Orkantief "Xaver" Neue Sturmflut erreicht den Norden

"Xaver" drückt die See gegen die Küste. Einige Regionen im Norden haben das zweite Hochwasser durch den Orkan bereits hinter sich. Die Hamburger warten noch auf den Scheitel: Die Innenbehörde erhöhte den erwarteten Pegel in der Nacht von 5,80 auf 6,50 Meter.

DPA

Hamburg - Sturmtief "Xaver" hat sich über Deutschland ausgebreitet. Schwere Orkanböen ziehen über weite Teile des Landes hinweg. Dächer wurden abgedeckt, Lkw umgeweht, Bäume stürzten um. Die Küstenregion an der Nordsee kämpft gegen eine weitere schwere Sturmflut (verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung im Liveticker).

Der Scheitel erreichte in der Nacht gegen 1.00 Uhr die ostfriesischen Inseln. Um Viertel nach zwei Uhr war es in Emden so weit, eine Stunde später auf der Hallig Hooge. Zunächst blieb die Lage offenbar ruhig. "Es sind bisher keine größeren Schäden aufgetreten", sagte ein leitender Feuerwehrmann auf der Insel Norderney.

Bei Cuxhaven wurde der Höchststand mit 3,11 Meter über dem örtlichen mittleren Hochwasser gegen 2.30 Uhr erreicht. Wilhemshaven meldete 3,30 Meter. Auf Borkum wurden gegen 1.00 Uhr 2,66 Meter erreicht, im nordfriesischen Büsum waren es gegen 3.00 Uhr drei Meter. Hinweise auf Schäden an Deichen hatte die Behörden nicht. Die Hochwässerstände lägen "weit jenseits der Deichkronen", sagte Sylvin Müller-Navarra, Leiter für Sturmwarnungen beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

In Hamburg wird der Hochwasserscheitel um 6.27 Uhr erwartet. Die Innenbehörde warnt vor einer sehr schweren Sturmflut. In der Nacht korrigierten die Experten die erwartete Höhe von 5,80 Meter auf 6,50 Meter über Normalnull (NN). Weite Teile des Hafens wurden ab 1.00 Uhr gesperrt, Anwohner mussten tiefer gelegene Gebiete entlang der Elbe verlassen. Die Hochwasserschutzanlagen haben nach Angaben der Behörde Höhen zwischen 7,50 Meter über Normalnull bis 9,25 Meter über NN.

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"Xavers" Böen: Neue Windvorhersagen bis Freitag
Auf das Hochwasser in dieser Nacht werden noch weitere folgen, denn Xaver hat eine außergewöhnlich lang anhaltende Kraft. Insgesamt treibt der Orkan nach bisherigen Erkenntnissen drei schwere Sturmfluten an die Nordseeküste und nach Hamburg. Jeweils mit den Gezeiten wird alle zwölf Stunden ein extremes Hochwasser auflaufen. "Xaver" bläst voraussichtlich fast zwei Tage aus Nordwesten. Der maximale Wasserstand hängt davon ab, wie stark der Wind zum Zeitpunkt des Gezeitenhochwassers weht und aus welcher Richtung er kommt.

Tote in Großbritannien und Dänemark

Die Halligen meldeten bereits am Donnerstagmittag "Land unter". Die tosende Nordsee drückte gegen die Deiche. Das Unwetter mit gefährlichen Böen und Schnee legte das Leben von Millionen Menschen im Norden Europas lahm, in Großbritannien und Dänemark gab es Tote. An vielen Schulen in Norddeutschland fällt am Freitag der Unterricht aus.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wurden auf Sylt am Donnerstagabend Windgeschwindigkeiten von 148 Kilometern pro Stunde erreicht. Im NDR-Fernsehen sprach der Meteorologe Karsten Schwanke sogar von 185 Stundenkilometern.

Reisenden machte "Xaver" das Leben schwer. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen, der Bahnverkehr im Norden und in Nordrhein-Westfalen war gestört. Mehrere Fernverbindungen zwischen Nord- und Süddeutschland stellte die Bahn über Nacht vorsorglich gänzlich ein.

"Xaver" wird auch am Freitag das Wasser weiter gegen die Küste drücken. Der Deutsche Wetterdienst warnte bis 10.00 Uhr vor Orkanböen. Danach soll der Wind an Kraft verlieren.

Zunächst hatte das Tief in Großbritannien für Chaos gesorgt. In Schottland waren am Nachmittag 100.000 Häuser ohne Strom. Zwei Menschen kamen dort ums Leben. Vor Südschweden gingen bei stürmischer See zwei Männer über Bord und werden seitdem vermisst. Auf dem skandinavischen Festland standen große Teile des Verkehrs still. Züge fuhren in der südschwedischen Region Schonen und in Dänemark gar nicht mehr, die großen Brücken waren für den Verkehr gesperrt.

Auf dem höchsten Berg Norddeutschlands, dem Brocken im Harz, erreichte "Xaver" am Donnerstag eine Spitzengeschwindigkeit von 155 Stundenkilometern. "Das ist nichts Besonderes für unsere Verhältnisse", hieß es bei der Wetterstation auf dem Berg. Es habe Schneeverwehungen gegeben, doch dies seien ganz normale winterliche Bedingungen.

ler/dpa

insgesamt 2 Beiträge
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eventhorizon 06.12.2013
1. Kleine Bildergalerie
Hier ein paar Impressionen von Donnerstag Nachmittag, Meldorfer Bucht http://www.myholstein.de/index.php/shtagesgeschehen/1200-05-12-2013-sturmtief-xaver
Lord Chester 06.12.2013
2. Hysteriker tun sich immer wichtig
"Tatsächlich hatte die Sturmflut in Hamburg schon um 6.09 Uhr ihren Höchststand erreicht - mit 3,96 Metern über dem Mittleren Hochwasser (...)" Die Prognose wurde in der Nacht von Amts wegen von 5,80 m auf 6,50 m erhöht. Was wollen diese Pussys in den Ämtern eigentlich mit ihrer ständigen Alarmisierungen erreichen? Dass die Leut´ sie für wichtig nehmen? Ich erlebe es tagtäglich, wie die sog. Rettungswagen ohne wirklichen Einsatz und Notwendigkeit mit vollem Gedröhn und Theater durch die Strassen fahren. Nur um zu beeindrucken. Die Profilneurose und der eigene Wahn scheint die neue deutsche Krankheit zu sein, die sich ein primitiver Rudeljournalismus angeschlossen hat. Das grenzt doch an Belästigung der Leser und Zuschauer, was hier die deutsche Journalistik wieder einmal in vorauseilender Panik verbreitete.
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