Spanische Modekette Zara blamiert sich mit "Sklavensandalen"

2014 geriet die spanische Modekette Zara in die Kritik, weil sie ein Kindershirt mit einem gelben Stern anbot. Jetzt leistet sich das Unternehmen erneut einen Schnitzer - und reagiert prompt.

"Sklavensandalen" von Zara: Ein Übersetzungsfehler?

"Sklavensandalen" von Zara: Ein Übersetzungsfehler?


Die spanische Modekette Zara ist für gelegentliche Fehltritte bei der Vermarktung bekannt. Im Jahr 2007 zog das Unternehmen eine Handtasche aus dem Verkehr, die mit Hakenkreuzen verziert war. Im vorigen Jahr tauchte im Programm ein Kindershirt auf, an dessen Brust ein gelber Stern prangte. Es erinnerte an die Kleidung von KZ-Häftlingen.

Die Modemacher versuchten noch, sich mit einer Inspiration durch Sheriff-Sterne herauszureden - und nahmen nach Protesten auch diese Geschmacklosigkeit aus dem Programm. Umso mehr verwundert es, dass Zara aus den Fehlern offenbar kaum Lehren gezogen hat. Am Dienstag gab es auf der deutschen Internetseite "Dreifarbige Sklavensandalen" zu kaufen - für günstige 19,95 Euro. Grün-Blau-Braun. Oder Pink-Rot-Braun. Neuware.

Sklavensandalen? Warum dieser Name? Sollen sich die Besitzer wie Unterdrückte fühlen? Oder soll der Name womöglich darauf hinweisen, dass die Sandalen unter sklavenähnlichen Bedingungen produziert werden? Viele große Modeketten stehen seit Langem in der Kritik, weil sie in Billiglohnländern schneidern lassen.

"Produktbezeichnung der Sandale umgehend geändert"

Nach einer Anfrage von SPIEGEL ONLINE reagierte Zara Deutschland am Nachmittag prompt. Man wolle "gerne informieren", dass Zara "die Produktbezeichnung der Sandale umgehend geändert hat", nachdem man "Kenntnis über diesen Übersetzungsfehler erhalten" habe. Ganz generell akzeptiere Zara "in keiner Weise jegliche Art von offensivem oder respektlosem Verhalten einer Person oder Gemeinschaft gegenüber".

Seit wann die Sandalen im Angebot waren, wo sie hergestellt wurden, worin der Übersetzungsfehler bestand - all diese Fragen beantwortete das Unternehmen nicht.

Am Abend stand die Offerte noch immer im Netz.

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Badischer Revoluzzer 07.04.2015
1. So macht man Werbung
und so kommt man ins Gespräch. Das ist doch Absicht und ein alter Hut.
Abel Frühstück 07.04.2015
2.
Und dann haben die die Sandalen nur in Blau oder Pink, nicht einmal in 50 Shades of Grey. (Letztes Jahr gab es von Zara auch das berühmte Hemd mit "SS"-Runen. Wohl aber nur in Spanien.)
fanfare1910 07.04.2015
3. Wirklich dummer Übersetzungsfehler
Auf Spanisch heißen diese Sandalen wirklich "esclavas". Natürlich sind das Übersetzungsfehler, die nicht passieren dürfen. Im Restaurant kann man ja noch schmunzeln, wenn man grüne Jüdinnen statt grüner Bohnen zu essen bekommt (judías verdes) oder Päpste statt Kartoffeln (papas). Ein schönes Beispiel ist aber auch der Mitsubishi Pajero, der auch in Spanien anfangs so hieß. Bis dann irgendwann irgendjemand mal ins Wörterbuch geschaut hat bzw. sich gewundert hat, warum die Spanier den Namen so lustig fanden. "Was für ein Auto hast du?" - "Ich fahre einen Wichser."
D_v_T 07.04.2015
4.
"Offensives Verhalten" war dann wohl auch ein Übersetzungsfehler... Arbeiten denn in solchen Unternehmen keine Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen? Das Thema wird doch heute an allen (den meisten) Unis so groß geschrieben...
Bueckstueck 07.04.2015
5. Amüsant
Ich finde den Namen witzig - wenns Absicht gewesen wäre. Fehlt nur das passende Accessoire: Die Bullenpeitsche für dem Sklaventreiber (der Ehemann / Freund?) Die Leute sollten sich mal lockerer machen und nicht gleich bei jeder Gelegenheit aufheulen. Hakenkreuzverzierungen und Judenstern geht natürlich gar nicht, aber Sklavensandalen für den Shitstorm? Oh bitte...
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