Los Angeles - Der dreiseitige FBI-Bericht soll den Schluss nahe legen, dass Vertraute Monroes ein Komplott geschmiedet haben, um ihren Tod herbeizuführen, berichtet die australische Zeitung "Sydney Morning Herald". Der "Inner Circle" um den Hollywoodstar habe aus ihrem Psychiater Ralph Greenson, dem Schauspieler und engen Freund Peter Lawford, ihrer Haushälterin, ihrem Privatsekretär und Pressesprecher Pat Newcomb sowie ihrem Geliebten Robert Kennedy bestanden.
Der australische Filmemacher Philippe Mora, der in Los Angeles lebt, sagte der Zeitung, er habe das brisante Dokument unter Tausenden Aktenseiten entdeckt, die im vergangenen Oktober im Rahmen des Informationsfreiheitsgesetzes in den USA zur Einsicht freigegeben worden waren. Er sei von einem namentlich nicht genannten ehemaligen FBI-Agenten verfasst worden.
Obwohl die Quelle schon damals nicht identifiziert werden konnte, habe der Report schnell unter den fünf ranghöchsten Beamten der Bundespolizei kursiert, unter ihnen Clyde Tolson, die rechte Hand des FBI-Direktors J. Edgar Hoover. Anschließend sei die Akte für Jahrzehnte unter Verschluss gehalten worden, so der "Sydney Morning Herald". Das Papier lasse den Schluss zu, dass Lawford, der mit Kennedys Schwester Patricia verheiratet war, die treibende Kraft hinter Monroes Selbstmord gewesen ist.
"Spezielle Vorkehrungen" vor Monroes Selbstmord
Nach dem Zeitungsbericht finden sich in der Akte Details über die Affäre der Schauspielerin mit dem damaligen US-Justizminister Robert Kennendy sowie über Sexpartys und Monroes depressive Phasen: "Peter Lawford (geschwärzte Passage) wusste von Marilyns Freunden, dass sie mit dem Gedanken spielte, einen Selbstmordversuch vorzutäuschen, um Mitleid zu erwecken", soll es in den Akten heißen. Monroe soll ermutigt worden sein, einen weiteren Selbstmordversuch zu unternehmen - allerdings mit der Zusicherung, dass sie rechtzeitig gefunden und gerettet werden würde.
Doch in den frühen Morgenstunden des 5. August 1962 wurde die 36-Jährige tot in ihrem Zimmer entdeckt. Sie lag nackt und mit dem Gesicht nach unten auf ihrem Bett - Todesursache war eine akute Vergiftung mit Barbituraten. In dem jetzt veröffentlichten FBI-Bericht heißt es, Lawford habe "spezielle Vorkehrungen" mit Monroes Psychiater Greenson getroffen, damit dieser ihr eine ungewöhnlich hohe Menge des Beruhigungsmittels Seconal verschreibt.
"Tricks von Kennedy-Hassern oder historische Wahrheit?"
"Er verschrieb ihr 60 Seconal-Tabletten", so der Bericht, "eine ungewöhnlich hohe Menge, da er sie ja regelmäßig sah". Monroes persönlicher Sekretär habe die Flasche mit den Pillen an ihrem Todestag auf ihren Nachttisch gestellt, heißt es weiter. Am gleichen Tag habe "Robert Kennedy Lawford angerufen, um herauszufinden, ob Marilyn schon tot ist", so die Aufzeichnungen. Die Akte sei mit "Robert F. Kennedy" beschriftet und am 19. Oktober 1964 beim FBI eingegangen - gut zwei Jahre nach dem Tod des Filmstars.
Zu den Motiven für ein mögliches Selbstmord-Komplott gibt es keine spezifischen Angaben in dem Bericht, allerdings soll die Schauspielerin dem Politiker damit gedroht haben, ihre Affäre publik zu machen. Kennedy habe Monroe zuvor versprochen, sich von seiner Frau scheiden zu lassen und sie zu heiraten. Darüber hinaus habe er sich um ihre beruflichen Schwierigkeiten kümmern wollen - das Studio 20th Century Fox hatte den Vertrag mit der Schauspielerin gekündigt. Als Kennedy seine Versprechen nicht eingelöst habe, soll Monroe ihn im Büro angerufen haben, heißt es in dem Bericht. Dabei seien "heftige Worte" gefallen.
Filmemacher Mora bezeichnete das FBI-Dokument gegenüber dem "Sydney Morning Herald" als "unzweifelhaft echt", fügte jedoch hinzu, dass der Bericht unterschiedlich interpretiert werden könne: "Handelt es sich um ausgeklügelte schmutzige Tricks von Kennedy-Hassern von damals oder kommen wir der historischen Wahrheit näher?"
jto
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