Yemenia-Absturz: Mehrere Leichen vor der Küste Tansanias geborgen

Die Suche nach Opfern und Wrackteilen wird in Richtung Tansania ausgeweitet: Vor der Küste des ostafrikanischen Landes wurden Leichen gefunden, die vermutlich vom Unglücksflug der Yemenia Air stammen. Der Airbus war mit 153 Menschen an Bord in den Indischen Ozean gestürzt.

Paris/Daressalam - An der Küste Tansanias sind 13 Leichen angeschwemmt worden, bei denen es sich allem Anschein nach um Opfer des Flugzeugabsturzes vor den Komoren handelt. Auch ein Flugzeugsitz und ein Metallteil mit der Aufschrift "Airbus" seien an einem Strand sichergestellt worden, teilten die tansanischen Behörden am Mittwoch mit.

Bei den Toten handele es sich um Europäer und Afrikaner, auch drei Frauen seien darunter. Französische Ermittler seien vor Ort, um bei der Identifizierung der Leichen zu helfen. Nach Angaben eines Sprechers von Ministerpräsident Said Nguba werden die Leichen im Krankenhaus der Insel Mafia untersucht. Die Identifizierung sei angesichts des fortgeschrittenen Verwesungsprozesses jedoch sehr schwierig.

"Wir haben bereits eine Suchaktion gestartet, um mehr Leichen zu bergen", sagte der Leiter der Bezirksverwaltung von Mafia Island, Manzie Mangochie, der tansanischen Zeitung "The Citizen". Demnach fanden Fischer die Leichen vor einer Inselgruppe im Indischen Ozean.

In der Folge wurde die Suche nach Wrackteilen in Richtung Tansania ausgedehnt. Ein Polizeisprecher von Mafia Island sagte, Fischer und ein Rettungsteam der Insel seien im Einsatz. Die starke Strömung habe das Wrack und die Toten von den rund 600 Kilometer entfernten Komoren nach Nordwesten Richtung Tansania treiben lassen.

Der Flug IY 626 war am 30. Juni mit 153 Menschen an Bord kurz vor der Landung bei schlechtem Wetter verunglückt. Der Airbus vom Typ A310 war auf dem Weg von der jemenitischen Hauptstadt Sanaa nach Moroni, der Hauptstadt der Komoren, gewesen. Nur ein zwölfjähriges Mädchen überlebte wie durch ein Wunder.

Vor den Komoren ging indes die Suche nach den Flugschreibern weiter, in einem eingegrenzten Gebiet. Ein französisches U-Boot hatte am Sonntag Signale von den Sendern der Flugschreiber empfangen, noch konnten der Flugdatenschreiber und der Stimmenrecorder aber nicht gefunden werden.

Die Black Boxes liegen einem französischen Militärsprecher zufolge vermutlich in einer Tiefe von 500 bis 1200 Metern - zu tief, um von Tauchern erreicht zu werden. Frankreich schickt Spezialroboter, die den Meeresgrund absuchen können und laut Plan am Sonntag eintreffen sollen.

Die jemenitische Luftfahrtgesellschaft Yemenia hat dem europäischen Flugzeugbauer Airbus unterdessen mit der Abbestellung von zehn Maschinen gedroht. Wenn Frankreich bei seiner "harten" Haltung bleibe und wenn weiterhin "Druck" auf Yemenia ausgeübt werde, sehe das Unternehmen sich gezwungen, die vor eineinhalb Jahren aufgegebene Bestellung der Airbus-Flugzeuge vom Typ A350 "zu überprüfen", sagte Yemenia-Chef Abdelchalek El Kadhi am Dienstagabend. Obwohl die Ermittlungsergebnisse zu dem Absturz vor einer Woche noch gar nicht vorlägen, werde auf die Airline Druck ausgeübt, kritisierte Kadhi.

Frankreichs Verkehrsstaatsekretär Dominique Bussereau und Außenminister Bernard Kouchner hatten nach dem Unfall Vorwürfe gegen Yemenia erhoben: Nach ihren Angaben war der abgestürzte Airbus A310 bei der letzten Kontrolle in Frankreich 2007 bereits durch schwere Mängel aufgefallen und hatte seitdem nicht mehr in Frankreich landen dürfen.

In Frankreich demonstrierten am Wochenende Tausende Komorer vor den Büros von Yemenia Air. Sie werfen der Fluggesellschaft vor, auf den Flügen von Sanaa zu den Komoren "Schrottmaschinen" einzusetzen. Die Fluggesellschaft hatte bei dem ursprünglich in Paris gestarteten Flug zunächst einen neueren Airbus eingesetzt, der nach einer Zwischenlandung in Sanaa gegen die ältere Maschine ausgetauscht wurde.

Komoren-Inseln im Indischen Ozean

siu/AP/AFP/dpa

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