Zeitgeschichte: Tödliche Schüsse ohne Vorwarnung

Am 24. März 1985 erschoss ein sowjetischer Posten bei Ludwigslust Major Arthur Nicholson von der US-Militärmission in Potsdam und löste damit eine Krise zwischen den Supermächten aus. Nun deklassifizierte amerikanische Unterlagen zeigen, wie der Zwischenfall in Geheimverhandlungen entschärft wurde.

Hamburg - Washington und Moskau einigten sich demnach auf einen bislang unbekannten Verhaltenskodex für ihre Soldaten in Deutschland. Nicholson war ohne Vorwarnung erschossen worden, als er sich an eine Werkhalle für Panzerfahrzeuge heranschlich. Gemäß alliiertem Recht durften sich die Angehörigen der Militärmissionen in der DDR zwar weitgehend frei bewegen, das war jedoch nur wenigen sowjetischen Soldaten bekannt, wie die neuen Dokumente zeigen.

Herbeigeeilte Offiziere und Sanitäter der Sowjetarmee verweigerten dem schwer verletzten Amerikaner über eine Stunde lang medizinische Hilfe. Nicholson verblutete. US-Präsident Ronald Reagen sprach von "Mord". In den Verhandlungen verpflichtete sich Moskau nun, sein gesamtes Militärpersonal in der DDR zu informieren, dass der "Einsatz von Gewalt oder Waffen" gegen Angehörige der alliierten Missionen "strengstens verboten" sei.

1988 entschuldigten sich die Sowjets sogar offiziell. Aus Anlass des zwanzigsten Todestages von Nicholson enthüllt das Berliner Alliierten-Museum am Donnerstag in Anwesenheit hochrangiger amerikanischer und deutscher Offiziere einen Gedenkstein am Ort des Geschehens. Klaus Wiegrefe

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