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Yves Saint Laurent gestorben: Seine Kleider machten Frauen mächtig

Yves Saint Laurent gilt als einer der genialsten Modedesigner aller Zeiten, wurde als Revolutionär der Damenmode gefeiert. Gemeinsam mit Coco Chanel und Christian Dior machte er Paris zum Zentrum der Haute Couture. Jetzt ist der Franzose im Alter von 71 Jahren gestorben.

Paris - "Chanel schenkte den Frauen die Freiheit, und Saint Laurent gab ihnen Macht", sagte der langjährige Freund und Partner des Modeschöpfers, Pierre Bergé, dem Radiosender France Info. Laurent starb nach langer Krankheit in der Nacht zu Montag in seiner Pariser Wohnung.

Berühmt wurde Saint Laurent in den sechziger Jahren - vor allem mit Schnitten, die bis dahin ausschließlich Männern vorbehalten waren. Sein Name und seine Initialen ("YSL") stehen bis heute für eine Umwälzung der Frauengarderobe, die oftmals Skandale auslöste: Hosenanzüge und Matrosenjacken für Damen galten als revolutionär. "Er war mehr als ein Provokateur, er war ein echter Schöpfer, ein libertärer Anarchist, der Bomben in die Mitte der Gesellschaft warf - so befreite er die Frauen", sagte Bergé weiter.

"Die schönsten Kleidungsstücke für eine Frau sind die Arme des Mannes, den sie liebt. Für all diejenigen, denen dieses Glück verwehrt bleibt, gibt es mich", sagte Saint Laurent 1983 über seine eigene Rolle.

"Ich liebe vor allem die Strenge"

Zum Grundstock seiner Kollektionen gehörten der Kittel, die gerade fallende Matrosenjacke, der Trenchcoat, der Hosenanzug - und der Smoking. In vielen seiner Entwürfe dominierten gedeckte Farben: Schwarz sei seine Zuflucht, sagte Saint Laurent.

Nur für den Abend entwarf er Festkleider von märchenhafter Pracht, setzte chinesische Staatsgewänder, afrikanische Exotik oder alpenländische Folklore in moderne Abendroben um. Einen starken Einfluss hatte die zeitgenössische Kunst auf den Einsiedler in seiner 600 Quadratmeter großen, mit wertvollen Bildern bestückten Pariser Wohnung. Die Maler waren seine Lehrmeister auf der Suche nach den Grundformen des Bildnerischen auch in der Mode.

Als Hommage verwandelte er Mondrians geometrische Flächenaufteilung, Pop-Art-Muster, den Kubismus von Picasso und den Farbenrausch von Matisse in Kleider. "Ich liebe vor allem die Strenge, die Einfachheit, die klassische Schönheit. Aber meine Phantasie und meine Talente in der Vorstellungkraft lassen mich manchmal in Richtung des Barocken tendieren", sagte Saint Laurent einst.

Entdeckung mit 17 Jahren

Yves Saint Laurent wurde am 1. August 1936 in Oran geboren, in der damaligen französischen Kolonie Algerien. Schon als Kind beeinflusste ihn die Leidenschaft seiner Mutter für Mode. Bereits 1953 erhielt er für ein Cocktailkleid den 1. Preis des "Internationalen Wollsekretariats" - einer seiner Mitbewerber damals war Karl Lagerfeld.

1954 ging er nach Paris und wurde noch im selben Jahr Assistent von Christian Dior. Drei Jahre später übernahm er nach dem Tod des Meisters dessen Nachfolge. Schon für seine ersten Kollektionen, darunter die berühmte "Trapezlinie", die Schluss machte mit der damals üblichen weiblichen Wespentaille, wurde Saint Laurent als Wunderkind der Pariser Modeszene gefeiert - wegen seiner "Straßenmode" aber auch als ihr Ruin beschimpft.

Drei Jahre bestimmte Saint Laurent die Linie des Hauses Dior, bis er ab September 1960 seinen Wehrdienst ableisten musste und bei Dior durch Marc Bohan ersetzt wurde. Nach mehreren Nervenzusammenbrüchen entließ ihn die Armee jedoch nur wenige Wochen später, im November 1960. In seine alte Position konnte er jedoch nicht zurückkehren - Dior hielt an Bohan als Chefdesigner fest.

Ein neues Kapitel begann für Saint Laurent 1962 mit der Eröffnung eines eigenen Modehauses mit seinem Partner Bergé. Die Verbindung zwischen dem empfindsamen Modeschöpfer und dem leidenschaftlichen Kunstfreund und Finanzgenie erwies sich als Glücksfall: Aus dem Zweizimmer-Studio wurde ein weit verzweigtes Unternehmen. 1966 brachte Saint Laurent mit "Rive Gauche" als erster Haute-Couturier Prêt-à-Porter-Mode auf den Markt - auch dies ein Erfolg.

"Das Gefängnis der Depression"

Die Erfolgsmarke "YSL" ist heute noch ein Weltlabel - dabei wurde es schon 1993 zum ersten Mal verkauft, damals an Elf-Sanofi, bis es schließlich 1999 von Gucci, einer Tochter des Luxuskonzerns PPR (Pinault-Printemps-Redoute), übernommen wurde. Nur die Haute Couture, höchste Schneiderkunst mit Maßmodellen für die Reichen und Schönen dieser Welt, blieb bis zu Saint Laurents Rückzug im Jahr 2002 in dessen Hand.

In Frankreich gilt Saint Laurent als Ikone; der frühere Staatspräsident François Mitterrand nannte den Modeschöpfer einst einen "Botschafter französischer Kultur in der Welt". 1985 wurde der Designer zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.

Trotz seines Ruhms und seiner Erfolge blieb Saint Laurent Zeit seines Lebens scheu, weltabgewandt und von Ängsten geprägt. "Er hatte eine öffentliche und eine private Seite", sagte Bergé. Im Privaten, das die Menschen weniger gekannt hätten, sei er schüchtern und introvertiert gewesen, er habe wenig Freunde gehabt.

"Yves hat meisterhaft eine der schönsten Seiten im Buch des französischen Geistes geschrieben", schrieb Bergé 1996. "Das müsste ihn glücklich machen. Aber wer das glaubt, weiß nicht, dass Kreativität immer eine Hochzeit von Talent und Leid ist."

Auch der Modeschöpfer selbst sprach die dunklen Seiten seines Lebens bei seinem Abschied 2002 offen an. Er habe in seinem Leben "Angst und schreckliche Einsamkeit gekannt, die falschen Freunde Beruhigungsmittel und Drogen, das Gefängnis der Depression und das der Sanatorien".

han/AFP/dpa/AP

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