen. Erst am vergangenen Montag waren bei heftigen Auseinandersetzungen etwa 80 Menschen verletzt worden, vor allem Sicherheitskräfte.

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Proteste in Italien: Ciao, Schnellbahn, Ciao
Die Trassengegner befürchten starke Eingriffe in die Natur durch das Bahnprojekt. Seit Jahren ist die in Norditalien vorbereitete Route für Hochgeschwindigkeitszüge (TAV) zwischen der piemontesischen Metropole und Lyon in Frankreich umstritten. Diese Verbindung soll den Bahnkorridor von Lissabon nach Kiew schließen.

In Chiomonte geht es um einen 7,5 Kilometer langen Tunnel. Die Arbeiten dort begannen Ende Juni, es war der Startschuss für den gesamten Bauabschnitt. Der Plan wird von Trassengegnern seit Jahren heftig bekämpft.

Der italienischen Regierung geht es vor allem auch darum, EU-Zuschüsse in Höhe von etwa 671 Millionen Euro an Italien und Frankreich für den Bau dieses Verbindungsstücks zu sichern. Schon früher, vor allem 2005, hatte es im Val di Susa schwere Auseinandersetzungen um das Projekt gegeben.

otr/dpa/dapd/Reuters

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insgesamt 71 Beiträge
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1. ...
Newspeak, 03.07.2011
Was soll eigentlich diese blöde Wort des "Wutbürgers"? Die Leute protestieren lediglich gegen unerträgliche national- und überstaatliche Bevormundungen und Zumutungen, die offensichtlich nur den Interessen einiger weniger dienen und nicht dem Wohl der Allgemeinheit. Es sind mithin Leute, die die besten Eigenschaften eines "Bürgers" vereinen. Eines Menschen, der niemand unter sich hat, aber genauso jede Herrschaft über sich rundweg ablehnt. Nationalstaaten sind mittlerweile die größte Gefahr für den Einzelnen, sei es, daß sie ihre Völker unterdrücken, sie in Kriege hetzen, sie bespitzeln und bevormunden, eigennützige Entscheidungen treffen, die das Wohl der Menschheit riskieren (Rüstungsausgaben, Umweltschutz usw.) und andere Dinge mehr. Man braucht sich ja nur die Marionetten an der Spitze der Regierungen anzuschauen. Berlusconi in Italien, Sarkozy in Frankreich, Merkel in Deutschland. Das sind doch keine Repräsentanten des Volkes. Das sind Helfershelfer und Günstlinge der Wirtschaft und der Banken. Das sind Machtmenschen, denen es nur um ihren persönlichen Vorteil geht. Das einzige Programm, das Merkel hat, ist Bundeskanzlerin zu sein und zu bleiben. Das ist doch keine Politik für Millionen von Menschen. Im Grunde haben wir hier dieselben Verhältnisse wie in den arabischen Ländern, was die Ignoranz der Herrschenden gegenüber den Problemen der Masse betrifft.
2. Super!
wolltsnursagen 03.07.2011
Zitat von NewspeakWas soll eigentlich diese blöde Wort des "Wutbürgers"? Die Leute protestieren lediglich gegen unerträgliche national- und überstaatliche Bevormundungen und Zumutungen, die offensichtlich nur den Interessen einiger weniger dienen und nicht dem Wohl der Allgemeinheit. Es sind mithin Leute, die die besten Eigenschaften eines "Bürgers" vereinen. Eines Menschen, der niemand unter sich hat, aber genauso jede Herrschaft über sich rundweg ablehnt. Nationalstaaten sind mittlerweile die größte Gefahr für den Einzelnen, sei es, daß sie ihre Völker unterdrücken, sie in Kriege hetzen, sie bespitzeln und bevormunden, eigennützige Entscheidungen treffen, die das Wohl der Menschheit riskieren (Rüstungsausgaben, Umweltschutz usw.) und andere Dinge mehr. Man braucht sich ja nur die Marionetten an der Spitze der Regierungen anzuschauen. Berlusconi in Italien, Sarkozy in Frankreich, Merkel in Deutschland. Das sind doch keine Repräsentanten des Volkes. Das sind Helfershelfer und Günstlinge der Wirtschaft und der Banken. Das sind Machtmenschen, denen es nur um ihren persönlichen Vorteil geht. Das einzige Programm, das Merkel hat, ist Bundeskanzlerin zu sein und zu bleiben. Das ist doch keine Politik für Millionen von Menschen. Im Grunde haben wir hier dieselben Verhältnisse wie in den arabischen Ländern, was die Ignoranz der Herrschenden gegenüber den Problemen der Masse betrifft.
Danke, klasse Kommentar.
3. Cui bono?
suchenwi 03.07.2011
Das Susa-Tal ist also ein weiteres Beispiel, neben S21, für heftigen Widerstand gegen ein Bahnprojekt. In beiden Fällen geht es um Schnellfahrstrecken und Tunnels. In Chiomonte ist wohl kein Bahnhof geplant (würde sich vom Verkehrsaufkommen her auch wohl nicht rechnen). Hier geht es um die Schliessung des "Bahnkorridor von Lissabon nach Kiew". Hat man eine Analyse gemacht, wieviele Leute von Lissabon nach Kiew per Bahn fahren wollen? Das Argument kommt mir so bekannt vor, weil bei S21 ein Bahnkorridor "zwischen Paris und Bratislava" um... 20 Minuten, oder wieviel? beschleunigt werden sollte. Nachdem es schon seit 6 Jahren Proteste im Susa-Tal gibt, wäre es sinnvoller gewesen, die Bahn handelt mit den durchfahrenen Gemeinden einen Kompromiss (Ausgleichsflächen usw.) aus, der per Volksabstimmung zu bestätigen ist. In Stuttgart ist zwar auch ein neuer Hbf geplant, aber Zeitvorteile bringt der eigentlich nur den Leuten, die da weder aus- noch einsteigen. Wie hoch war noch mal das Passagieraufkommen Paris - Bratislava?
4. Eskalation gefördert durch Bashing der Presse
Moebius07 03.07.2011
Zitat von sysopStuttgart 21 auf Italienisch: Wutbürger und gewaltbereite Autonome haben bei Turin gegen den Bau einer Hochgeschwindigkeitstrasse im Susa-Tal demonstriert.*Es kam zu*heftigen Scharmützeln mit der Polizei, Dutzende Menschen wurden verletzt. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,772081,00.html
Gerade die Medien sid es, die die Wutbürger und Gutmenschen durch provokante Berichte gegen die ausführenden Behörden bzw. Unternehmen aufstacheln um die Machthabenen zu stürzen. Der Spiegel ist ein sehr gutes Beispiel dafür: Banale Ausbauten der Infrastruktur werden als Beelzebub dargestellt, die Masse springt wie die Lemminge drauf an, radikale linke Flügel geben bei Demonstrationen mit Gewalt den Rest dazu. Vergleicht man pragmatisch dazu die allegmeine Berichterstattung zur Problematik in den Medien zum aktuellen Tagesgeschehen, sollte jedem aufgeklärtem Bürger die Propaganda bewusst werden. Mal ganz ehrlich: Unter drei Millionen Arbeitslose, Atomausstieg, Energiewende, Stuersenkung: Warum giften linke Medien gegen jeden Pfurz der Regierenden? Um die Masse aufzustacheln, der Opposition zu Stimmengewinnen zu verhelfen und den Allgemeinfrieden zu stören. Fazit: CDU/FDP: Immer böse, nix gutt, SPD/Grüne: Die Gutmenschen ohne Fehl und Tadel. So werden heutzutage die Massen vergiftet!
5. Ich frage mich...
berpoc 03.07.2011
... immer wieder aufs Neue, wieso so etwas die Menschen auf die Straße treibt, während sich angesichts des von Politikern, Banken und Bankern angerichteten Totalschadens, der uns noch Jahrzehnte belasten wird, niemand aufregt und die Straßen bevölkert.
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